Fes­te Zo­nen für Wahl­pla­ka­te in Lin­den­berg

Stadt­rat und die Ver­wal­tung ha­ben ei­nen Weg ge­fun­den, um die Aus­wüch­se po­li­ti­scher Wer­bung ein­zu­däm­men

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - BLICK INS ALLGÄU - Von Ben­ja­min Schwärz­ler

LIN­DEN­BERG - Am 13. Au­gust um 0.01 Uhr be­ginnt das sechs­wö­chi­ge Zeit­fens­ter, in dem die Par­tei­en ih­re Pla­ka­te für die Bun­des­tags­wahl auf­hän­gen dür­fen. Er­laubt ist das in Lin­den­berg aber künf­tig nicht mehr übe­r­all. Der Stadt­rat hat mit sechs Ge­gen­stim­men be­schlos­sen, dass Mer­kel, Schulz, Öz­de­mir & Co. in­ner­orts nur noch in drei Zo­nen zu se­hen sein dür­fen: ent­lang der Staats­stra­ßen 2383 und 2378 (mit Aus­nah­me der Orts­durch­fahrt Goß­holz) und in der Ale­man­nen­stra­ße.

Dort kön­nen die Wahl­pla­ka­te bei­spiels­wei­se an La­ter­nen­mas­ten an­ge­bracht wer­den, wo­bei das Mot­to „Wer zu­erst kommt, mahlt zu­erst“gilt. Es gibt kei­ne Ein­schrän­kung, wer wel­chen Platz be­kommt oder wie vie­le Pla­ka­te er auf­hän­gen darf. Zu­läs­sig ist es laut Bar­ba­ra Kink vom Bau­amt auch, in die­sem Be­reich po­li­ti­sche Wer­bung auf pri­va­tem Grund oder Ge­wer­be­flä­chen an­zu­brin­gen – al­ler­dings nur dann, wenn der Ei­gen­tü­mer da­mit auch ein­ver­stan­den ist.

Frei­lich wird es auch an an­de­ren Stel­len in der Stadt Wahl­wer­bung zu se­hen ge­ben: Wie bis­her auch wird die Stadt zu­sätz­lich gro­ße Pla­kat­wän­de auf­stel­len. Auch da wird es kei­ne Vor­ga­be ge­ben, wer wel­chen und wie viel Platz be­kommt.

Der Weg bis zum Be­schluss war kom­pli­ziert

Bei der letz­ten Wahl 2014 hat­te die Stadt fünf Pla­kat­wän­de auf­ge­stellt. Die­se ha­ben Platz für 18 Pla­ka­te im For­mat DIN A1, was ei­ner Grö­ße von 60 auf 85 Zen­ti­me­tern ent­spricht. Na­tür­lich dür­fen auf den Wän­den auch grö­ße­re oder klei­ne­re Pla­ka­te auf­ge­klebt wer­den – aber wenn voll ist, ist voll. Es wer­den laut Kink wohl wie­der min­des­tens fünf Pla­kat­wän­de wer­den, even­tu­ell zwei oder drei mehr. Wo sie ste­hen wer­den, ist noch of­fen.

Mit der Än­de­rung die­ser Son­der­nut­zungs­sat­zung wol­len die Ver­wal­tung und der Stadt­rat den „Wildwuchs“ein­däm­men, den es vor drei Jah­ren ge­ge­ben hat­te. Da­mals war ge­fühlt je­de freie Stel­le in der Stadt mit Pla­ka­ten zu­ge­pflas­tert wor­den.

Der Weg bis zum Be­schluss war kom­pli­ziert. Zwei­mal hat­te sich der Stadt­rat da­mit be­fasst, zu­dem die Ver­wal­tung mehr­fach den Kopf dar­über zer­bro­chen, wie ei­ne ge­rech­te und rechts­gül­ti­ge Re­ge­lung aus­schau­en könn­te. Den An­stoß hat­te ein An­trag der CSU ge­ge­ben, die die Wahl­wer­bung auf acht Stell­wän­de be­schrän­ken woll­te. Nach in­ten­si­ver Prü­fung hat­te die Ver­wal­tung aber fest­ge­stellt, dass das nicht um­setz­bar sei. Denn: So­bald die Stadt sol­che Flä­chen frei­gibt, muss sie nach dem Prin­zip der „ab­ge­stuf­ten Chan­cen­gleich­heit“al­len Par­tei­en ent­spre­chend ih­rer Grö­ße Platz ein­räu­men.

Das Pro­blem: Die­se Ver­tei­lung be­ruht auf ei­nem Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts von 1974. Da­mals gab es al­ler­dings nur fünf Par­tei­en. Heu­er wer­den es wohl über 20, sag­te Kink. Wenn die al­le ih­ren Rechts­an­spruch an­mel­den, wür­de der Platz nicht rei­chen, den acht oder selbst zehn Pla­kat­wän­de be­reit­hal­ten.

An­ders ist der Fall ge­la­gert, wenn zu­sätz­lich zu den Wän­den auch be­stimm­te Be­rei­che ent­lang von Stra­ßen ge­nutzt wer­den dür­fen. Dann gibt es für die Wän­de selbst kei­nen recht­lich vor­ge­schrie­be­nen Ver­tei­lungs­schüs­sel (klei­ne Par­tei­en min­des­tens fünf Pro­zent der Flä­che, die Größ­ten das vier- bis fünf­fa­che).

Letzt­lich folg­te das Gre­mi­um dem Vor­schlag der Ver­wal­tung, nach­dem ver­schie­de­ne an­de­re Va­ri­an­ten („Plät­ze ver­lo­sen“, „al­les wie bis­her be­las­sen“) durch den Raum schweb­ten. Die Ge­gen­stim­men ka­men von der kom­plet­ten Frak­ti­on der Frei­en Wäh­ler so­wie Mar­tin Eins­le (Grü­ne).

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