„Es ist wirk­lich ei­ne Freu­de“

Hei­lig-Blut­wa­gen ist mit Lie­be re­stau­riert

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - REGION - Von Stef­fen Lang

BAD WURZACH - Der Hei­lig-Blut­wa­gen ist wie­der in der Stadt und er ist schö­ner als je zu­vor. Er war nach dem Hei­lig-Blut­fest 2016 auf­wen­dig re­stau­riert wor­den. Die Kos­ten da­für (rund 8500 Eu­ro) trug die Be­völ­ke­rung über Spen­den.

Seit 1928 gibt es das Hei­lig-Blut­fest in Bad Wurzach. Von An­fang an war der Lan­dau­er da­bei. Dass sich in dem vier­spän­ni­gen Wa­gen die Re­li­quie be­fin­det und aus ihm her­aus Rei­ter, Wall­fah­rer und Pil­ger ge­seg­net wer­den, war Vor­aus­set­zung für die Ge­neh­mi­gung des Fes­tes. Da­durch soll­te die Bad Wurz­acher Pro­zes­si­on nicht als Nach­ah­mung der Wein­gar­te­ner er­schei­nen. Dort sitzt der Hei­lig-Blut­trä­ger hoch zu Ross. Dem Lan­dau­er wa­ren zu­letzt sei­ne 80 Jah­re an­zu­mer­ken. Er be­fand sich in ei­nem schlech­ten Zu­stand. Da­her wur­de er zur Re­stau­rie­rung ge­bracht. Be­auf­tragt wur­de die Fir­ma Ki­be­le in Me­cken­beu­ren. Sie über­trug die Auf­ga­be pol­ni­schen Re­stau­ra­to­ren.

Von An­fang Ok­to­ber 2016 bis Mit­te Mai die­ses Jah­res dau­er­te die Re­stau­rie­rung. Dann stand der Lan­dau­er wie­der in sei­ner Ga­ra­ge am Sal­va­tor­hof. Mitt­ler­wei­le ist er in ei­ner Ga­ra­ge bei Alois Fim­pel un­ter­ge­bracht, wo er am Tag vor dem Hei­lig-Blut­fest ge­schmückt wer­den wird. „Die­se Auf­ga­ben über­neh­men die Schwes­tern Ma­ria Schell­horn, Mar­ta Mah­le und He­le­ne Eben­hoch, un­ter­stützt von zwei Cou­si­nen“, er­zäh­len Alois Fim­pel und Jo­sef Burk­hardt, seit vie­len Jah­ren der or­ga­ni­sa­to­ri­sche Lei­ter des Hei­lig-Blut­fests.

Wie­der in vol­ler Pracht

Das Schmü­cken dürf­te den Frau­en die­ses Jahr noch mehr Freu­de ma­chen. Denn der Hei­lig-Blut­wa­gen strahlt in vol­ler Pracht. Die In­nen­ver­klei­dung der Ka­bi­ne ist neu ge­pols­tert, das Dach ist neu, die Far­be frisch. „Die ge­sam­te Re­no­va­ti­on ist mit sehr viel Fach­kennt­nis und Lie­be zum De­tail ge­sche­hen“, ist Fim­pel voll des Lo­bes. „Es ist wirk­lich ein Freu­de, den Wa­gen in die­sem Zu­stand zu se­hen.“

Sehr wich­tig ist ihm und Burk­hardt aber noch et­was an­de­res: „Es war der gro­ße Wunsch der Wall­fahrts­kom­mis­si­on, dass die Si­cher­heit durch die Re­stau­rie­rung wie­der ge­währ­leis­tet ist.“Das, so die bei­den ver­dienst­vol­len Ex­per­ten, sei „zu 100 Pro­zent er­füllt“.

Vier Schei­ben­brem­sen hat der Lan­dau­er nun – bis­her hat­te er vor­ne zwei und hin­ten zwei Ba­cken­brem­sen. Auf die ei­sen­be­reif­ten Rä­der­wur­den Gum­mi­rei­fen auf­ge­zo­gen, was die Brems­kraft ver­stärkt. Au­ßer­dem wur­de ein ku­gel­ge­la­ger­tes Lenk­kreuz ein­ge­baut, „das ganz enorm zur Si­cher­heit bei­trägt“, wie Fim­pel er­klärt. „Es war ei­ne gu­te Ent­schei­dung, den al­ten zu re­stau­rie­ren als ei­nen neu­en zu kau­fen“, sagt Fim­pel. „Die­ser Wa­gen hat Ge­schich­te.“

Viel kön­nen Fim­pel, der 1946 erst­mals mitritt, und Burk­hardt über den Wa­gen er­zäh­len. „Der Lan­dau­er wur­de vie­le Jah­re nicht vom Bock aus ge­lenkt, son­dern durch so­ge­nann­te Stan­gen­rei­ter. Sie tru­gen ei­ne his­to­ri­sche Uni­form mit blau­em Kit­tel, ro­ter Wes­te, wei­ße Ho­se und wei­ßen Hand­schu­hen.“

Schwenk aus Bau­ho­fen, Kühn­bach, Ver­wal­ter von Ma­ria Ro­sen­gar­ten, Mo­ritz Joch aus Herr­gotts mit Pfer­den Fei­er­les aus Tru­schwen­de, Le­on­hard Längst aus Ge­bol­din­gen, Mar­tin May­er aus Ober­greut und Alois Fähn­d­rich aus Reute zählt Jo­sef Burk­hardts Chro­nik als Fah­rer des Hei­li­gBlut­wa­gens nach 1948 auf.

Ers­ter Fah­rer war evan­ge­lisch

Ers­ter Fah­rer vom Bock aus war Herr Ma­der aus Un­ter­burk­hards­ho­fen, der die­sen Di­enst von 1962 bis 1983 ver­sah, wie aus Jo­sef Burk­hardts Un­ter­la­gen wei­ter her­vor­geht. Der Vor­na­me ist ihm nicht be­kannt. „Evan­ge­lisch war er“, er­in­nert sich Burk­hardt schmun­zelnd. Ma­der folg­ten Adolf Schupp und Franz Kolb aus Kiß­legg von 1984 bis 1996. Seit 1997 ist Kurt Wohl­hü­ter aus Die­ten­wen­gen Fah­rer des Hei­lig-Blut­wa­gens. Auch er wird sich freu­en, wenn er am 14. Ju­li auf dem rund­um re­stau­rier­ten Lan­dau­er sit­zen wird. Be­sich­ti­gung ist bis 13. Ju­li täg­lich von 17 bis 19 Uhr mög­lich an. Mög­lich ist die­se nach te­le­fo­ni­scher Ver­ein­ba­rung un­ter 07564 / 28 93.

FO­TO: STEF­FEN LANG

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