19 Pfle­ge­lehr­lin­ge aus Viet­nam hof­fen auf gu­te Ar­beit

Im Kol­ping-Bil­dungs­zen­trum ab­sol­viert die Grup­pe zur­zeit ei­nen mehr­wö­chi­gen Deutsch-In­ten­siv­kurs

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - OBERSCHWABEN - Von Ma­ria An­na Blö­chin­ger

RA­VENS­BURG - Ab Sep­tem­ber be­gin­nen 19 Pfle­ge­lehr­lin­ge aus Viet­nam an ver­schie­de­nen Stand­or­ten im Bun­des­ge­biet ih­re drei­jäh­ri­ge Al­ten­pfle­ge­aus­bil­dung. Zur­zeit büf­feln sie in Ra­vens­burg Deutsch. Mi­ri­am Ann Hüttl be­glei­tet die 20- bis 29Jäh­ri­gen auf ih­rem Aus­bil­dungs­weg. Sie ist Pro­jekt­lei­te­rin der ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­ti­on viet­duc.ca­re.

Die jun­gen Men­schen im Schu­lungs­raum des Kol­ping Bil­dungs­zen­trums in der Gar­ten­stra­ße stell­ten beim Pres­se­ter­min ih­re Deutsch­kennt­nis­se un­ter Be­weis. Lo­an sag­te: „Ich will ei­ne Aus­bil­dung in Deutsch­land ma­chen, weil in Deutsch­land Al­ten- und Kran­ken­pfle­ger feh­len.“Der 20-jäh­ri­ge Tu füg­te an: „Ich schät­ze al­le Men­schen und möch­te ih­nen hel­fen.“In der hoch­som­mer­li­chen Hit­ze wa­ren sie ganz bei der Sa­che. Jür­gen Witz­nick, Schul­lei­ter des Kol­ping Bil­dungs­zen­trums Ra­vens­burg, An­ne Rei­ser, stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin der all­ge­mei­nen Wei­ter­bil­dung, und Pro­jekt­lei­te­rin Mi­ri­am Ann Hüttl freu­ten sich über die eif­ri­gen Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Dass die viet­na­me­si­sche Spra­che seit dem Jahr 1945 in ei­ner an un­se­re la­tei­ni­schen Buch­sta­ben an­ge­lehn­ten Schrift ge­schrie­ben wird, er­leich­tert ih­nen den schwie­ri­gen Sprach­er­werb et­was.

Die 23-jäh­ri­ge Tam hat in Viet­nam All­ge­mei­ne Kran­ken­pfle­ge stu­diert. Sie ist über­zeugt: „Die Aus­bil­dung in Deutsch­land ist die bes­te auf der Welt.“Anh lob­te Deutsch­land als hoch ent­wi­ckel­tes Land in al­len Aspek­ten. Sie sag­te: „Ich möch­te für im­mer in Deutsch­land blei­ben und hof­fe, dass ich manch­mal zu mei­ner Fa­mi­lie zu­rück­kom­men kann.“Die 29-jäh­ri­ge Thuan gab zu, dass sie schon ein we­nig Heim­weh ha­be. An­er­ken­nend hob sie je­doch her­vor: „Es gibt hier kei­nen Stau auf den Stra­ßen. Und al­le hal­ten sich an die Vor­schrif­ten! Das ge­fällt mir.“Im süd­ost­asia­ti­schen Viet­nam ist das of­fen­bar an­ders, viel­leicht weil 70 Pro­zent der Be­völ­ke­rung un­ter 30 Jahr alt ist. Das Land ist nur sie­ben Pro­zent klei­ner als Deutsch­land und hat ei­ne ähn­lich gro­ße Be­völ­ke­rungs­dich­te.

Bei den Hür­den der deut­schen Bü­ro­kra­tie steht den an­ge­hen­den Al­ten­pfle­ge-Azu­bis Pro­jekt­lei­te­rin Mi­ri­am Ann Hüttl zur Sei­te. Sie hat für sie Woh­nun­gen ge­mie­tet, For­mu­la­re und An­trä­ge vor­be­rei­tet, hilft bei Be­hör­den­gän­gen und bei Kon­to­er­öff­nun­gen. Auch beim Kon­takt mit Al­ten­pfle­ge­ein­rich­tun­gen un­ter­stützt sie ih­re Grup­pe. Nach dem Wech­sel an den Aus­bil­dungs­platz er­hal­ten die jun­gen Viet­na­me­sin­nen und Viet­na­me­sen als Ver­eins­mit­glie­der von „viet­duc.ca­re“wei­ter Un­ter­stüt­zung. Chi­en, 21 Jah­re alt, wies dar­auf hin, dass in Viet­nam vie­le jun­ge Men­schen kei­ne Ar­beit ha­ben. Er will Al­ten­pfle­ger wer­den, um al­ten Men­schen zu hel­fen und da­bei sei­ne Deutsch­kennt­nis­se zu ver­bes­sern. Thui be­stä­tig­te: „Wir kön­nen kos­ten­los ler­nen. Vie­le jun­ge Men­schen in Viet­nam sind oh­ne Job.“In Deutsch­land, Ös­ter­reich und der Schweiz be­steht im Ge­gen­zug ei­ne stark wach­sen­de Nach­fra­ge nach ex­ami­nier­ten Pfle­ge­kräf­ten. Für die jun­gen Viet­na­me­sen stellt die­ser Pfle­ge­not­stand ei­ne Chan­ce dar.

Die 19 viet­na­me­si­schen Aus­zu­bil­den­den sind be­reits über ei­nen Mo­nat in Deutsch­land. Sie hat­ten in­zwi­schen auch Zeit, die Ge­gend und ih­re Se­hens­wür­dig­kei­ten zu er­kun­den. Ei­ni­ge nann­ten so­fort den Bo­den­see. Bei der Vor­stel­lung an das gro­ße Was­ser er­hell­ten sich die Ge­sich­ter.

FO­TO: BLÖ­CHIN­GER

Jun­ge Viet­na­me­sin­nen und Viet­na­me­sen be­su­chen im Kol­ping-Bil­dungs­zen­trums in der Gar­ten­stra­ße ei­nen mehr­wö­chi­gen Deutsch­kurs. Rechts im Bild ist Pro­jekt­lei­te­rin Mi­ri­am Ann Hüttl.

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