Trau­er und Trotz in Groß­bri­tan­ni­en

Nach dem neu­en Ter­ror mit sie­ben To­ten will Pre­mier­mi­nis­te­rin May här­ter durch­grei­fen

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - ERSTE SEITE - Von Se­bas­ti­an Bor­ger und un­se­ren Agen­tu­ren

LON­DON - Nach dem drit­ten schwe­ren Ter­ror­an­schlag in Groß­bri­tan­ni­en in kur­zer Zeit will Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May den ra­di­ka­len Is­la­mis­mus aus der bri­ti­schen Ge­sell­schaft „aus­rot­ten“. Zu­gleich un­ter­stütz­te die Re­gie­rungs­che­fin die „Shoot to Kill“-Tak­tik der Po­li­zei, al­so ge­ziel­te Schüs­se mit Tö­tungs­ab­sicht auf An­grei­fer. „Jetzt reicht’s“, sag­te May nach dem An­schlag vom Sams­tag­abend. Am Don­ners­tag wäh­len die Bri­ten ein neu­es Par­la­ment. Der Kampf ge­gen den Ter­ror rückt in den Mit­tel­punkt des Wahl­kampfs.

Am Mon­tag­abend iden­ti­fi­zier­te die Po­li­zei in Lon­don zwei der mut­maß­li­chen At­ten­tä­ter als Khur­am Sha­zad Butt (27) und Ra­chid Re­doua­ne (30). Der in Pa­kis­tan ge­bo­re­ne Bri­te Butt sei Po­li­zei und dem Ge­heim­dienst MI5 be­kannt ge­we­sen, teil­ten die Be­hör­den mit. Es ha­be je­doch kein Ver­dacht be­stan­den, dass der Mann ei­nen An­schlag plant. Re­doua­ne, der sich als Ma­rok­ka­ner oder auch als Li­by­er aus­ge­ge­ben ha­be, sei nicht auf­fäl­lig ge­wor­den. Bei­de leb­ten im Ost­lon­do­ner Stadt­teil Bar­king. Dort nahm die Po­li­zei ins­ge­samt zwölf Men­schen fest, sie­ben Frau­en und fünf Män­ner. Je ein Mann und ei­ne Frau sei­en wie­der frei.

Drei Män­ner hat­ten am Sams­tag­abend im Zen­trum Lon­dons Men­schen mit ei­nem Lie­fer­wa­gen und lan­gen Mes­sern at­ta­ckiert und da­bei sie­ben Pas­san­ten ge­tö­tet und cir­ca 50 teils schwer ver­letzt. Die An­grei­fer wur­den von Po­li­zis­ten er­schos­sen – vom No­t­ruf bis zu ih­rer Tö­tung ver­gin­gen acht Mi­nu­ten. Un­ter den Ver­letz­ten wa­ren of­fen­bar auch zwei Deut­sche. Die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) re­kla­mier­te den An­schlag für sich.

May stell­te we­ni­ge Ta­ge vor der Par­la­ments­wahl ei­nen Vier-Punk­tePlan vor, der sich mit al­ler Här­te nicht nur ge­gen Ter­ro­ris­ten, son­dern ge­gen den ra­di­ka­len Is­la­mis­mus rich­tet: „Wir müs­sen viel stär­ker dar­an ar­bei­ten, ihn zu er­ken­nen und ihn aus dem öf­fent­li­chen Di­enst und der Ge­sell­schaft aus­zu­rot­ten.“May plant un­ter an­de­rem ei­ne schär­fe­re Über­wa­chung von In­ter­net und Mes­sen­ger­diens­ten, auch län­ge­re Haft­stra­fen ge­hö­ren zum Pa­ket. Ihr Her­aus­for­de­rer Je­re­my Cor­byn von der op­po­si­tio­nel­len La­bour-Par­tei for­der­te die frü­he­re In­nen­mi­nis­te­rin zu­nächst zum Rück­tritt auf, ru­der­te dann aber zu­rück: Die Wahl sei ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, May los­zu­wer­den.

Die Bri­ten schwan­ken der­weil zwi­schen Trau­er und Trotz. Dies wur­de am Mon­tag­abend bei ei­ner Mahn­wa­che mit Tau­sen­den Men­schen un­weit des Tat­orts in Lon­don deut­lich. Be­reits am Sonn­tag war Aria­na Gran­de er­neut in Man­ches­ter auf­ge­tre­ten, ge­mein­sam mit an­de­ren Pop-Grös­sen wie Ta­ke That und Phar­rell Wil­li­ams. Das Kon­zert „One Lo­ve“vor 50 000 Zu­schau­ern soll­te zur Hei­lung und Ver­söh­nung der eben­falls vom Ter­ror heim­ge­such­ten Stadt bei­tra­gen, der Er­lös kommt den Ter­ror­op­fern zu­gu­te. Es gab vie­le Trä­nen und viel Bei­fall für die Ap­pel­le, sich vom Ter­ro­ris­mus nicht den Le­bens­stil ver­der­ben zu las­sen.

Doch von Nor­ma­li­tät ist die In­sel noch weit ent­fernt. Im Ge­den­ken an die Op­fer des An­schlags wer­den die Bri­ten heu­te ab 11 Uhr Orts­zeit (12 Uhr MESZ) ei­ne Schwei­ge­mi­nu­te ab­hal­ten.

LON­DON - Drei Ter­ror­an­schlä­ge in drei Mo­na­ten: Groß­bri­tan­ni­en kommt nicht zur Ru­he. Nach der Atta­cke mit sie­ben To­ten und et­wa 50 Schwer­ver­letz­ten trau­ern die Men­schen in Lon­don um die Op­fer – und fei­ern ih­re Hel­den. Die Stra­te­gie im Kampf ge­gen den Ex­tre­mis­mus heizt auch den Schluss­spurt des Wahl­kamp­fes kräf­tig an.

Am Mon­tag­abend kom­men Tau­sen­de in ei­nem Park an der Them­se un­weit des Tat­orts zu ei­ner Mahn­wa­che zu­sam­men. „Wir wer­den die­se Feig­lin­ge nie ge­win­nen las­sen, und wir wer­den uns nie vom Ter­ro­ris­mus ein­schüch­tern las­sen“, sagt Lon­dons mus­li­mi­scher Bür­ger­meis­ter Sa­diq Khan mit Blick auf die At­ten­tä­ter. „Das ist un­se­re Stadt, das sind un­se­re Wer­te, und das ist un­se­re Le­bens­art.“Kahn lobt den Mut der Lon­do­ner: „Ihr seid die Bes­ten von uns!“

In Groß­bri­tan­ni­en wird die An­schlags­ge­fahr von der Re­gie­rung schon seit 2014 als „höchst wahr­schein­lich“ein­ge­stuft und steht da­mit auf der zweit­höchs­ten Stu­fe. Wie ernst Po­li­zei und Be­völ­ke­rung das neh­men, er­le­ben Rei­sen­de im­mer wie­der: Wer an den Bahn­hö­fen der Stadt ei­nen Kof­fer nur für fünf Se­kun­den aus den Au­gen lässt, muss sich schon schar­fe Nach­fra­gen von Po­li­zei oder Pas­san­ten ge­fal­len las­sen. Ähn­li­che Sze­nen sind in der U-Bahn gang und gä­be: Bei ver­meint­lich her­ren­lo­sem Ge­päck ver­lie­ren die Lon­do­ner ih­re sonst sprich­wört­li­che Ge­las­sen­heit, sind selbst fröh­lich An­ge­trun­ke­ne bin­nen Se­kun­den stock­nüch­tern.

Mit Last­wa­gen und Mes­sern

Se­kun­den­schnel­les Um­schal­ten von Fei­er­lau­ne auf Alarm­stim­mung – so muss es am Sams­tag­abend auch in den Pubs rund um den Bo­rough Mar­ket am Süd­ufer der Them­se ge­we­sen sein. Mit ei­nem Klein­last­wa­gen war ein Is­la­mis­ten-Trio kurz nach 22 Uhr auf den brei­ten Geh­steig der Lon­don Bridge ge­fah­ren und hat­te Pas­san­ten um­ge­fah­ren. Als das Ge­fährt zum Ste­hen kommt, at­ta­ckie­ren die drei Tä­ter wahl­los Pub-Be­su­cher und Spa­zier­gän­ger mit Mes­sern. „Das ist für Al­lah“, ru­fen sie Au­gen­zeu­gen zu­fol­ge. Ge­off­rey Ho glaubt zu die­sem Zeit­punkt an ei­ne nor­ma­le Schlä­ge­rei. Dass da zwei Ker­le ei­nen ein­sa­men Tür­ste­her ver­mö­beln, will der Hob­by-Ka­ra­te­kämp­fer nicht zu­las­sen. Be­herzt geht der Wirt­schafts­re­dak­teur des „Sun­day Ex­press“da­zwi­schen. Spä­ter zeigt ihn ein Fo­to, wie er blut­be­su­delt vom Tat­ort weg­ge­führt wird.

Es gibt vie­le sol­cher Ge­schich­ten all­täg­li­chen Hel­den­tums. Das Mas­sa­ker be­en­den al­ler­dings erst die acht Be­am­ten ei­nes Spe­zi­al­kom­man­dos: Mit ins­ge­samt 50 Ku­geln aus ih­ren Ma­schi­nen­pis­to­len er­schie­ßen sie die drei Tä­ter vor dem „Wheat­s­he­af Pub“, tref­fen auch ei­nen ame­ri­ka­ni­schen Tou­ris­ten, des­sen Le­ben aber nicht ge­fähr­det ist. Sie­ben Men­schen ha­ben die Ter­ro­ris­ten ge­tö­tet, Dut­zen­de ver­letzt. Noch im­mer schwe­ben min­des­tens acht Per­so­nen in Le­bens­ge­fahr. Am Mon­tag­abend gibt die Po­li­zei die Na­men von zwei der drei Lon­do­ner At­ten­tä­ter be­kannt: Khur­am Sha­zad Butt, 27 Jah­re alt, in Pa­kis­tan ge­bo­re­ner Bri­te, der der Po­li­zei und dem In­lands­ge­heim­dienst MI5 be­kannt war, so­wie Ra­chid Re­doua­ne, ein 30-Jäh­ri­ger, der sich als Ma­rok­ka­ner oder auch als Li­by­er aus­ge­ge­ben hat. Bei­de wohn­ten im Ost­lon­do­ner Stadt­teil Bar­king. Wei­te­re Ver­däch­ti­ge, die nach dem An­schlag fest­ge­nom­men wor­den wa­ren, kom­men am Abend wie­der frei.

Als ge­fähr­lich be­kannt

Von ei­nem der Tä­ter ist be­kannt, dass ein Be­kann­ter ihn vor zwei Jah­ren bei der Hot­li­ne des Ge­heim­diens­tes mel­de­te. „Wir spra­chen über ei­nen An­schlag“, be­rich­tet der Zeu­ge der BBC. „Und er ent­schul­dig­te ein­fach al­les. Das war mir un­heim­lich.“Die Be­hör­de ha­be den Hin­weis ent­ge­gen­ge­nom­men, pas­siert sei nichts. Die Aus­sa­ge gleicht aufs Haar den Schil­de­run­gen von Be­kann­ten des jun­gen Is­la­mis­ten Sal­man Abe­di. Der Bri­te li­by­scher Her­kunft zün­de­te vor zwei Wo­chen nach dem Kon­zert von USPop­star Aria­na Gran­de im Foy­er der Are­na-Kon­zert­hal­le ei­ne Bom­be und riss 22 Men­schen, über­wie­gend jun­ge Mäd­chen und de­ren El­tern, in den Tod. Auch sein Va­ter, so le­gen es Re­cher­chen bri­ti­scher Jour­na­lis­ten na­he, war den Ge­heim­diens­ten als Mit­glied ei­ner is­la­mis­ti­schen Op­po­si­ti­ons­grup­pe ge­gen das Re­gime von Mu­am­mar Gad­da­fi be­kannt. Und so stellt sich er­neut die Fra­ge, ob der An­schlag hät­te ver­hin­dert wer­den kön­nen.

Si­cher­heits­de­bat­te im Wahl­kampf

Am Don­ners­tag wäh­len die Bri­ten vor­zei­tig ein neu­es Par­la­ment – und so be­stimmt der Kampf ge­gen den Ter­ror auch die Schluss­pha­se des wahl­kampfs. Op­po­si­ti­ons­füh­rer Je­re­my Cor­byn greift Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May fron­tal an und for­dert sie zum Rück­tritt auf. „Wir ha­ben ein Pro­blem. Wir hät­ten das Po­li­zei­bud­get nicht kür­zen sol­len, und May war da­für ver­ant­wort­lich.“Spä­ter re­la­ti­viert er die Rück­tritts­for­de­rung: „Am Don­ners­tag ist Wahl, das ist die bes­te Ge­le­gen­heit, die Sa­che zu be­werk­stel­li­gen.“Als May den um drei Jah­re vor­ge­zo­ge­nen Ur­nen­gang ein­for­der­te, schien ihr ein Erd­rutsch­sieg si­cher. Aber hin­ter der In­sel liegt ei­ne sie­ben­wö­chi­ge Wahl­kam­pa­gne, in der vie­le eins­ti­ge Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten in­fra­ge ge­stellt wur­den. Dar­un­ter je­ne, dass Si­cher­heits­pro­ble­me au­to­ma­tisch den Kon­ser­va­ti­ven zu­gu­te kom­men wür­den. Stimmt das noch in der fieb­ri­gen At­mo­sphä­re nach dem drit­ten An­schlag bin­nen neun Wo­chen?

May war am Sonn­tag vor ih­ren Amts­sitz in der Dow­ning Street ge­tre­ten, um sich an die Na­ti­on zu wen­den. Mit ei­nem Vier-Punk­te-Plan will sie Här­te de­mons­trie­ren. Ne­ben här­te­ren Ge­fäng­nis­stra­fen und mehr Druck auf In­ter­net-Kon­zer­ne ist vor al­lem ein Punkt bri­sant: Es ge­be auf der In­sel „viel zu viel To­le­ranz ge­gen­über dem Ex­tre­mis­mus“. Sie spricht von „schwie­ri­gen und häu­fig un­an­ge­neh­men Ge­sprä­chen“, die nun an­ste­hen wür­den. Ei­ne Fra­ge könn­te lau­ten: Soll­te man Leu­te, die im Aus­land für ei­ne mör­de­ri­sche Abart des Is­lam kämp­fen, wie­der ins Land las­sen? Es geht um ei­ne lang­wie­ri­ge De­bat­te. An des­sen En­de, hofft die Pre­mier­mi­nis­te­rin, soll­ten die Men­schen nicht län­ger in Ghet­tos ne­ben­ein­an­der­her le­ben, son­dern ein „wirk­lich ver­ei­nig­tes Kö­nig­reich“bil­den.

Auch US-Prä­si­dent Do­nald Trump meint, sich ein­mi­schen zu müs­sen. Er teilt nicht nur, na­tür­lich in Ver­sa­li­en, sei­ne So­li­da­ri­tät mit Groß­bri­tan­ni­en mit. Er kri­ti­siert auch Lon­dons Bür­ger­meis­ter Sa­diq Khan für die Äus­se­rung, es ge­be „kei­nen Grund zur Auf­re­gung“. Bin­nen Mi­nu­ten sprin­gen die Bri­ten dem Bür­ger­meis­ter zur Sei­te. Trumps Mit­tei­lung ent­hal­te ein fal­sches Zitat, er­wi­dert ei­sig der Chef­re­dak­teur der hoch­se­riö­sen „Fi­nan­ci­al Ti­mes“, Lio­nel Bar­ber: Tat­säch­lich hat Khan nur da­von ge­spro­chen, die Haupt­städ­ter wür­den in den nächs­ten Ta­gen „mehr be­waff­ne­te Po­li­zei auf den Stra­ßen“se­hen und in die­sem Zu­sam­men­hang von Auf­re­gung ab­ge­ra­ten. Khan selbst lässt durch ei­nen Spre­cher aus­rich­ten, er ha­be „Wich­ti­ge­res zu tun“als auf die schlecht in­for­mier­ten Tweets aus dem Wei­ßen Haus zu re­agie­ren.

THE­MA des Ta­ges

NÜRNBERG/NÜR­BURG­RING - Zu Bands wie die To­ten Ho­sen, Kraft­klub, Sys­tem of a Down, Pro­phets of Ra­ge und Mack­la­mo­re & Ryan Le­wis ha­ben am Pfingst­wo­chen­en­de bei Rock im Park in Nürnberg und Rock am Ring am Nür­burg­ring Zehn­tau­sen­de Mu­sik­fans ge­fei­ert. Rock am Ring war am Frei­tag­abend we­gen Ter­ror­ge­fahr un­ter­bro­chen wor­den, wur­de aber am Sams­tag fort­ge­setzt.

„Um es auf den Punkt zu brin­gen: Das ist schei­ße“, sagt Jo­el O’Ke­ef­fe von der aus­tra­li­schen Band Air­bourne im In­ter­view mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“am Sams­tag. „Man darf das aber nicht zu nah an sich her­an­las­sen. Man muss wei­ter­ro­cken“, sagt er. Das sieht auch Cam­pi­no von den To­ten Ho­sen so. Sei­ne Band be­tritt am Frei­tag­abend in Nürnberg die Büh­ne, nach­dem der de­si­gnier­te Schutz­en­gel die Zu­schau­er über den Ab­bruch beim Zwil­lings­fes­ti­val am Nür­burg­ring in­for­miert hat. Für Nürnberg ha­be das kei­ne Aus­wir­kun­gen. Cam­pi­no schwört die Zu­schau­er dar­auf ein, sich den Spaß nicht ver­der­ben zu las­sen und statt­des­sen dem Ter­ror den Mit­tel­fin­ger zu zei­gen.

Ei­ne Por­ti­on Trotz

Die To­ten Ho­sen selbst ge­hen mit gu­tem Bei­spiel in ih­rer zwei­stün­di­gen Show vor­an. Mit viel Ener­gie, gu­ter Lau­ne und ei­ner Por­ti­on Trotz lie­fern die fünf Mu­si­ker ei­nen Qu­er­schnitt durch 35 Band­jah­re. Ih­re Songs ha­ben ei­ni­ges Sym­bol­träch­ti­ges („Weil du nur ein­mal lebst“) und Durch­hal­te­pa­ro­len („Steh auf, wenn du am Bo­den bist“) pa­rat. Auch et­li­che Ti­tel von ih­rem im Mai er­schie­ne­nen Al­bum ha­ben es auf die Set­lis­te ge­schafft. Er­war­tungs­ge­mäß ist der Mit­gröl­fak­tor bei neu­en Songs wie „Ur­knall“, „Lau­ne der Na­tur“, und „Un­ter den Wol­ken“noch nicht ganz so hoch, wie bei den seit Jahr­zehn­ten mit­ge­sun­ge­nen Songs wie „Al­les aus Lie­be“oder „Bon­nie & Cly­de“.

Eben­falls mit neu­em Ma­te­ri­al und neu­er Show am Start sind am Frei­tag Kraft­klub. Ge­zap­pelt wird nicht nur vor, son­dern auch auf der Büh­ne. Die Chem­nit­zer schei­nen sich mit gro­ßer Pro­duk­ti­on ein we­nig vom In­dieClub-Image ih­rer bis­he­ri­gen Tou­ren eman­zi­pie­ren zu wol­len.

Am Sams­tag folgt die Er­leich­te­rung, dass es bei Rock am Ring wei­ter­ge­hen kann. Jo­el O’Ke­ef­fe von Air­bourne ver­spricht nach sei­nem Auf­tritt in Nürnberg, den Fans am Nür­burg­ring die best­mög­li­che Show zu bie­ten. Auch an­de­re Künst­ler le­gen sich ins Zeug, die Ring­ro­cker für den we­nig kon­zertrei­chen Frei­tag zu ent­schä­di­gen: Un­ter an­de­rem ho­len die Broi­lers und Mar­te­ria ih­re Auf­trit­te nach. Rammstein ge­lang das mit ih­rer auf­wen­di­gen Pro­duk­ti­on nicht. Den Be­su­chern bei­der Fes­ti­vals at­tes­tiert die Po­li­zei gu­te Mit­ar­beit und an­ge­mes­se­nes Ver­hal­ten. Die „Jetzt erst recht“-Den­ke scheint sich durch­ge­setzt zu ha­ben.

Pro­phets of Ra­ge zäh­len si­cher­lich zu den mit am meis­ten Neu­gier er­war­te­ten Künst­lern am Sams­tag. Die Band be­steht aus Mit­glie­dern von Ra­ge Against the Ma­chi­ne („Kil­ling in the Na­me“), Cy­press Hill („In­sa­ne in the Brain“) und Pu­b­lic Ene­my („Fight the Power“). Von al­len drei Bands ha­ben sie Songs im Ge­päck, wo­bei der Schwer­punkt deut­lich auf den Ra­ge Against the Ma­chi­ne Stü­cken liegt. Die Band gibt – eben­so wie Rap­per Mack­lemo­re spä­ter – ein kla­res State­ment ge­gen US-Prä­si­dent Trump ab. Die Sän­ger er­wei­sen sich durch­aus als wür­di­ge In­ter­pre­ten von Zack de la Rochas Ge­sang, wenn es um Tracks wie „Gu­er­ril­la Ra­dio“oder „Bul­let in the Head“geht. Zwi­schen all dem Bra­chia­len wird es kurz­zei­tig auch nach­denk­lich: Zu­sam­men mit Sän­ger Serj Tan­ki­an von Sys­tem of a Down wid­men sie dem im Mai ver­stor­be­nen Sän­ger und Freund Chris Cor­nell ei­nen Song.

Nach der Show der Pro­phets of Ra­ge fol­gen auf den bei­den gro­ßen Büh­nen noch Auf­trit­te von Sys­tem of a Down und Mack­lemo­re & Ryan Le­wis. Wäh­rend es bei Sys­tem of a Down er­war­tungs­ge­mäß bra­chi­al zu­geht, lie­fert Mack­lemo­re mit „Thrift Shop“und „Sa­me Lo­ve“dann den club­taug­li­che­ren Ge­gen­pol.

Zwi­schen viel Rock, Punk und Rap hat das Duo 2Cel­los am Sonn­tag­nach­mit­tag die Park-Büh­ne über­nom­men. An den Co­ver­ver­sio­nen von Nir­va­na („Smells Li­ke Te­en Spi­rit“), AC/DC („High­way to Hell“) und Avicii („Wa­ke Me Up“) gibt es zwar tech­nisch nichts aus­zu­set­zen, al­ler­dings ha­ben die Mu­si­ker nicht die Un­ge­stüm­heit und Dy­na­mik wie sie die Cel­lis­ten von Apo­ca­lyp­ti­ca an den Tag le­gen.

Fi­na­le mit Rammstein

Nach 2Cel­los steht Li­am Gal­lag­her, frü­he­rer Oa­sis-Sän­ger, auf der Par­kBüh­ne. Er hat sei­nen Auf­tritt nach vorn ver­le­gen las­sen, um am Sonn­tag­abend noch bei „One Lo­ve Man­ches­ter“auf­zu­tre­ten. Sän­ge­rin Aria­na Gran­de hat­te das Be­ne­fiz­kon­zert nach dem Ter­ror­an­schlag vom 22. Mai in­iti­iert.

Mit viel Ge­pol­ter läu­ten Rammstein am Sonn­tag­abend dann das Fi­na­le in Nürnberg ein. Die Ver­an­stal­ter hat­ten vor­sorg­lich schon mal .die An­woh­ner vor den lau­ten Knall­ge­räu­schen ge­warnt. Ge­wohnt mar­tia­lisch geht es bei Ti­teln wie „Feu­er Frei“, „Zer­stö­ren“oder „Du hast“zu. Wohl­fühl-An­sa­gen, die sich man­che Fans ge­wünscht ha­ben, blei­ben aus. Ver­mut­lich ist das Rammsteins Ver­si­on von „dem Ter­ror den Mit­tel­fin­ger zu zei­gen“.

Wei­te­re Fotos gibt es on­li­ne un­ter www.schwa­ebi­sche.de/ ro­ck­im­park2017 2018 sind Rock am Ring (Nür­burg­ring) und Rock im Park (Nürnberg) für den 1. bis 3. Ju­ni ge­plant. In­fos un­ter www.rock-am-ring.com und www.rock-im-park.com.

FO­TO: IMA­GO

Trau­er an der Lon­don Bridge: Bür­ger ge­den­ken am Ort des An­schlags der Op­fer.

FO­TO: IMA­GO

Am Mon­tag­abend ka­men Tau­sen­de zu ei­ner Mahn­wa­che ins Zen­trum von Lon­don. Heu­te ist um 11 Uhr Orts­zeit ei­ne lan­des­wei­te Schwei­ge­mi­nu­te ge­plant.

FOTOS: DA­NI­EL DRESCHER

Ha­ben bei Rock im Park in Nürnberg ei­ne ge­wohnt mar­tia­li­sche und flam­men­rei­che Show ab­ge­lie­fert: Sän­ger Till Lin­de­mann und sei­ne Band Rammstein.

Po­li­ti­sches am Sams­tag­abend: Der US-ame­ri­ka­ni­sche Rap­per Mack­lemo­re spricht sich bei sei­nem Auf­tritt für To­le­ranz und ge­gen US-Prä­si­dent Trump aus.

Ap­pel­lie­ren an die Mu­sik­fans, sich den Spaß nicht neh­men zu las­sen: die To­ten Ho­sen.

Ent­spann­te At­mo­sphä­re bei den Fans in Nürnberg.

Kla­re An­sa­ge: Tom Mo­rel­lo von Pro­phets of Ra­ge.

Die Ru­he vor dem Sturm: Gleich legt Serj Tan­ki­an von Sys­tem of a Down wie­der los.

Prä­sen­tie­ren ihr neu­es Al­bum: Kraft­klub.

Gut ge­launt: Bas­sis­tin Ines von den Broi­lers.

Lie­fert ei­ne so­li­de Rock­show ab: Al­ter Bridge.

Von AC/DC bis Avicii: Co­ver­ver­sio­nen von 2Cel­los.

Ener­gie­ge­la­den: Fi­ve Fin­ger De­ath Punch.

Spaß in der ers­ten Rei­he: Fans vor der Zep­pe­lin-Sta­ge.

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