Bi­kers First? „Fuß­gän­ger ha­ben kei­ne Lob­by“

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN -

Zum Be­richt „Schlech­tes Zeug­nis fürs Fahr­rad­kli­ma in Wan­gen“(SZ vom 8. Ju­ni) er­reich­te uns die­se Zu­schrift: „Aus Sicht der Rad­fah­rer-Lob­by gibt es si­cher noch man­ches in Wan­gen zu ver­bes­sern. Die Um­fra­ge des ADFC müss­te je­doch auch be­rück­sich­ti­gen, in­wie­weit die Rad­fah­rer selbst die At­mo­sphä­re zwi­schen al­len Ver­kehrs­teil­neh­mern be­ein­flus­sen.

Dass zu­neh­mend sämt­li­che für Rad­fah­rer gel­ten­de Re­geln der StVO im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes mit Fü­ßen ge­tre­ten und da­durch die Rad­ler selbst und an­de­re Ver­kehrs­teil­neh­mer ge­fähr­det wer­den, lässt sich nicht mit feh­len­der und da­her zu er­trot­zen­der In­fra­struk­tur le­gi­ti­mie­ren.

Na­tür­lich gibt es Aus­nah­me­re­ge­lun­gen für das Nut­zen der Geh­we­ge durch Rad­fah­rer, aber es ist in­zwi­schen Usus, dass al­le Al­ters­grup­pen selbst­ver­ständ­lich, mög­lichst noch in Schuss­fahrt oder gar ent­ge­gen der Fahrt­rich­tung, Fuß­gän­ger von der Pis­te nö­ti­gen.

An Fuß­gän­ger-Am­peln und Ze­bra­strei­fen wird der Sla­lom zwi­schen rol­la­tor­be­weg­ten Se­nio­ren und ver­schreck­ten Schul­kin­dern hin­durch prak­ti­ziert; Ein­bahn­stra­ßen wer­den, auch oh­ne Ge­stat­tung durch ent­spre­chen­de Be­schil­de­rung, in bei­den Rich­tun­gen von Rad­fah­rern ge­nutzt. Vor Un­ter­richts­be­ginn und nach Schul­schluss be­fah­ren Schü­ler ne­ben­ein­an­der die Jahn­stra­ße und be­hin­dern so den Ver­kehr.

Als ich kürz­lich auf dem kom­bi­nier­ten Fuß- und Rad­weg zwi­schen Neu­ra­vens­burg und Rog­gen­zell walk­te, presch­te ein Rad­ler­paar an mir vor­bei: „Du bist wohl ein biss­chen sweer­höö­rig?“Ja, das bin ich (70) tat­säch­lich, aber mei­ne Hör­ge­rä­te ver­stär­ken das Rau­schen des Stra­ßen­ver­kehrs. Den­noch hof­fe ich auf ein we­nig Rück­sicht­nah­me und Schon­zeit auf un­se­ren Fuß- und Rad­we­gen, um noch ei­ne Wei­le zu über­le­ben.

Das ge­for­der­te bes­se­re „Kli­ma“hängt nicht nur von dem kom­mu­nal Fi­nan­zier- und so­zi­al Ver­ant­wort­ba­ren ab. Falls Schul­no­ten als Ori­en­tie­rungs­hil­fe un­ver­zicht­bar sind, dann aber bit­te für das Ver­hal­ten al­ler In­ter­es­sen­grup­pen. „Bi­kers first!“darf nicht gel­ten, so­lan­ge Fuß­gän­ger zum Bei­spiel kei­ne Lob­by ha­ben.“Ma­rie-Lot­te Woll­ny, Wan­gen

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