Wirt klagt ge­gen die Stadt Mem­min­gen

Gas­tro­nom der „Blau­en Trau­be“möch­te sei­ne Au­ßen­be­stuh­lung nicht ver­klei­nern – Ver­wal­tung ver­weist auf Sat­zungs­än­de­rung

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - BLICK INS ALLGÄU - Von Vol­ker Gey­er

MEM­MIN­GEN - Gast­wirt Bernd Schwart­ner liegt mit der Stadt Mem­min­gen er­neut im Clinch: Nach den Que­re­len rund um den „Eis­kel­ler“beim Kemp­ter Tor geht es nun um die „Blaue Trau­be“in der Fuß­gän­ger­zo­ne. Der Gas­tro­nom möch­te es nicht hin­neh­men, dass ihm die Stadt nach der Sa­nie­rung der Fla­nier­mei­le nur noch 55 statt wie zu­vor 75 Qua­drat­me­ter für Ti­sche und Stüh­le vor dem Lo­kal ge­neh­migt. Schwart­ner spricht von „er­heb­li­chen Um­satz­ein­bu­ßen“. Des­halb ha­be er Kla­ge ge­gen den Be­scheid der Stadt Mem­min­gen ein­ge­reicht. Das Ver­wal­tungs­ge­richt in Augs­burg wird den Fall am Mitt­woch, 21. Ju­ni, ver­han­deln.

„Wir set­zen le­dig­lich ei­ne vom Stadt­rat be­schlos­se­ne Sat­zung um“, be­grün­det Mar­tin Mit­ten­hu­ber vom städ­ti­schen Rechts­amt die Ver­klei­ne­rung der Au­ßen­be­stuh­lung vor der „Trau­be“. Die so­ge­nann­te Son­der­nut­zungs­ge­büh­ren­sat­zung legt un­ter an­de­rem fest, wel­che öf­fent­li­chen Flä­chen von Ge­schäf­ten und Gast­stät­ten ge­nutzt wer­den dür­fen.

Für den Be­reich der Fuß­gän­ger­zo­ne wur­de die Sat­zung nach der Sa­nie­rung der Ein­kaufs­mei­le den neu­en Ge­ge­ben­hei­ten an­ge­passt. So ver­fügt die Fuß­gän­ger­zo­ne nun über ein „Blin­den­leit­sys­tem“. Da­bei han­delt es sich um ei­ne in der Mit­te der Stra­ße ein­ge­las­se­ne Schie­ne, an der sich Blin­de mit ih­ren Stö­cken ori­en­tie­ren kön­nen. Laut Sat­zung müs­sen links und rechts die­ser Schie­ne min­des­tens 1,20 Me­ter frei­ge­las­sen wer­den.

Schwart­ner möch­te aber auch in die­sem Be­reich Ti­sche plat­zie­ren. Da­bei wür­de die Schie­ne so­gar ver­deckt. Dies wä­re nach An­sicht des Gast­wirts aber kei­ne Be­hin­de­rung von Blin­den und Seh­be­hin­der­ten. „Denn die Schie­ne ist als Blin­den­leit­sys­tem völ­lig un­ge­eig­net“, sagt Schwart­ner. Das hät­ten ihm Ex­per­ten be­stä­tigt. So sei ein der­ar­ti­ges Leit­sys­tem zum Bei­spiel „nie in der Mit­te ei­nes We­ges an­ge­bracht, son­dern stets am Rand“. Fer­ner müss­ten sich die im Bo­den ein­ge­las­se­nen Mar­kie­run­gen farb­lich ein­deu­tig vom um­ge­ben­den Pflas­ter ab­he­ben.

Ori­en­tie­rungs­hil­fe für Blin­de

In­des spricht die Vor­sit­zen­de des Memminger Be­hin­der­ten­bei­rats, Verena Got­zes, von ei­ner prak­ti­ka­blen Ori­en­tie­rungs­hil­fe für Blin­de und Seh­be­hin­der­te. Al­ler­dings wei­se die im Bo­den ein­ge­las­se­ne Schie­ne noch Lü­cken in der Fuß­gän­ger­zo­ne auf. „Die­se müs­sen un­be­dingt ge­schlos­sen wer­den“, for­dert Got­zes. Denn erst dann sei die Ori­en­tie­rungs­hil­fe wirk­lich sinn­voll. Das ha­be sie auch schon mehr­mals bei der Stadt an­ge­mahnt.

Der „Eis­kel­ler-Fall“

Im „Eis­kel­ler-Fall“ha­ben die Rich­ter vor et­wa vier Jah­ren üb­ri­gens im Sin­ne der Stadt Mem­min­gen ent­schie­den. Die­se hat­te dem Wirt ei­ne Sperr­stun­de um 1 Uhr auf­er­legt, nach­dem sich vor al­lem neu zu­ge­zo­ge­ne An­woh­ner über Ru­he­stö­rung be­klagt hat­ten. Letzt­lich schloss Bernd Schwart­ner nach dem Ur­teil den Club am Kemp­ter Tor. Be­grün­dung: Das Lo­kal ist we­gen der frü­hen Sperr­stun­de nicht mehr wirt­schaft­lich zu be­trei­ben.

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