Dra­ma und Cha­os

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - ERSTE SEITE - Un­term­strich@schwa­ebi­sche.de

Spöt­ter be­haup­ten, Frau­en sei­en das ei­gent­lich star­ke Ge­schlecht, wäh­rend sich Män­ner vor al­lem in Selbst­mit­leid üben. Nun gibt es ei­nen wei­te­ren Hin­weis für die­se Theo­rie. Es geht um das Em­pty-Nest-Syn­drom. Je­nen Zu­stand, in den El­tern ge­ra­ten, wenn die Kin­der das Haus ver­las­sen. Ei­gent­lich ei­ne be­frei­en­de Si­tua­ti­on für al­le Be­tei­lig­ten. Be­ste­hen doch die ers­ten Jah­re als Fa­mi­lie in Win­deln wech­seln und Ba­by­ge­schrei, in Fern­seh­aben­den statt Par­ty, in frus­trie­ren­den ers­ten Schul­jah­ren, ge­folgt von nerv­tö­ten­den Te­enager­jah­ren in­klu­si­ve Dra­ma (Mäd­chen) und Cha­os (Jun­gen). Al­les stets be­glei­tet von der El­tern­sehn­sucht nach: Ru­he. Sind die Kin­der plötz­lich aus dem Haus (das Nest ist leer – Em­pty Nest), herrscht nicht nur Ru­he, son­dern: Stil­le. Schwei­gen. Und Ver­zweif­lung.

„Das Em­pty-Nest-Syn­drom gibt es wirk­lich“, sagt der Öko­nom Alan Pi­per von der Uni Flens­burg. Pi­per fand her­aus: Zieht das letz­te Kind aus ei­nem Haus­halt aus, geht die Le­bens­zu­frie­den­heit der El­tern auf­fal­lend zu­rück. Er­staun­lich: Be­son­ders stark sinkt die Zuf­rie­den­heit bei Vä­tern. Ei­ne Er­klä­rung da­für: „Vä­ter ha­ben in der Re­gel mehr Spaß- und Spiel­zeit mit den Kin­dern.“Müt­ter über­neh­men ei­nen grö­ße­ren Teil der Haus­ar­beit – die sie eher nicht ver­mis­sen.

Hier liegt auch ei­ne Lö­sung: Män­ner müss­ten sich, so­lan­ge die Kin­der da sind, deut­lich mehr an der Haus­ar­beit be­tei­li­gen, Win­deln wech­seln, Fens­ter put­zen und auf­räu­men. Ein­mal mit­ten im Le­ben könn­ten sie so­gar – ihr Selbst­mit­leid ab­le­gen. Des­halb kann die­ser Weg auch nie und nim­mer funk­tio­nie­ren. (dg)

FO­TO: DPA

Ver­zweif­lungs­tat: Ein Mann will dem Em­pty-Nest-Syn­drom vor­beu­gen.

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