„Dann brennt Wan­gen“

Die SZ hat den FC Wan­gen im Kampf ge­gen den Ab­stieg be­glei­tet.

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - ERSTE SEITE - Von Jan Schar­pen­berg

WAN­GEN - Die fi­na­len Mi­nu­ten in Laupheim lau­fen. Es gibt nie­man­den vom FC Wan­gen, der nicht an der Sei­ten­li­nie steht. Trai­ner Adri­an Phil­ipp läuft hin und her, mag gar nicht aufs Spiel­feld schau­en, schaut doch hin, ballt die Fäus­te, schreit An­wei­sun­gen und rauft sich die Haa­re. Die Er­sat­zund aus­ge­wech­sel­ten Spie­ler ru­fen dem Schieds­rich­ter zu, dass er ab­pfei­fen soll. Sie wir­ken an­ge­spannt wie ein Vul­kan kurz vor dem Aus­bruch. Be­treu­er Alois „Wie­se“We­ber schnauft laut bei je­dem Ball, den die Ab­wehr des FC aus dem ei­ge­nen Straf­raum schlägt. Im Spiel FV Olym­pia Laupheim ge­gen den FC Wan­gen steht es 3:2 für den FC Wan­gen.

Es ist Pfingst­sams­tag, es ist der 30. Spiel­tag in der Ver­bands­li­ga Würt­tem­berg. Das letz­te Spiel der Sai­son 2016/17. Ei­ne Sai­son, in der so oft nie­mand mehr an den Klas­sen­er­halt des FC ge­glaubt hat. Doch in die­sen letz­ten Mi­nu­ten kön­nen die Wan­ge­ner ihr Wun­der wahr­ma­chen. Ih­re Kon­kur­ren­ten im Ab­stiegs­kampf der TSV Berg und der FV Löch­gau ha­ben par­al­lel ge­spielt und ver­lo­ren. Die Spie­ler auf dem Platz ken­nen die En­d­er­geb­nis­se ih­rer Kon­kur­ren­ten nicht. Am Spiel­feld­rand und bei den schrei­en­den Fans auf der Tri­bü­ne weiß aber je­der Be­scheid. Al­les, was es jetzt noch zum Klas­sen­er­halt braucht, ist der Ab­pfiff des Schieds­rich­ters.

End­lich. Das Spiel ist vor­bei. Al­le sprin­ten auf den Platz, als wol­len sie die 100 Me­ter un­ter zehn Se­kun­den lau­fen. In die­sem Mo­ment rea­li­sie­ren die Feld­spie­ler, was ge­ra­de ge­sche­hen sein muss. Übe­r­all bil­den sich Ju­bel­trau­ben, es wird ge­schrien und ge­johlt. „Wie­se“will die zum Sieg hoch­ge­ris­se­nen Ar­me schein­bar nie wie­der sin­ken las­sen. Phil­ipp hat die Hän­de über dem Kopf zu­sam­men­ge­schla­gen, die Au­gen ge­schlos­sen und ein see­li­ges Grin­sen im Ge­sicht. Ein paar Spie­ler des FC sit­zen mit of­fe­nem Mund und un­gläu­bi­gem Blick auf dem Ra­sen und kön­nen ein­fach nicht fas­sen, was ge­ra­de pas­siert ist. We­ni­ge von ih­nen hat­ten vor dem Spiel dar­an ge­glaubt, dass sie es noch schaf­fen könn­ten.

Schlech­ter Start, gu­te Stim­mung

Frisch auf­ge­stie­gen aus der Lan­des­li­ga, ver­lief der Sai­son­start für den FC mi­se­ra­bel. Nach sechs Spiel­ta­gen wa­ren nur zwei Zäh­ler auf der Ha­ben­sei­te. Letz­ter Platz in der Li­ga. Der jet­zi­ge Co-Trai­ner Gün­ter „Gü­go“Gol­lin­ger, ein ech­tes Ur­ge­stein im Ver­ein, über­nimmt für zwei Spie­le und fährt den ers­ten Sieg ein. Dann wird Adri­an Phil­ipp als neu­er Coach ver­pflich­tet. Der 32-jäh­ri­ge Leh­rer und die 48-jäh­ri­ge Ver­eins­le­gen­de wir­ken, als wür­den sie sich schon ewig ken­nen. Wenn Phil­ipp bei Spie­len an der Sei­ten­li­nie auf und ab ti­gert, dann ist Gol­lin­ger, der ein­fach nur ru­hig da steht und hin­ter sei­ner ver­spie­gel­ten Son­nen­bril­le das Spiel be­ob­ach­tet sein Ru­he­pol. Bei ihm regt Phil­ipp sich auf, holt sich Rat oder tauscht sich ein­fach aus. „Ich brau­che das. Wenn Gün­ter nicht da ist, wer­de ich ner­vö­ser“, sagt der Trai­ner über „Gü­go“.

Die Stim­mung im Team ha­be Phil­ipp über­zeugt, den Trai­ner­job zu über­neh­men. Wenn die Spie­ler in ih­rem Ver­eins­heim, das sie lie­be­voll nur „Hüt­ter­le“nen­nen, zu­sam­men sit­zen, dann wür­de man nicht ver­mu­ten, dass sie sich seit Mo­na­ten in ei­nem zer­mür­ben­den Ab­stiegs­kampf be­fin­den. Es wird viel ge­scherzt, ge­lacht und die Ab­schluss­fahrt ge­plant, wäh­rend der Ge­ruch von ge­koch­ten Würst­chen durch das Ver­eins­heim wa­bert, das mehr ei­nem aus­ge­bau­ten Schre­ber­gar­ten­häus­chen äh­nelt.

Es ist Mit­te Mai und Spie­ler­sit­zung vor dem Match ge­gen den SV Zim­mern ob Rott­weil. Der 28. Spiel­tag steht be­vor, und der FC Wan­gen hat die Chan­ce, mit ei­nem Sieg das ers­te Mal in der Sai­son aus den Ab­stiegs­rän­gen zu klet­tern. Adri­an Phil­ipp tritt vor die Fuß­bal­ler und fängt an zu re­den. Al­le Au­gen sind auf ihn ge­rich­tet. Er schaut sei­nen Spie­lern fest in die Au­gen. Er stei­gert sich in der Laut­stär­ke, wenn er mo­ti­vie­ren will und ver­fällt zu­rück in ei­nen sach­lich

freund­li­chen Ton­fall, wenn es um die tak­ti­sche Ein­stel­lung geht. Er wirkt über­zeu­gend, wenn er sei­nem Team er­zählt, dass er an sie glaubt und sie ge­mein­sam den Ab­stieg ver­hin­dern kön­nen. „Fuß­bal­ler sind al­le hoch sen­si­bel. Da musst du ge­nau wis­sen, wann und wie du kri­ti­sierst und lobst. Der Adri­an kann das“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Ehin­ger.

Das Trai­ner­team för­dert die Lo­cker­heit im Team. Auf der Fahrt zum Spiel in Zim­mern ob Rott­weil wird in Sa­lem halt ge­macht und Mit­tag ge­ges­sen. Das Team sitzt ent­spannt in der Son­ne und wirkt zu­ver­sicht­lich. Ein paar Spie­ler rau­chen.

Raus aus der Ab­stiegs­zo­ne

Die Ka­bi­ne in Zim­mern ob Rott­weil ist et­was dre­ckig. Der Arzt­kof­fer von Be­treu­er Alois „Wie­se“We­ber ver­brei­tet den Ge­ruch von Hansa­plast, der sich mischt mit dem Duft von al­tem und neu­en Schweiß. Die Spie­ler fas­sen sich bei den Schul­tern und bil­den ei­nen Kreis. In ih­rer Mit­te steht Co-Trai­ner Gol­lin­ger: „Für uns gibt es heu­te nur et­was zu ge­win­nen. Wollt ihr das?“Die sonst so ru­hi­ge und ge­las­se­ne Trup­pe ex­plo­diert förm­lich. Drei­mal schrei­en sie laut „Ja“und es dröhnt in dem klei­nen Raum. Dann be­ginnt das Match. In der 25. Mi­nu­te steht Phil­ipp an der Sei­ten­li­nie, be­ob­ach­tet das Spiel­ge­sche­hen. Er sieht aus wie ein Wes­tern­held. Die Ar­me an­ge­spannt ne­ben dem Kör­per, als wä­re er be­reit, sei­ne Pis­to­len für den Show­down zu zie­hen. Aber er zieht nicht, son­dern reißt die Ar­me in die Luft und ju­belt. Stür­mer Tho­mas Maas hat ge­ra­de das 1:0 er­zielt.

Der FC Wan­gen ge­winnt das Spiel mit 3:1 und ver­lässt zum ers­ten Mal in der Sai­son die Ab­stiegs­rän­ge. Auf der Fahrt zu­rück nach Wan­gen gibt es Do­sen­bier. Ei­ne Ra­dio­sta­ti­on rich­tet Glück­wün­sche an den FC aus. „Er steht im Tor und ich da­hin­ter“wird ge­spielt. Gol­lin­ger dreht das Ra­dio auf und tanzt hin­ter dem Steu­er. Um 20.45 Uhr ist das Team wie­der in Wan­gen. Zehn St­un­den wa­ren sie un­ter­wegs für drei Punk­te. Trotz­dem fei­ern sie bis zum Son­nen­auf­gang in

ih­rem „Hüt­ter­le“.

In der fol­gen­den Wo­che scheint der Sieg schon wie­der aus den Köp­fen ver­schwun­den zu sein. Es ist ein lau­er Som­mer­abend. Stech­mü­cken schwir­ren auf dem Trai­nings­platz um­her, die Spie­ler schla­gen sich auf Ar­me und Bei­ne. Adri­an Phil­ipp steht an der Sei­ten­li­nie und ver­folgt auf­merk­sam das Trai­ning. Er­satz­kee­per To­bi­as Herz­ber­ger wird viel von sei­nen Mit­spie­lern ge­maß­re­gelt. Er wirkt un­zu­frie­den. Phil­ipp greift nicht ein: „ Da muss man die Hier­ar­chie in der Trup­pe re­spek­tie­ren und die Jungs die Din­ge selbst re­geln las­sen. Wenn so et­was nicht funk­tio­niert, funk­tio­niert die Trup­pe nicht.“

Der Ab­sturz

Ge­dank­lich sind al­le beim kom­men­den Spiel ge­gen den FV Löch­gau. Auch für den FV ist es die Chan­ce, aus den Ab­stiegs­rän­gen her­aus­zu­kom­men. Wenn Wan­gen ge­winnt, dann wä­re ih­nen der Re­le­ga­ti­ons­platz si­cher. Es ist das letz­te Heim­spiel der Sai­son. Ein Grund zur Sor­ge für Ge­schäfts­füh­rer Ehin­ger, der beim Trai­ning vor­bei­schaut: „Zu Hau­se wol­len die Jungs zei­gen, dass sie auch ki­cken kön­nen. Da sind sie viel ner­vö­ser als aus­wärts.“In der Te­am­be­spre­chung vor dem Spiel er­greift Phil­ipp wie im­mer das Wort und ver­sucht die Vor­freu­de auf das Mög­li­che zu schü­ren: „Nie­mand hat da­mit ge­rech­net, dass wir das noch schaf­fen kön­nen. Und wenn wir das am Sams­tag pa­cken, dann brennt Wan­gen.“

Es ist En­de Mai, Sams­tag, an­dert­halb St­un­den vor An­pfiff in Wan­gen, und die Son­ne brennt er­bar­mungs­los auf den Platz. Es gibt Din­ge, die sind ein­fach nicht zu be­ein­flus­sen. „Dem Fak­tor Glück wird mir im Fuß­ball so­wie­so viel zu we­nig Be­ach­tung ge­schenkt“, sagt Phil­ipp.

Der Grill in der Würst­chen­bu­de wird an­ge­heizt, und aus der Mu­sik­an­la­ge tönt „We are the Cham­pi­ons“von Queen. Tho­mas Ehin­ger ist ent­spannt. Sei­ne Frau hat in der Sai­son fast al­le Er­geb­nis­se rich­tig ge­tippt. Heu­te ge­he das Spiel 3:2 für Wan­gen

aus, ist ih­re Vor­her­sa­ge. Zehn Mi­nu­ten vor An­pfiff ist die Span­nung in der Ka­bi­ne förm­lich greif­bar. Vie­le Spie­ler star­ren mit Tun­nel­blick ins Lee­re. Gün­ter Gol­lin­ger steht in der Ka­bi­ne wie­der im Spie­ler­kreis: „Das gan­ze Frie­ren, Schwitzen und Kot­zen, da kön­nen wir heu­te ei­nen Strich drun­ter ma­chen!“Wäh­rend er das brüllt, haut er mit der Faust auf die Ein­rich­tung und stellt die glei­che Fra­ge wie in Rott­weil: „Wollt ihr das?“. Und die Mann­schaft don­nert wie­der drei­mal „Ja“zu­rück. Dann geht es auf den Ra­sen.

Die Tri­bü­ne ist voll. Fa­mi­lie und Freun­de sind ge­kom­men. Ob es die Hit­ze ist, Kon­zen­tra­ti­on oder Ner­vö­si­tät lässt sich nicht sa­gen, aber die ers­ten 45 Mi­nu­ten sind für den FC zum Ver­ges­sen. Löch­gau geht mit zwei To­ren in Füh­rung. Im­mer wie­der schüt­telt Phil­ipp mit dem Kopf, wenn er das Spiel­ge­sche­hen be­ob­ach­tet. Er blickt zu Gün­ter Gol­lin­ger und zuckt mit den Schul­tern. Schaut auf die Uhr und zählt die Mi­nu­ten, bis die­se ver­fluch­te ers­te Halb­zeit zu En­de ist. Dann ist es end­lich so­weit. Der Sta­di­on­spre­cher ver­kün­det: „Noch ist nichts ver­lo­ren.“Dann weist er auf das Ku­chen­an­ge­bot hin.

In der Ka­bi­ne ist es ge­spens­tisch still. Man hört die Kli­ma­an­la­ge rau­schen. Vie­le Spie­ler star­ren frus­triert auf den Bo­den. Phil­ipp steht vor sei­ner Tak­tik­ta­fel und sagt ei­ne Mi­nu­te gar nichts. „Wie­se“kühlt die hän­gen­den Schul­tern und Wa­den der Spie­ler mit gro­ßen Eis­blö­cken. „Ich glau­be an euch, aber ihr müsst es auch tun.“Ag­gres­si­ver als sonst ver­sucht Phil­ipp sei­ne Mann­schaft wie­der auf­zu­bau­en. Auch Ka­pi­tän Si­mon Wet­zel und Of­fen­siv­kraft Ma­rio Vi­la Boa wol­len die Mann­schaft mo­ti­vie­ren, aber wirk­lich über­zeugt von dem, was sie da sa­gen, klin­gen sie nicht.

Bes­te Un­ter­hal­tung

Die zwei­te Halb­zeit be­ginnt, und der FC kommt. Nur, um den nächs­ten Na­cken­schlag zu kas­sie­ren. Alex­an­der „Grecko“Nikolai ver­dreht sich bei ei­nem Zwei­kampf im geg­ne­ri­schen Straf­raum das Knie und bleibt auf

dem Ra­sen lie­gen. Der geg­ne­ri­sche Tor­wart packt ihn sich kur­zer­hand auf die Schul­tern und trägt ihn vom Platz. Die Zu­schau­er la­chen und ap­plau­die­ren. „Grecko“hat Schmer­zen, für sie ist das bes­te Un­ter­hal­tung.

Den fäl­li­gen Frei­stoß ver­senkt Okan „Oka“Hu­sein im Tor. Der Ju­bel bei sei­nen Mit­spie­lern ist rie­sig. Es ist so­fort er­kenn­bar, dass die­ses Tor das Selbst­ver­trau­en der Mann­schaft re­ani­miert hat. Phil­ipp dreht sich zur Tri­bü­ne, boxt in die Luft und brüllt: „Kommt jetzt!“Das Pu­bli­kum wacht auf und An­feue­rungs­ru­fe schal­len über den Platz.

Je­der spürt: Der FC Wan­gen ist ganz dicht dran am Aus­gleich und an die­sem ei­nen so wich­ti­gen Punkt, der ih­nen die Re­le­ga­ti­on si­chern wür­de. Zwei klei­ne Jun­gen trom­meln auf die Wer­be­ban­den und feu­ern den FC an. In der 73. Mi­nu­te flankt Si­mon Wet­zel in den Straf­raum Löch­gaus. Tho­mas Maas nickt den Ball ins Tor. Maas sprin­tet zur Eck­fa­ne, Phil­ipp an der Sei­ten­li­nie ent­lang und bei­de schrei­en sie ih­re Freu­de her­aus. Da ist er, der Punkt der al­les ver­än­dern kann.

Doch auf ein­mal fin­det der Geg­ner zu­rück ins Spiel. Wan­gen agiert un­kon­zen­triert. Das Spiel steht auf Mes­sers Schnei­de. Drei Mi­nu­ten re­gu­lä­re Spiel­zeit sind noch auf der Uhr. Ein lan­ger Ball aus dem Mit­tel­feld se­gelt Rich­tung Wan­ge­ner Tor und die Ab­wehr­spie­ler des FC ver­schät­zen sich. 3:2 für Löch­gau. Schlag­ar­tig sind sie weg: der Punkt, die Freu­de und die Eu­pho­rie. Jeg­li­che Kör­per­span­nung fällt von Phil­ipp ab, und er sackt in sich zu­sam­men.

Der FV schießt in der vier­ten Mi­nu­te der Nach­spiel­zeit auch noch das 4:2. Es ist nur ei­ne Rand­no­tiz. Ganz ru­hig steht Phil­ipp da, wäh­rend er mit an­se­hen muss, wie die Löch­gau­er Mann­schaft aus­ge­las­sen auf dem Ra­sen fei­ert. Die Wan­ge­ner Spie­ler schla­gen die Hän­de vor das Ge­sicht und blei­ben auf dem Platz lie­gen, wo sie ge­ra­de sind.

Auf dem Weg in die Ka­bi­ne kommt die Nach­richt, die al­les noch schlim­mer macht. Auch Kon­kur­rent FC Berg hat sein Spiel ge­won­nen. Der FC Wan­gen hat den Ver­bleib in der Li­ga nicht mehr in der ei­ge­nen Hand. „Wie­se“geht in der Ka­bi­ne auf und ab und fragt sich im­mer wie­der selbst: „War­um? War­um?“Nur ein paar Mi­nu­ten län­ger durch­hal­ten und al­les wä­re gut ge­we­sen. Das Ge­fühl der Macht­lo­sig­keit sei noch viel schlim­mer als die ei­gent­li­che Nie­der­la­ge, sagt Ka­pi­tän Wet­zel. Er sitzt auf ei­nem Was­ser­kas­ten hin­ter der Bar, im klei­nen Fest­zelt ober­halb der Tri­bü­ne. Schüt­telt im­mer wie­der den Kopf und schaut teil­nahms­los auf den Bo­den.

„Grecko“hockt mit ban­da­gier­tem Knie frus­triert vor ei­nem Bier und sagt: „Das ist wie ein Schlag ins Ge­sicht.“Wie­so er ei­gent­lich kickt, kann er in die­sem Mo­ment gar nicht so ge­nau sa­gen. Seit er Zehn ist, spie­le er eben Fuß­ball.

Es folgt das Wun­der von Laupheim

Das Trai­ning in der fol­gen­den Wo­che über­nimmt Gol­lin­ger. Phil­ipp ist mit sei­ner Schul­klas­se auf Ab­schluss­fahrt in Ber­lin. Es herrscht im­mer noch Un­ver­ständ­nis über das Er­geb­nis. „Du wachst Mon­tag auf und denkst: Neue Wo­che, neu­es Glück, und dann schießt es dir in den Kopf: 4:2! Ein­fach nur 4:2“, er­zählt Ab­wehr­spie­ler Lu­is Metz­gen. Auch das Di­ens­tags­trai­ning läuft schlecht. Die Nie­der­la­ge ge­gen Löch­gau ist dau­er­prä­sent. Erst am Don­ners­tag zei­gen die Spie­ler wie­der mehr Ein­satz. Im Rück­blick wird Gol­lin­ger er­zäh­len, dass er schon die gan­ze Wo­che über ein Ge­fühl ge­habt ha­be, als wür­de noch et­was pas­sie­ren. In der Ab­schluss­be­spre­chung tritt er vor die Spie­ler und sagt: „Ich bin über­zeugt da­von, dass heu­te nicht un­ser letz­tes Trai­ning in der Ver­bands­li­ga war.“Er wird recht be­hal­ten. Denn es folgt das Wun­der von Laupheim.

Nach dem Spiel bei Olym­pia geht es zur Ab­schluss­fei­er ins Zelt nach Wan­gen. Die Spie­ler wer­den ju­belnd emp­fan­gen. In den Ge­sich­tern reiht sich ein Grin­sen an das nächs­te. Ka­pi­tän Si­mon Went­zel steht an der sel­ben Stel­le, an der er nur sie­ben Ta­ge vor­her das Spiel ge­gen den FV Löch­gau ver­dau­en muss­te und strahlt bis über bei­de Oh­ren. Die Nie­der­la­ge war schwer aus dem Kopf zu krie­gen, der Klas­sen­er­halt will noch nicht so rich­tig hin­ein. „Im Mo­ment ist das nur pu­re Er­leich­te­rung. Da kommt spä­ter noch ein Rie­sen­hau­fen Freu­de oben­drauf“, sagt Top-Tor­schüt­ze Maas.

„Gü­go“und Adri­an kom­men Arm in Arm zum Zelt ge­schlen­dert und se­hen aus, als wä­ren sie ein frisch ver­lieb­tes Pär­chen. Es wer­den bier­se­li­ge Re­den ge­hal­ten. Spä­ter steht Phil­ipp rund­um glück­lich mit ei­nem Wei­zen­bier an der Bar und schaut in das fei­ern­de Zelt: „Das ist es. Ge­nau des­we­gen spielt man Fuß­ball.“

FO­TOS: SCHAR­PEN­BERG

Freu­de und Er­leich­te­rung: Die Mann­schaft des FC Wan­gen nach dem sen­sa­tio­nel­len Klas­sen­er­halt in der Ver­bands­li­ga.

Gün­ter Gol­lin­ger und Adri­an Phil­lip kom­men nach dem Klas­sen­er­halt aus dem Grin­sen gar nicht mehr raus.

Flo­ri­an „Ka­po“Knapp bei ei­ner Spie­ler­sit­zung im Ab­stiegs­kampf vor dem „Hüt­ter­le“.

Ka­pi­tän Si­mon Wet­zel nach der Nie­der­la­ge ge­gen Löch­gau.

Ek­s­ta­se nach dem Sieg ge­gen Olym­pia Laupheim.

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