Beim Wel­fen­fest gibt’s Far­ny und Lei­bin­ger

Erst­mals kein Bier­zelt son­dern Alm­hüt­ten­dorf – Schnarch­zap­fen­or­den wird wie­der ver­lie­hen

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - OBERSCHWABEN -

WEIN­GAR­TEN - Man könn­te es als klei­ne Re­vo­lu­ti­on, als Bruch mit der Tra­di­ti­on oder aber auch kon­se­quen­te Evo­lu­ti­on be­zeich­nen. Das Wein­gar­te­ner Wel­fen­fest wird in die­sem Jahr erst­mals zum Hüt­ten­dorf. Da­mit fällt das gro­ße Fest­zelt auf dem Fest­platz weg. „Ich bin der Mei­nung, dass das dem Zeit­geist ent­spricht, sagt Rolf St­ein­hau­ser, 1. Vor­sit­zen­der der Wel­fen­fest­kom­mis­si­on. Klein­tei­li­ge Hüt­ten sol­len für Ab­wechs­lung sor­gen – ku­li­na­risch, be­son­ders aber auch ge­trän­ke­tech­nisch wird das An­ge­bot ver­än­dert und aus­ge­wei­tet. So wird es Bier von zwei ver­schie­de­nen Braue­rei­en ge­ben. Auch ei­ne jah­re­lan­ge Tra­di­ti­on der Plätz­ler­zunft Wein­gar­ten, die im ver­gan­ge­nen Jahr aus­ge­setzt wur­de, fin­det wie­der statt.

Die Re­de ist vom Kas­per­le-Thea­ter für Er­wach­se­ne, dem so­ge­nann­ten Schnarch­zap­fen­or­den. Jah­re­lang fes­ter Be­stand­teil des Wel­fen­fes­tes wur­de das ge­sel­li­ge Schau­spiel, das tra­di­tio­nell am Di­ens­tag­abend ober­halb des Bier­gar­tens am Fest­platz statt­fin­det, im ver­gan­ge­nen Jahr aus­ge­setzt. Der über­ra­schen­de Tod von Plätz­ler-Chef Klaus Mül­ler, der im­mer maß­geb­lich beim Kas­per­leThea­ter mit­ge­wirkt hat­te, hat­te den Aus­schlag für die Ab­sa­ge ge­ge­ben.

Doch die wirk­li­che Neue­rung beim dies­jäh­ri­gen Wel­fen­fest ist das Hüt­ten­dorf auf dem Fest­platz. Da Fest­wirt Micha­el Rau­scher aus Tie­fen­bach bei Bad Buchau, der in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren be­wirt­schaf­tet hat­te, in die­sem Jahr kei­ne Zeit hat, wird es auch kein klas­si­sches Fest­zelt ge­ben. „Ich glau­be nicht, dass es ein Wag­nis ist. Eher ei­ne Be­rei­che­rung“, sagt Horst Wiest, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Kom­mis­si­on. „Mei­ne Frau sagt auch im­mer: Ins Bier­zelt ge­hen wir nicht.“Doch auch die an­de­ren Mit­glie­der der Kom­mis­si­on konn­ten sich mit ei­nem Wel­fen­fest oh­ne Bier­zelt recht gut an­freun­den. Da­her über­nimmt erst­mals der Event­ser­vice Be­cker aus Stuttgart mit dem Hüt­ten­dorf. Die­ses be­steht aus ei­ner gro­ßen Hüt­te mit Platz für mehr als 100 Per­so­nen. Für das pas­sen­de Am­bi­en­te sol­len Weg­wei­ser, Glo­cken­turm und Was­ser­rad sor­gen. Da­zu ge­sel­len sich zahl­rei­che klei­ne­re Hüt­ten, an de­nen es ver­schie­dens­tes Es­sen zu kau­fen gibt: Von Cre­pés über Grill­gut bis hin zu Flamm­lach­sen. Für je­den Ge­schmack soll­te es et­was ge­ben.

Dar­auf setzt die Fest­kom­mis­si­on auch in Sa­chen Aus­schank. Im Ge­gen­satz zu den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren, in de­nen Schus­sen­rie­der Bier aus­ge­schenkt wur­de, wird es in die­sem Jahr Ex­port von Lei­bin­ger und Wei­zen von Far­ny ge­ben. Au­ßer­dem wer­den Hu­go, Ape­rol Spritz, Long­drinks so­wie Wein­schor­le, Pro­sec­co und Bo­den­see­most an­ge­bo­ten. Letz­te­rer wird – frisch vom Fass – beim Bür­ger­emp­fang der Wel­fen­fest­kom­mis­si­on zum Auf­takt im Stadt­gar­ten aus­ge­schenkt.

Und auch der SV Wein­gar­ten wird in die­sem Jahr wie­der sei­nen Stand ober­halb des Fest­plat­zes auf­bau­en. „Die dür­fen aus­schen­ken, was sie möch­ten“, sagt St­ein­hau­ser, der be­tont, dass der Bier­gar­ten am Fest­platz na­tür­lich wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­hal­ten bleibt. Dort sol­len dann auch im­mer wie­der Mu­si­ker für gu­te Stim­mung sor­gen. Von ei­ner gro­ßen Büh­ne ha­be man in dem neu­en Kon­zept ab­ge­se­hen. Viel­mehr sol­len die ein­zel­nen Mu­si­ker durch die Rei­hen lau­fen und an ver­schie­de­nen Or­ten kurz­zei­tig mu­si­zie­ren. „Im Hüt­ten­dorf geht es um Ge­sel­lig­keit. Die Leu­te sol­len sich un­ter­hal­ten kön­nen“, sagt Wiest.

Ei­ne wei­te­re Neue­rung ist au­ßer­dem der Spiel­ort des Wel­f­en­thea­ters (die SZ be­rich­te­te). An fünf Ter­mi­nen (1., 2., 4., 6. und 9. Ju­li) wer­den 77 Kin­der – wo vie­le wie nie zu­vor – das „Ge­heim­nis der Ga­bler­or­gel“auf dem Ba­si­li­ka­vor­platz auf­füh­ren. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren war vor dem Mu­se­um Schlöss­le ge­spielt wor­den. So­wohl bei den Auf­füh­run­gen als auch beim tra­di­tio­nel­len Hei­mat­abend im Kul­tur- und Kon­gress­zen­trum wird es erst­mals auch Si­cher­heits­per­so­nal be­zie­hungs­wei­se Ord­ner ge­ben. „Auf­grund der all­ge­mei­nen La­ge ha­ben wir ein ver­schärf­tes Si­cher­heits­kon­zept in klei­nem Ma­ße“, sagt St­ein­hau­ser. „Wenn Je­mand mit ei­nem Ruck­sack kommt, schau­en wir eben mal rein.“Am Fest­platz und für den his­to­ri­schen Fest­zug wer­den auch ei­ni­ge klei­ne­re Be­ton­ab­sper­run­gen auf­ge­stellt.

Ein an­de­res wich­ti­ges The­ma für die Fest­kom­mis­si­on war auch die Ab­si­che­rung ge­gen schlech­tes Wet­ter. Da­her wird Be­cker bei Be­darf vie­le klei­ne Pa­go­den­zel­te auf­stel­len, die zu ei­ner gro­ßen Flä­che zu­sam­men­ge­fügt wer­den kön­nen. „Das er­gibt 500 über­dach­te Plät­ze. Wir brau­chen da ei­ne Si­cher­heit“, sagt St­ein­hau­ser. Durch den Weg­fall des gro­ßen Fest­zel­tes wird es auch kei­nen of­fi­zi­el­len Fass­an­stich ge­ben. Der Start­schuss auf dem Fest­platz fällt dann mit dem tra­di­tio­nel­len Rund­gang von Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Ewald mit Rolf St­ein­hau­ser, der al­len Kin­dern und Ju­gend­li­chen emp­fiehlt, mit­zu­kom­men. Schließ­lich ist die al­ler­ers­te Run­de in je­dem ein­zel­nen Fahr­ge­schäft mit den Bei­den kos­ten­los.

DEREK SCHUH AR­CHIV­FO­TO:

Der Bier­gar­ten am Fest­platz bleibt auch in die­sem Jahr er­hal­ten.

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