Ber­ger Mord­pro­zess schleppt sich hin

An­ge­klag­ter wie­der­holt sei­nen Be­fan­gen­heits­an­trag ge­gen den Vor­sit­zen­den Rich­ter

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - OBERSCHWABEN - Von An­ton Was­ser­mann

BERG/RAVENSBURG - Der Mord­pro­zess vor dem Gro­ßen Schwur­ge­richt des Land­ge­richts Ravensburg ge­gen ei­nen 46-jäh­ri­gen Mann aus Berg zieht sich über die nächs­ten Mo­na­te hin. Ges­tern ha­ben die Pro­zess­be­tei­lig­ten wei­te­re Ter­mi­ne bis zum 16. Au­gust ver­ein­bart. Den­noch ist un­klar, ob es bis da­hin zu ei­nem Ur­teil kommt.

Wie be­reits mehr­fach be­rich­tet, wird der An­ge­klag­te be­schul­digt, im Ju­li 2016 sei­ne ge­trennt von ihm le­ben­de Ehe­frau nachts er­würgt und an­schlie­ßend ei­nen Sui­zid vor­ge­täuscht zu ha­ben. Er war mit sei­nen Kin­dern über ein ver­län­ger­tes Wo­che­n­en­de in die Er­din­ger Ther­me ge­fah­ren und hat­te dort in ei­nem Ho­tel ge­wohnt.

Die An­kla­ge wirft ihm vor, nachts die Ho­tel­an­la­ge ver­las­sen zu ha­ben, um sei­ne Frau im ge­mein­sa­men Wohn­haus in Berg zu er­mor­den, und ge­gen 6 Uhr mor­gens wie­der ins Ho­tel zu­rück­ge­kehrt zu sein. Als Be­weis­mit­tel die­nen un­ter an­de­rem Vi­deo­auf­zeich­nun­gen im Ho­tel und in ei­nem Au­to­bahn­tun­nel auf der A 96 zwi­schen Mün­chen und Lands­berg. Au­ßer­dem wur­den bei der To­ten Haut­par­ti­kel des An­ge­klag­ten un­ter drei Fin­ger­nä­geln si­cher­ge­stellt. Die er­mit­teln­den Kri­po­be­am­ten schlos­sen dar­aus, dass sich die Frau im To­des­kampf ge­gen ih­ren Mann ge­wehrt ha­ben muss.

Der Be­schul­dig­te be­strei­tet nach wie vor die ihm zur Last ge­leg­te Tat. Das Ge­richt hat ges­tern meh­re­re Kri­po­be­am­te ver­nom­men, die das Vi­deo­ma­te­ri­al aus­ge­wer­tet, Spu­ren ge­si­chert be­zie­hungs­wei­se das Wohn­haus der Fa­mi­lie und sei­ne Um­ge­bung nach dem Auf­fin­den der Lei­che fo­to­gra­fisch do­ku­men­tiert ha­ben.

Au­ßer­dem wur­de der Sch­wa­ger (Ehe­mann der Schwes­ter) der Ge­tö­te­ten als Zeu­ge ver­nom­men. Er war am Nach­mit­tag nach der Tat­nacht zu­sam­men mit sei­ner Frau und den Schwie­ger­el­tern zu dem Wohn­haus ge­fah­ren, nach­dem die Frau des An­ge­klag­ten nicht bei ei­ner Ge­burts­tags­fei­er er­schie­nen und auch te­le­fo­nisch nicht er­reicht wor­den war. Sie fan­den die nur mit ei­nem Slip be­klei­de­te Lei­che im Kel­ler und ver­stän­dig­ten Not­arzt und Po­li­zei.

Das Ver­hält­nis zu sei­nem Schwipp-Sch­wa­ger schil­der­te der Zeu­ge als eher un­ter­kühlt. Nach der Tren­nung der Ehe­leu­te sei­en die Kon­tak­te sel­ten ge­wor­den, zu­mal der An­ge­klag­te sei­nen Schwie­ger­va­ter be­schul­digt hat, ein se­xu­el­les Ver­hält­nis mit sei­ner Toch­ter ein­ge­gan­gen zu sein be­zie­hungs­wei­se sie se­xu­ell miss­braucht zu ha­ben.

„Er war schon krank­haft ei­fer­süch­tig“, mein­te der Zeu­ge. Das hät­ten auch die heim­li­chen Tonauf­zeich­nun­gen mit ei­nem Dik­tier­ge­rät ge­zeigt, an­hand de­rer der An­ge­klag­te die­sen Miss­brauch wäh­rend sei­ner be­ruf­li­chen Ab­we­sen­heit be­le­gen woll­te. Das Ge­richt konn­te dar­auf aber kei­ne be­las­ten­den Ge­räu­sche her­aus­hö­ren. Die Tonauf­zeich­nun­gen wer­den nun ans Lan­des­kri­mi­nal­amt ge­schickt, um sie dort ge­nau­er ana­ly­sie­ren zu las­sen. Eben­so die Klei­dungs­stü­cke, die der An­ge­klag­te an dem Tag ge­tra­gen hat­te, an dem sei­ne Frau zu To­de kam. Glei­ches gilt für Tei­le des Ehe­betts.

Hat­te das Ge­richt in die­sen Punk­ten ent­spre­chen­den Be­weis­an­trä­gen des An­ge­klag­ten statt­ge­ge­ben, so wies es sei­nen Be­fan­gen­heits­an­trag ge­gen den Vor­sit­zen­den Rich­ter Jür­gen Hut­te­rer zu­rück. Hut­te­rer hat­te es bei frü­he­ren Ver­hand­lungs­ta­gen ab­ge­lehnt, Be­las­tungs­zeu­gen un­ter Eid aus­sa­gen zu las­sen und aus Sicht des An­ge­klag­ten Ent­las­tungs­zeu­gen barsch und un­fair ver­nom­men. Der Be­fan­gen­heits­an­trag wur­de aus for­ma­len Grün­den ab­ge­lehnt.

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