Sind die Ki­ta-Ge­büh­ren in Wan­gen ge­recht?

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN - su­si.we­ber@schwa­ebi­sche.de b.treffler@schwa­ebi­sche.de

„Es braucht kei­nen Da­ten­über­prü­fungs­dschun­gel.“Su­si We­ber fin­det das jet­zi­ge Sys­tem in Ord­nung „Vor al­lem fi­nan­zi­ell schwä­cher Ge­stell­te ha­ben Pro­ble­me.“Bernd Treffler hät­te ger­ne ein­kom­mens­ab­hän­gi­ge Ge­büh­ren

Man kann es in vie­len Be­lan­gen dre­hen und wen­den, wie man will: ei­ne hun­dert­pro­zen­ti­ge Ge­rech­tig­keit gibt es nicht. Die ein­kom­mens­ab­hän­gi­ge Kin­der­gar­ten-El­tern­ge­bühr war im­mer wie­der mal The­ma, auch in­ner­halb des Ge­samt­el­tern­bei­ra­tes. Letzt­end­lich hat sich bei mir die Er­kennt­nis durch­ge­setzt: Die Prü­fung von rund 900 El­tern­ein­kom­men ist um­fäng­lich und auch über ein Jahr hin­weg nicht in St­ein ge­mei­ßelt.

Si­tua­tio­nen ver­än­dern sich – sei es durch die Ge­burt ei­nes wei­te­ren Kin­des, Ge­halts­er­hö­hun­gen, Ar­beits­lo­sig­keit, ei­nem hin­zu­ge­kom­me­nen 450-Eu­ro-Job oder an­de­rem. Als Mut­ter von fünf ehe­ma­li­gen Kin­der­gar­ten­kin­dern hal­te ich die Wan­ge­ner Re­ge­lung der Ge­büh­ren durch­aus für ge­recht. Es wird un­ter­schie­den zwi­schen Ein-, Zwei-, Drei­und Mehr­kind­fa­mi­li­en und der Art und Dau­er der Be­treu­ung. Ein­kom­mens­schwa­che El­tern hat­ten und ha­ben dar­über hin­aus die Mög­lich­keit, ih­re Ge­büh­ren durch di­ver­se An­trä­ge noch­mals zu re­du­zie­ren. Es braucht mei­ner Meinung nach da­her kei­nen Da­ten­über­prü­fungs­dschun­gel für al­le, der be­hörd­li­cher­seits ei­nen gro­ßen Per­so­nal­auf­wand be­deu­tet und gleich­zei­tig Da­ten ab­ruft, die zu­min­dest Zwei­fel of­fen las­sen, ob sie die Be­hör­de et­was an­ge­hen. Ei­nes soll­te man bei der Dis­kus­si­on um die El­tern­ge­büh­ren nicht ver­ges­sen: Den Groß­teil der Kos­ten trägt die Kom­mu­ne. Und: Qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Kin­der­be­treu­ung kos­tet lo­gi­scher­wei­se auch Geld. Das soll­te es uns wert sein. Zu­mal in un­se­rer Ge­sell­schaft zum Glück kei­ner bei fi­nan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten gänz­lich im Re­gen ste­hen ge­las­sen wird.

Ob Mehr­wert­steu­er oder Kin­der­gar­ten­ge­büh­ren, wie in Wan­gen: Über­all, wo Men­schen über ei­nen Kamm ge­scho­ren wer­den, ha­ben Bes­ser­ver­die­nen­de Vor­tei­le und Leu­te mit klei­ne­rem Geld­beu­tel Pro­ble­me. Ist das ge­recht?

Nein, ist es nicht. Und so kommt spä­tes­tens mit je­der Dis­kus­si­on um ei­ner Ge­büh­ren­er­hö­hung im­mer auch ei­ne De­bat­te auf, ob die Bei­trä­ge nicht zu hoch sind, weil fi­nan­zi­ell schwä­cher Ge­stell­te be­son­ders dar­un­ter zu lei­den ha­ben.

Da­bei gibt es ei­nen recht ein­fa­chen Weg hin zu mehr Ge­büh­ren­ge­rech­tig­keit: Bei­trä­ge, die nach Ein­kom­men ge­staf­felt sind. In Ulm bei­spiels­wei­se be­misst sich die Grund­ge­bühr seit vie­len Jah­ren schon nach dem mo­nat­li­chen Net­to­ein­kom­men der Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten. We­sent­li­che Än­de­run­gen müs­sen gemeldet wer­den, an­sons­ten er­höht sich die Be­rech­nungs­grund­la­ge für die Ge­büh­ren jähr­lich um zwei Pro­zent. Wei­te­re Fak­to­ren für die Ge­büh­ren­be­rech­nung sind die An­zahl der Kin­der und der ge­wähl­te Be­treu­ungs­bau­stein in St­un­den pro Wo­che. Es gibt na­tür­lich ei­ner­seits so­zia­le Här­te­fall­re­ge­lun­gen und an­de­rer­seits ei­ne Ober­gren­ze beim Ein­kom­men.

Na­tür­lich: Das al­les ist vor al­lem bei der Ein­füh­rung ei­nes sol­chen Mo­dells mit ei­nem hö­he­ren Ver­wal­tungs­auf­wand ver­bun­den. Und ja: Nicht im­mer sagt das Net­to­ein­kom­men aus, wie viel Geld je­mand im Mo­nat wirk­lich zur Ver­fü­gung hat. Ein­kom­mens­ab­hän­gi­ge Kin­der­gar­ten­ge­büh­ren sind je­doch un­ter dem Strich al­le­mal ge­rech­ter als das ak­tu­el­le Wan­ge­ner Sys­tem.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.