Es feh­len Miet­woh­nun­gen

Mie­ter­bund-Chef Rips kri­ti­siert die Bun­des­re­gie­rung

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - ERSTE SEITE - Von Wolf­gang Mul­ke

BER­LIN (epd/ts) - In Deutsch­land feh­len ei­ne Mil­li­on Woh­nun­gen, und die Mie­ten stei­gen wei­ter. Der Deut­sche Mie­ter­bund zeig­te sich am Di­ens­tag in Ber­lin un­zu­frie­den mit der Woh­nungs­po­li­tik der Ko­ali­ti­on. Zwar ha­be die Bun­des­re­gie­rung die Miet­preis­brem­se ein­ge­führt und die Fi­nanz­mit­tel für den so­zia­len Woh­nungs­bau er­höht, doch die Preis­brem­se funk­tio­nie­re nicht. Auch der Bau güns­ti­ger Woh­nun­gen blei­be weit hin­ter dem Be­darf zu­rück, so Mie­ter­bund-Chef Franz-Ge­org Rips. Mit 6,3 Pro­zent im Bun­des­durch­schnitt sei­en die Mie­ten 2016 stär­ker ge­stie­gen als in den Vor­jah­ren.

Ge­baut wür­den vor al­lem Ein­und Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser so­wie Ei­gen­tums­woh­nun­gen, bei klas­si­schen Miet­woh­nun­gen herr­sche Man­gel. „Vor al­lem in Groß­städ­ten, Bal­lungs­ge­bie­ten und Uni­ver­si­täts­städ­ten su­chen Men­schen hän­de­rin­gend nach be­zahl­ba­rem Wohn­raum“, so Rips.

BER­LIN - In Deutsch­land wird wei­ter­hin deut­lich zu we­nig ge­baut. „Es feh­len in­zwi­schen ei­ne Mil­li­on Woh­nun­gen“, schätzt der Prä­si­dent des Deut­schen Mie­ter­bun­des (DMB), Franz-Go­erg Rips. Da­bei läuft die Bau­kon­junk­tur auf Hoch­tou­ren. Seit 2013 stie­gen die Neu­bau­zah­len um fast ein Drit­tel. 2016 wur­den fast 277 691 neue Woh­nun­gen fer­tig­ge­stellt. Um den Be­darf zu de­cken, müss­ten es je­doch rund 400 000 Ein­hei­ten pro Jahr sein. „In ers­ter Li­nie feh­len be­zahl­ba­re Miet­woh­nun­gen“, kri­ti­siert Rips. Denn meist in­ves­tie­ren die Bau­her­ren in teu­re Ei­gen­tums­woh­nun­gen oder in Ein­fa­mi­li­en­häu­ser. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den nur gut 53 000 klas­si­sche Miet­woh­nun­gen ge­baut.

Der Mie­ter­bund wirft der Bun­des­re­gie­rung Feh­ler und Ver­säum­nis­se vor. Die gut ge­mein­te Miet­preis­brem­se funk­tio­nie­re nicht. „Das Ge­setz ist un­brauch­bar“, sagt Rips. Ei­gent­lich soll­te es den über­mä­ßi­gen An­stieg der Mie­ten beim Wech­sel der Mie­ter ver­hin­dern. Doch laut Mie­ter­bund sind sie zu­letzt noch stär­ker ge­stie­gen als in den Jah­ren zu­vor. Wenn Mie­ter 2016 in Groß­städ­ten in ei­ne neue Woh­nung ge­zo­gen sei­en, hät­ten sie durch­schnitt­lich 6,3 Pro­zent mehr Mie­te ge­zahlt, als wenn sie im Vor­jahr ein­ge­zo­gen wä­ren. „Of­fen­sicht­lich hält sich ein Groß­teil der Ver­mie­ter nicht an die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen“, er­läu­tert Rips und for­dert ei­ne Nach­bes­se­rung der Re­ge­lun­gen.

Die Woh­nungs­un­ter­neh­men hal­ten die Miet­preis­brem­se ins­ge­samt für ein fal­sches In­stru­ment im Kampf ge­gen die Woh­nungs­not in Zen­tren und Bal­lungs­ge­bie­ten. „Be­zahl­ba­re Mie­ten ent­ste­hen durch Woh­nungs­neu­bau“, be­tont die Spre­che­rin des Bun­des­ver­bands deut­scher Woh­nungs- und Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­men, Kat­ha­ri­na Burk­hard. Der Ei­gen­tü­mer­ver­band Haus und Grund schlägt in die­sel­be Ker­be. „Man soll­te sie ab­schaf­fen“, for­dert des­sen Spre­cher Alex­an­der Wiech. Mie­tern mit ge­rin­ge­ren Ein­kom­men müs­se der Staat in­di­vi­du­ell durch Wohn­geld­zah­lun­gen hel­fen.

25 000 neue So­zi­al­woh­nun­gen

Das Wohn­geld steht auch auf der po­li­ti­schen Wun­sch­lis­te des Mie­ter­bun­des. Der DMB setzt sich für ei­ne re­gel­mä­ßi­ge An­pas­sung der Un­ter­stüt­zung an die Miet­preis­ent­wick­lung ein. Und auch der Auf­wand für en­er­ge­ti­sche Sa­nie­run­gen, die auf die Mie­ten durch­schla­gen, soll­te nach An­sicht des Mie­ter­bun­des beim Wohn­geld be­rück­sich­tigt wer­den.

Der Bun­des­re­gie­rung stellt Rips auch beim so­zia­len Woh­nungs­bau ein schlech­tes Zeug­nis aus. Zwar sei die För­de­rung in den letz­ten Jah­ren auf 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr ver­drei­facht wor­den. Doch ste­he der so­zia­le Woh­nungs­bau durch ei­ne Än­de­rung des Grund­ge­set­zes nach 2020 vor dem Aus. Im­mer mehr der 1,25 Mil­lio­nen ge­för­der­ten Be­stands­woh­nun­gen fal­len aus der So­zi­al­bin­dung her­aus. Und der Bund zieht sich aus der Fi­nan­zie­rung zu­rück und über­lässt die För­de­rung preis­wer­ten Wohn­raums den Län­dern. „Das Grund­ge­setz muss er­neut ge­än­dert wer­den, da­mit der so­zia­le Woh­nungs­bau ei­ne Ge­mein­schafts­auf­ga­be von Bund und Län­dern bleibt“, ver­langt Rips. Da­bei weiß der Mie­ter­bund die Woh­nungs­wirt­schaft an sei­ner Sei­te. „Der Bund muss die Län­der bei die­ser Mam­mut­auf­ga­be un­ter­stüt­zen“, sagt Burk­hardt. Ihr Ver­band schätzt den jähr­li­chen Be­darf an So­zi­al­woh­nun­gen auf 80 000. 2016 wur­den 25 000 ge­baut.

Bau­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) sieht da­ge­gen ei­ne Trend­wen­de beim Woh­nungs­bau. „Wir ha­ben die Woh­nungs­bau­po­li­tik in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode wie­der­be­lebt“, sagt die Mi­nis­te­rin. Die Bau­wirt­schaft er­le­be den größ­ten Boom seit Mit­te der 90er-Jah­re. Die Op­po­si­ti­on sieht das an­ders. „Die Ko­ali­ti­on sieht zu, wie Fa­mi­li­en, Ge­ring­ver­die­ner und Al­lein­er­zie­hen­de im­mer wei­ter an den Rand ge­drängt wer­den“, kri­ti­siert die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen, Ka­rin Gö­ring-Eckardt.

FO­TO: RO­LAND RASEMANN

Die Neu­bau­zah­len seit 2013 sind um knapp ein Drit­tel ge­stie­gen – auf 277 691 Woh­nun­gen im Jahr 2016.

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