Klin­gen­de Ar­chi­tek­tur

Mar­cus Bosch in­ter­pre­tiert Bruck­ners drit­te Sin­fo­nie in Kon­stanz

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - KULTUR - Von Kat­ha­ri­na●von Gla­sen­app

KON­STANZ - Rund um den Müns­ter­platz tobt der Bär mit Bands, Floh­markt, Stra­ßen­künst­lern und gut ge­laun­ten, vom lau­en Som­mer­abend ver­wöhn­ten Fla­neu­ren. Doch auch ins Müns­ter strö­men die Men­schen, nicht nur, weil es da an­ge­nehm tem­pe­riert ist, son­dern weil die Süd­west­deut­sche Phil­har­mo­nie sich dort für ein Son­der­kon­zert mit der drit­ten Sin­fo­nie von An­ton Bruck­ner ver­sam­melt hat. Die Mau­ern des Müns­ters sind dick und Bruck­ners Klän­ge mäch­tig – doch nicht im­mer ge­winnt die Klas­sik.

Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te sich die Süd­west­deut­sche Phil­har­mo­nie den 47-jäh­ri­gen Mar­cus Bosch zum ers­ten Gast­di­ri­gen­ten er­wählt, noch ehe die Er­nen­nung von Ari Ra­si­lai­nen zum Chef­di­ri­gen­ten des Orches­ters of­fi­zi­ell ge­wor­den war. Bosch hat­te sich mit der vier­ten Sin­fo­nie von Bruck­ner im letz­ten Jahr bes­tens ein­ge­führt. Nun al­so folg­te die grö­ßer di­men­sio­nier­te drit­te, für das kom­men­de Jahr ist die sechs­te Sin­fo­nie an­ge­kün­digt. Die Kir­chen­akus­tik ist für die wo­gen­den Klän­ge des Ober­ös­ter­rei­chers, der am Stift St. Flo­ri­an na­he Linz wirk­te, si­cher bes­ser ge­eig­net als das Kon­zils­ge­bäu­de, wenn man mit dem Raum um­ge­hen kann.

Mar­cus Bosch, der bis En­de der kom­men­den Sai­son noch Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor am Staats­thea­ter in Nürnberg ist und dort die­ser Ta­ge auch den ge­sam­ten Wa­gner­schen „Ring“di­ri­gier­te, hat viel Er­fah­rung mit der gro­ßen Sym­pho­nik und dem ro­man­ti­schen Re­per­toire. Mit sei­ner ru­hi­gen, kla­ren Kör­per­spra­che formt er die Klän­ge. Er glie­dert die Ak­kor­de und Klang­wo­gen und hat den gro­ßen Atem für die Bruck­ner ei­ge­nen Stei­ge­run­gen und Ge­ne­ral­pau­sen. In die­se Pau­sen wum­mert es dann al­ler­dings ger­ne von drau­ßen rein, tref­fen Wel­ten auf­ein­an­der. So wie die In­stru­men­tal­grup­pen wie Or­gel­re­gis­ter ge­trennt sind, spielt der Di­ri­gent mit ih­nen wie auf ei­ner gro­ßen Or­gel: Die gro­ße Strei­cher­grup­pe vor den Stu­fen, Holz­blä­ser und Hör­ner auf den Stu­fen, die pro­mi­nent ein­ge­setz­ten Trom­pe­ten und Po­sau­nen oben im Al­tar­raum. Und wenn die Pau­ke di­rekt ne­ben dem Am­bo pos­tiert ist, ha­ben auch de­ren in­ten­si­ve Wir­bel ei­ne be­son­de­re Aus­sa­ge­kraft. Ob die Schall­schutz­schil­de aus Ple­xi­glas hier aus­rei­chend sind, ist die Fra­ge.

Maß für Tem­pi und Dy­na­mik

Bosch lässt sich Zeit, lässt die Klän­ge wir­ken, bis sie im Kir­chen­schiff ver­hallt sind, kennt das Maß für Tem­pi und Dy­na­mik. Da gibt es den flie­ßen­den Strei­cher­klang im Ad­a­gio, die ge­schärf­ten Rei­bun­gen in den Blä­sern, die glei­ßen­den Trom­pe­ten und sat­ten Chor­al­me­lo­di­en, die wil­de Jagd und ei­nen ti­ri­lie­ren­den Länd­ler im Scher­zo. Bruck­ners Mu­sik ent­wi­ckelt ih­re Sog­kraft, nach 70 Mi­nu­ten bricht gro­ßer Ju­bel für das Orches­ter und sei­nen ers­ten Gast­di­ri­gen­ten aus.

Ab En­de Ju­ni ist Mar­cus Bosch wie­der in sei­ner Hei­mat­stadt Heidenheim zu er­le­ben, mit Kon­zer­ten und Wa­g­ners „Flie­gen­dem Hol­län­der“auf der im­po­san­ten Frei­licht­büh­ne – der Som­mer kann kom­men und die Ar­beit geht dem Di­ri­gen­ten mit Si­cher­heit nicht aus!

Mar­cus Bosch hat ein gu­tes Ge­spür für Bruck­ners Mu­sik. FO­TO: PR

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