Wurst­her­stel­ler ent­ge­hen Stra­fe we­gen Rechts­lü­cke

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WIRTSCHAFT -

BONN (dpa) - We­gen ei­ner Lü­cke im Wett­be­werbs­recht sind drei wei­te­re Wurst­her­stel­ler ei­ner emp­find­li­chen Kar­tell­stra­fe ent­gan­gen. Buß­gel­der in Hö­he von ins­ge­samt rund 110 Mil­lio­nen Eu­ro ge­gen die Un­ter­neh­men Bell (See­ve­tal), Si­cken­diek (Neu­en­kir­chen-Vör­den, bei­de Nie­der­sach­sen) und Mar­ten (Gü­ters­loh, NRW) we­gen Preis­ab­spra­chen sei­en auf­ge­ho­ben wor­den, teil­te das Bun­des­kar­tell­amt am Mon­tag mit. Die Fir­men hät­ten sich in­tern um­struk­tu­riert und sei­en da­mit recht­lich für die Buß­geld­ver­fah­ren nicht mehr greif­bar ge­we­sen. Mit ei­ner ak­tu­el­len Rechts­än­de­rung ha­be der Ge­setz­ge­ber das Schlupf­loch für künf­ti­ge Ver­fah­ren aber ge­schlos­sen, be­ton­te Kar­tell­amts­chef Andre­as Mundt.

Das Schlupf­loch im Wett­be­werbs­recht wird in­tern als „Wurst­lü­cke“be­zeich­net, weil nach ei­nem groß an­ge­leg­ten Kar­tell­ver­fah­ren ge­gen 21 Wurst­her­stel­ler aus dem Jahr 2014 be­reits zwei an­de­re Un­ter­neh­men der Bran­che mit kon­zern­in­ter­nen Um­struk­tu­rie­run­gen re­agiert hat­ten. Die an­ge­grif­fe­nen Fir­men ver­schwan­den da­durch pro for­ma; da­mit war das Buß­geld nicht mehr voll­streck­bar. Künf­tig müss­ten Kon­zern­müt­ter für Buß­gel­der ih­rer Töch­ter mit ein­ste­hen. Da­mit wür­den „Um­ge­hungs­lö­sun­gen ver­hin­dert“, sag­te Mundt. Ins­ge­samt sei­en der Be­hör­de durch die „Wurst­lü­cke“238 Mil­lio­nen Eu­ro Buß­geld ent­gan­gen.

FO­TO: DPA

Fleisch­the­ke in ei­ner Metz­ge­rei. Wurst­her­stel­ler nut­zen Ge­set­zes­lü­cke, um Kar­tell­stra­fe zu ent­ge­hen.

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