Der Ni­trat­ge­halt im Trink­was­ser steigt

Ein­fluss der Land­wirt­schaft ist auch im All­gäu spür­bar

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - BLICK INS ALLGÄU - Von An­ja Wor­schech

ALL­GÄU - Trink­was­ser ist so wich­tig wie die Luft zum At­men. Für kein an­de­res Le­bens­mit­tel gibt es so vie­le und so stren­ge Grenz­wer­te, Vor­schrif­ten und Kon­trol­len. Den­noch kri­ti­sier­te das Um­welt­bun­des­amt vor Kur­zem die ho­he Ni­trat­be­las­tung des Trink­was­sers in Deutsch­land. Die­se ent­steht, wenn die Bö­den über­düngt wer­den. Auch im All­gäu sind der Ein­fluss der Land­wirt­schaft spür­bar und die Ni­trat­wer­te stei­gend. Aber nur in Ein­zel­fäl­len sei der An­teil über­mä­ßig hoch, sagt Bet­ti­na Haas vom Was­ser­wirt­schafts­amt Kemp­ten. Die Ni­trat­kon­zen­tra­ti­on im Trink­was­ser liegt laut Be­hör­de viel­mehr in al­len Land­krei­sen und kreis­frei­en Städ­ten deut­lich un­ter dem Grenz­wert von 50 Mil­li­gramm pro Li­ter.

Ein dau­er­haft hö­he­rer Wert kann vor al­lem für Säug­lin­ge Le­bens­ge­fahr be­deu­ten. Süd­bay­ern ha­be da aber kaum Pro­ble­me, weil häu­fi­ge Nie­der­schlä­ge das Ni­trat im Was­ser stark ver­dün­nen, sagt Haas. Um die Was­ser­qua­li­tät zu über­wa­chen, gibt es re­gel­mä­ßig Kon­trol­len. Je nach Grö­ße der je­wei­li­gen Ver­sor­gungs­an­la­ge prüft das Ge­sund­heits­amt zwi­schen ein und sie­ben Mal im Jahr den Ni­trat­ge­halt. Zu­sätz­lich gibt es Ei­gen­kon­trol­len.

Kein Hand­lungs­be­darf

Im All­gäu gibt es Re­gio­nen, in de­nen ver­ein­zelt er­höh­te Ni­trat­wer­te ge­mes­sen wer­den. In Mem­min­gen et­wa liegt der An­teil laut ak­tu­el­ler Trink­was­ser­ana­ly­se bei 24,7 Mil­li­gramm pro Li­ter. Der Richt­wert liegt bei 25. Ab die­ser Zahl wer­de man auf­merk­sa­mer, oh­ne dass es aku­ten Hand­lungs­be­darf ge­be, er­klärt Bet­ti­na Haas vom Was­ser­wirt­schafts­amt Kemp­ten. Hin­zu kommt: Der Wert in Mem­min­gen sei seit Jah­ren kon­stant, sagt Mar­cus Ges­ke von den Stadt­wer­ken.

Im Ost­all­gäu sei et­wa ab Hö­he Neugab­lonz in Rich­tung Nor­den ei­ne er­höh­te Ni­trat­be­las­tung fest­zu- stel­len, sagt Land­kreis-Pres­se­spre­cher Ste­fan Le­on­hart. Kon­kret lie­ge der Wert in Buch­loe bei 30 Mil­li­gramm pro Li­ter. Dies lie­ge an der in­ten­si­ven land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung der Fel­der. „Denk­bar ist auch, dass Ge­wäs­ser mit er­höh­ten Ni­trat­wer­ten in an­de­re Ge­wäs­ser aus­lau­fen“, sagt Le­on­hart. Ei­ne Über­schrei­tung des Grenz­wer­tes be­ste­he gleich­wohl nicht, be­tont er.

In Kemp­ten sei­en die Wer­te schon seit Jah­ren sta­bil, sagt Andreas Gnoth vom Kemp­te­ner Kom­mu­nal­un­ter­neh­men. In der Stadt gibt es zwei Ver­sor­gungs­zo­nen. In St. Mang und Lenz­fried lie­ge der Wert un­ter 10, in den rest­li­chen Stadt­tei­len so­gar un­ter 2,6 Mil­li­gramm pro Li­ter. „Wir ha­ben ex­trem gu­te Kar­ten, denn das Was­ser kommt aus dem süd­li­chen Il­ler­tal, wo kaum Land­wirt­schaft ist.“

Auch das West­all­gäu hat ei­ne nied­ri­ge Ni­trat­be­las­tung (4 bis 8 Mil­li­gramm pro Li­ter). „Im Land­kreis gibt es kei­ne Groß­mast­be­trie­be und auch we­ni­ger in­ten­siv ge­nutz­te land­wirt­schaft­li­che Flä­chen als in an­de­ren Ge­bie­ten“, er­klärt Pres­se­spre­che­rin Sa­bi­ne Eh­rei­ser. Das Trink­was­ser der Stadt Lin­dau stammt aus dem Bo­den­see.

Spe­zi­ell ge­rei­nigt

Dort wo das Grund­was­ser be­las­tet ist, kann es in Was­ser­wer­ken mit spe­zi­el­len An­la­gen ge­rei­nigt wer­den. Oft wer­de das ni­trat­be­las­te­te Was­ser auch mit ni­trat­ar­mem Was­ser ge­mischt, so­dass die Ver­brau­cher ein Trink­was­ser er­hal­ten, des­sen Ni­trat­ge­halt deut­lich un­ter dem Grenz­wert liegt, er­klärt das Lan­des­amt für Ge­sund­heit und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit.

Weist Trink­was­ser dau­er­haft ho­he Ni­trat­wer­te auf, sei es nö­tig, neue Was­ser­schutz­ge­bie­te mit ent­spre­chen­den Dün­ge­ver­bo­ten aus­zu­wei­sen. „Die in­ten­si­ve Land­wirt­schaft soll­te dann um­ge­stellt wer­den“, sagt Bet­ti­na Haas vom Was­ser­wirt­schafts­amt in Kemp­ten. Das be­deu­te et­wa, we­ni­ger zu dün­gen und Wie­sen öf­ter un­be­rührt zu las­sen.

FO­TO: RALF LIENERT

Die in­ten­si­ve Land­wirt­schaft be­ein­flusst den Ni­trat­ge­halt im Trink­was­ser. Die Wer­te sind im All­gäu al­ler­dings nur in Ein­zel­fäl­len über­mä­ßig hoch.

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