Schlech­tes Zeug­nis fürs Fahr­rad­kli­ma in Wan­gen

Im Test des All­ge­mei­nen Deut­schen Fahr­rad-Clubs be­kommt Wan­gen nur „aus­rei­chend“

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN - Von Jan Schar­pen­berg

WAN­GEN - Im kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Fahr­rad-Kli­ma-Test 2016 des All­ge­mei­nen Deut­schen Fahr­ra­dClubs, kurz ADFC, hat Wan­gen mit der Schul­no­te 3,8 nicht gut ab­ge­schnit­ten. 64 Be­frag­te sa­hen be­son­ders das Zusammenspiel mit Au­to­fah­rern im Stra­ßen­ver­kehr und die Am­pel­schal­tun­gen für Rad­fah­rer in Wan­gen kri­tisch. Be­son­ders po­si­tiv ha­ben die Be­frag­ten die An­bin­dung an das Stadt­zen­trum per Fahr­rad be­wer­tet. 22 Pro­zent der Be­frag­ten ver­teil­ten in die­ser Ka­te­go­rie das Prä­di­kat „sehr gut“.

In der Ge­samt­wer­tung liegt Wan­gen in der Ka­te­go­rie der Städ­te mit we­ni­ger als 50 000 Ein­woh­ner knapp un­ter dem bun­des­wei­ten Schnitt von 3,7 und lan­det auf dem 199 von 364 Plät­zen. Die Be­wer­tung des Fahr­rad­kli­mas in Klein­städ­ten ist dem­nach ins­ge­samt schlecht aus­ge­fal­len. In Ba­den-Würt­tem­berg hat es Wan­gen hin­ge­gen mit dem 30. von 65 Plät­zen in das Mit­tel­feld ge­schafft. Aus der Um­fra­ge geht auch her­vor, dass in Wan­gen nicht von ei­nem har­mo­ni­schen Mit­ein­an­der mit Au­to­fah­rern ge­spro­chen wer­den kann. Zu­sam­men auf ei­ner Fahr­bahn zü­gig und si­cher fah­ren? 23 Pro­zent er­teil­ten die­ser Fra­ge ei­ne Ab­sa­ge und ga­ben die Schul­no­te 5, 16 Pro­zent so­gar die Schul­no­te 6.

Oft Kon­flik­te mit Au­to­fah­rern

Ähn­lich sieht es bei der Fra­ge nach der Viel­zahl der Kon­flik­te mit Au­to­fah­rern aus. 44 Pro­zent ten­dier­ten zu der Ant­wort „häu­fig“. Um die­se Kon­flik­te in Zu­kunft zu ver­mei­den, will die Stadt Wan­gen im Rah­men des Rad­ver­kehrs­kon­zep­tes noch mehr Schutz­strei­fen für Rad­fah­rer ein­rich­ten, wie sie bei­spiels­wei­se be­reits an der Ra­vens­bur­ger Stra­ße exis­tie­ren. „Das müs­sen wir aber noch mit Land und Kreis ab­spre­chen“, sagt Pe­ter Rit­ter vom Tief­bau­amt der Stadt.

Auch für die schlech­ten Um­fra­ge­wer­te in Be­zug auf die Am­pel­schal­tun­gen hat Rit­ter ei­ne Er­klä­rung. Im nor­ma­len Stra­ßen­ver­kehr sei­en die Am­peln mit ei­ner In­duk­ti­on- oder auch Kon­takt­schlei­fe aus­ge­rüs­tet. Die­se be­fin­det sich im Bo­den vor den Am­peln und er­kennt Me­tall. So­bald dies pas­siert, mel­det sie der Am­pel ein war­ten­des Fahr­zeug und die­se re­agiert. „Wir ha­ben die Kon­takt­schlei­fen schon sehr sen­si­bel ein­ge­stellt aber in mo­der­nen Fahr­rä­dern und auch Mo­tor­rol­lern be­fin­det sich im­mer we­ni­ger Me­tall. Wenn die Rad­fah­rer dann ein Stück ne­ben der Kon­takt­schlei­fe ste­hen, wer­den sie ein­fach nicht er­kannt und die Am­pel bleibt rot“er­läu­tert Rit­ter.

Wahr­neh­mung ist sub­jek­tiv

In­wie­weit die Um­fra­ge re­prä­sen­ta­tiv ist, bleibt frag­wür­dig. Dass muss auch Ste­pha­nie Kro­ne, die Pres­se­spre­che­rin des ADFC, zu­ge­ben: „Klar sind die Ein­schät­zun­gen sub­jek­tiv – und 64 Stim­men von 27 000 Ein­woh­nern sind na­tür­lich nicht an­satz­wei­se die Ge­samt­heit al­ler Mei­nun­gen.“Sie er­hof­fe sich ein­fach, dass bei der nächs­ten Um­fra­ge noch mehr Men­schen teil­neh­men.

Po­si­ti­ve Rück­mel­dun­gen

Die Pro­ble­me, die in der Um­fra­ge auf­ge­wor­fen wer­den, schei­nen auch nur auf die Ein­woh­ner in Wan­gen zu­zu­tref­fen. „Von den Tou­ris­ten, die mit dem Rad nach Wan­gen kom­men, kann kei­ner die­se Ant­wor­ten ge­ge­ben ha­ben“, sagt Gäs­teamts­lei­te­rin Be­lin­da Un­ger. „Im Ge­gen­teil: Die Rück­mel­dun­gen sind so­gar sehr po­si­tiv“, so Un­ger wei­ter. Die Ge­gend rund um Wan­gen bie­te vie­le ver­kehrs­ar­me Ne­ben­stre­cken. In Ver­bin­dung mit der ab­wechs­lungs­rei­chen Land­schaft und dem Aus­blick auf die Al­pen sei das po­si­tiv un­ge­wöhn­lich, lobt Un­ger die Vor­zü­ge.

Üb­ri­gens: Trotz des schlech­ten Er­geb­nis­ses der Um­fra­ge scheint auch den Wan­ge­n­ern das Fahr­rad­fah­ren grund­sätz­lich Spaß zu ma­chen. Über 50 Pro­zent der Be­frag­ten ten­dier­ten bei der Ant­wort auf die­se Fra­ge des Fahr­ra­dclubs zu ei­nem „Ja“.

Bun­des­weit nah­men 539 Städ­te und 120 000 Men­schen an der

Um­fra­ge des ADFC teil. Der ADFC führt die Um­fra­ge im Auf­trag des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ver­kehr und di­gi­ta­le In­fra­struk­tur durch, wel­ches das Pro­jekt mit 150 000 Eu­ro för­dert. Die bun­des­weit fahr­rad­freund­lichs­ten Städ­te mit we­ni­ger als 50 000 Ein­woh­nern sind auf Platz eins Re­ken, auf Platz zwei Wett­rin­gen und auf Platz drei Heek (al­le Nord­rhein-West­fa­len). Ei­ne in­ter­ak­ti­ve Kar­te und mehr In­for­ma­tio­nen fin­den sie un­ter:

●» www.fahr­rad­kli­ma-test.de/ kar­te

FO­TO: SCHAR­PEN­BERG

Weil in der Fuß­gän­ger­zo­ne in der Alt­stadt das Fah­ren mit dem Fahr­rad ver­bo­ten ist, muss Mar­git Eberl schie­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.