Ein­ge­deutsch­te For­men fal­len weg

Neue Recht­schreib­re­geln be­schlos­sen – Mit da­bei das gro­ße Es­zett

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - KULTUR -

MANN­HEIM (KNA) - Der Buch­sta­be „ß“auch in Groß­schrei­bung, mehr Platz für den Bin­de­strich wie bei „ExKanz­ler“und „Co-Trai­ner“so­wie neue Groß­schrei­be­frei­heit bei der „Gol­de­nen Hoch­zeit“: Der Rat für Recht­schrei­bung hat am Don­ners­tag in Mann­heim erst­mals seit 2011 ein neu­es, leicht über­ar­bei­te­tes Recht­schreib­re­gel­werk vor­ge­legt.

Die Än­de­run­gen set­zen Emp­feh­lun­gen um, die Sprach­ex­per­ten in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren er­ar­bei­tet ha­ben. „Un­ser Re­gel­werk darf nicht ver­al­ten, wir füh­ren da­her kon­ti­nu­ier­lich die Re­geln be­hut­sam der Sprach­pra­xis nach“, er­läu­ter­te die Ge­schäfts­füh­re­rin des Recht­schrei­brats, Kers­tin Güt­hert. Die Än­de­run­gen konn­ten erst wirk­sam wer­den, nach­dem die zu­stän­di­gen staat­li­chen Stel­len in Deutsch­land, Ös­ter­reich, in der Schweiz, in Liech­ten­stein, Süd­ti­rol und der Deutsch­spra­chi­gen Ge­mein­schaft Bel­gi­ens zu­ge­stimmt hat­ten. Am längs­ten brauch­te die Bun­des­re­pu­blik, was aber auch der fö­de­ra­len Struk­tur ge­schul­det ist.

Mar­kan­tes­te Än­de­rung ist, dass nun das „ß“auch als Groß­buch­sta­be er­laubt ist. Ver­wen­det wur­de der Groß­buch­sta­be schon län­ger, vor al­lem in der Wer­bung. „Ein wich­ti­ges Ar­gu­ment für die Neue­rung ist auch die Schrei­bung von Ei­gen­na­men in Aus­weis­pa­pie­ren“, so Güt­hert. Viel­fach wer­den Na­men in Aus­wei­sen in Groß­buch­sta­ben ge­schrie­ben, bis­lang wur­de dann bei­spiels­wei­se Frau „Groß“un­frei­wil­lig zu Frau „GROSS“.

In vie­len gän­gi­gen Com­pu­ter­schrift­ar­ten ist das gro­ße „ß“be­reits seit Lan­gem hin­ter­legt, es muss nur über Son­der­zei­chen­lis­ten oder Tas­ta­tur­kom­bi­na­tio­nen ei­gens ein­ge­fügt wer­den. Un­be­nom­men von der neu­en Va­ri­an­ten­schrei­bung bleibt in­des bei­spiels­wei­se die Schweiz: Dort wird kein „ß“ver­wen­det.

Als neue er­laub­te Va­ri­an­te er­wei­tert das Re­gel­werk nun auch die Groß­schrei­bung von Ad­jek­ti­ven in fes­ten Fü­gun­gen: So ist künf­tig ne­ben der bis­her al­lein kor­rek­ten Schreib­wei­se „gol­de­ne Hoch­zeit“oder „im neu­en Jahr“je­weils auch die Groß­schrei­bung „Gol­de­ne (oder Sil­ber­ne, Dia­man­te­ne) Hoch­zeit“mög­lich – auch im „Neu­en Jahr“. „Da­mit he­ben wir auch die bis­he­ri­ge Un­gleich­be­hand­lung et­wa im Ver­gleich zur schon län­ger mög­li­chen Groß­schrei­bung bei ,Hei­li­ge Erst­kom­mu­ni­on’ auf “, sag­te Güt­hert.

Die Än­de­run­gen be­tref­fen wei­ter­hin die Schrei­bung ein­zel­ner Be­grif­fe – vor al­lem sind hier Fremd­wör­ter be­trof­fen. So wer­den die bis­lang er­laub­ten ein­ge­deutsch­ten Schreib­wei­sen von „Ma­jo­nä­se“(statt „Mayon­nai­se“), „Ket­schup“(statt „Ketch­up“) oder „Wan­da­lis­mus (statt “Van­da­lis­mus„) ab­ge­schafft. „Die Schreib­wei­se ,Ma­jo­nä­se’ tauch­te bei­spiels­wei­se be­reits in Re­geln von 1941 auf, hat sich aber nie durch­ge­setzt, des­halb hat der Rat nun re­agiert und die­se Schrei­bung ge­stri­chen“, so die Ge­schäfts­füh­re­rin des Rats für deut­sche Recht­schrei­bung.

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