Kreis will Flücht­lin­ge wie­der selbst be­treu­en

Ver­wal­tung plant Neu­re­ge­lung für vor­läu­fi­ge Un­ter­brin­gung – So­zi­al­aus­schuss be­rät heu­te

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN - Von Wolf­gang Hey­er

RAUM WANGEN - Der Land­kreis Ra­vens­burg möch­te die So­zi­al­be­treu­ung in den vor­läu­fi­gen Un­ter­brin­gun­gen ab 2018 in Ei­gen­re­gie be­trei­ben. Das geht aus ei­ner bis­lang nicht ver­öf­fent­lich­ten Sit­zungs­vor­la­ge des So­zi­al­aus­schus­ses her­vor, die der „Schwä­bi­schen Zei­tung“vor­liegt. Die An­ge­le­gen­heit soll am heu­ti­gen Don­ners­tag be­spro­chen wer­den und hät­te teil­wei­se weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen für die In­sti­tu­tio­nen, die sich ak­tu­ell um die Flücht­lings­ar­beit küm­mern. Die SZ fasst die wich­tigs­ten In­for­ma­ti­on zu­sam­men.

Die ge­plan­te Ve­rän­de­rung

Der­zeit küm­mern sich im Land­kreis Ra­vens­burg elf Ak­teu­re um die So­zi­al­be­treu­ung in den Flücht­lings­un­ter­brin­gun­gen: Mal wer­den die Flücht­lin­ge in den Städ­ten und Ge­mein­den vom Land­kreis, mal von den Kom­mu­nen selbst und mal von frei­en Trä­gern be­treut. Ins­ge­samt be­mü­hen sich 32 So­zi­al­ar­bei­ter um die Be­lan­ge der Ge­flüch­te­ten – da­von stellt der Land­kreis sie­ben Per­so­nal­stel­len, 24 sind ex­tern ver­ge­ben. „Die Ver­wal­tung be­ab­sich­tigt, die so­zia­le Be­treu­ung in der vor­läu­fi­gen Un­ter­brin­gung mit In­kraft­tre­ten des Pak­tes für In­te­gra­ti­on, spä­tes­tens zum 1. Ja­nu­ar 2018, in ei­ge­ner Re­gie mit ei­ge­nem Per­so­nal im ge­sam­ten Land­kreis durch­zu­füh­ren, das heißt künf­tig nicht mehr zu be­auf­tra­gen“, heißt es in der Sit­zungs­un­ter­la­ge.

Die Ent­schei­dung, ob die der­zeit be­auf­trag­ten So­zi­al­ar­bei­ter dann noch für die An­schluss­un­ter­brin­gung vor Ort blei­ben dür­fen, ob­liegt den Städ­ten und Ge­mein­den, die eben­falls auf Ei­gen­re­gie um­stel­len könn­ten. Da­mit ste­hen bei den be­trof­fe­nen Ak­teu­ren bis zum Jah­res­en­de kreis­weit ins­ge­samt 24 Per­so­nal­stel­len auf dem Spiel. Be­trof­fen sind un­ter an­de­rem Ca­ri­tas, Jo­han­ni­ter oder – wie in Kiß­legg und Ar­gen­bühl – das DRK. Die Ar­beit in der vor­läu­fi­gen Un­ter­brin­gung könn­te un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Land­kreis-Pro­gno­sen (800 Men­schen in der vor­läu­fi­gen Un­ter­brin­gung) und des Per­so­nal­schlüs­sels (1:110) mit den et­was mehr als sie­ben So­zi­al­ar­bei­tern des Land­rats­am­tes ge­stemmt wer­den, wird in der Sit­zungs­vor­la­ge er­rech­net.

Die Fol­gen vor Ort

Am Bei­spiel von Bad Waldsee zeigt sich, dass den Jo­han­ni­tern, die der­zeit im Auf­trag des Land­krei­ses mit zwei So­zi­al­ar­bei­ten in den vor­läu­fi­gen Un­ter­brin­gun­gen im Ein­satz sind, im schlimms­ten Fall zwei Stel­len weg­fal­len wür­den. In ei­nem ge­mä­ßig­te­ren Sze­na­rio wür­de die Stadt die Jo­han­ni­ter noch mit der So­zi­al­be­treu­ung der An­schluss­un­ter­brin­gung be­auf­tra­gen – in wel­chem Um­fang ist frag­lich. „Die Ar­beit wür­de da­durch deut­lich er­schwert“, er­klärt Ste­fan Dittrich, Re­gio­nal­vor­stand der Jo­han­ni­ter. Die Neu­re­ge­lung des Land­krei­ses hät­te even­tu­ell zur Fol­ge, dass sich die Jo­han­ni­ter nur noch um die An­schluss­un­ter­ge­brach­ten zu küm­mern hät­ten. „Uns su­chen aber al­le Ge­flüch­te­ten auf. Die­je­ni­gen, die vor­läu­fig un­ter­ge­bracht sind, müss­ten wir dann weg­schi­cken und an den Kreis ver­wei­sen“, zeigt Dittrich ei­ne mög­li­che, ne­ga­ti­ve Kon­se­quenz und er­gänzt: „In der ers­ten, wich­ti­gen Pha­se des An­kom­mens, al­so der vor­läu­fi­gen Un­ter­brin­gung, bau­en wir zu den Ge­flüch­te­ten ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis auf, das auf lan­ge Sicht al­len nutzt. Das wür­de dann weg­fal­len.“

Das Ge­spräch su­chen

In der Sit­zungs­un­ter­la­ge wird als Vor­teil der Neu­re­ge­lung zu­dem die Bün­de­lung der Zu­stän­dig­keit an­ge­führt. Der Ab­stim­mungs­auf­wand mit elf Ak­teu­ren sei re­la­tiv hoch. Schließ­lich blie­be die Ab­stim­mung mit den Kom­mu­nen be­ste­hen, eben­so die Schnitt­stel­le von der vor­läu­fi­gen zur An­schluss­un­ter­brin­gung. Über die De­tails sol­len in den nächs­ten Wo­chen Ge­sprä­che mit den Städ­ten und Ge­mein­den so­wie den frei­en Trä­gern ge­führt wer­den.

FO­TOS: ARC

Die Stadt Wangen wird das Haus Oder­stra­ße 9 und die Un­ter­kunft am Herz­mann­ser Weg 53 (un­ten, Ge­bäu­de rechts) für die An­schluss­un­ter­brin­gung vom Land­kreis an­mie­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.