„Kreuz“wird zur Ob­dach­lo­sen­un­ter­kunft

Leer ste­hen­des Ge­bäu­de in Ring­s­chnait wird ab so­fort von der Stadt ge­nutzt

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - REGION - Von Gerd Mä­ger­le

BI­BE­RACH - Das frü­he­re Gast­haus „Kreuz“in Ring­s­chnait wird rück­wir­kend zum 1. Ju­li zu ei­ner Un­ter­kunft für ob­dach­lo­se Fa­mi­li­en, al­lein­er­zie­hen­de Frau­en mit Kin­dern und al­lein­ste­hen­de Frau­en. Das hat der Ge­mein­de­rat ein­stim­mig be­schlos­sen. Das Ge­bäu­de, das im Ei­gen­tum des Land­krei­ses ist, wird zu­nächst bis En­de 2018 von der Stadt an­ge­mie­tet. Da­mit re­agie­ren Stadt­ver­wal­tung so­wie der Ver­ein Woh­nungs­lo­sen­hil­fe Bi­be­rach auf die seit ei­ni­gen Jah­ren stei­gen­de Zahl ob­dach­lo­ser Men­schen im Stadt­ge­biet.

Fak­to­ren für die stei­gen­de Zahl an Ob­dach­lo­sen sind laut Stadt­ver­wal­tung die An­schluss­un­ter­brin­gung und der Fa­mi­li­en­nach­zug von Flücht­lin­gen so­wie der teil­wei­se pro­ble­ma­ti­sche Zu­zug von EU-Bür­gern aus Ost­eu­ro­pa. Die Si­tua­ti­on ha­be sich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten dras­tisch ver­schärft, ei­ne Trend­wen­de sei nicht er­kenn­bar, sag­te Ul­ri­ke Wach­ter, Ge­schäfts­füh­re­rin der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe, die den Stadt­rä­ten die Ar­beit des Ver­eins vor­stell­te. Hin­zu kom­me, dass auch Men­schen, die hier an­säs­sig sind oder län­ger hier le­ben, Ge­fahr lau­fen, in die Ob­dach­lo­sig­keit zu ge­ra­ten, wenn aku­te Not­la­gen wie ei­ne Zwangs­räu­mung vor­lie­gen. Das städ­ti­sche Ord­nungs­amt, der Ei­gen­be­trieb Woh­nungs­wirt­schaft der Stadt so­wie der Ver­ein Woh­nungs­lo­sen­hil­fe, der als kreis­wei­te Fach­be­ra­tungs­stel­le agiert, ar­bei­ten seit 2013 im Stadt­ge­biet zu­sam­men. In vie­len Fäl­len ha­be Ob­dach­lo­sig­keit auf die­se Wei­se be­reits im Vor­feld ver­hin­dert oder die Zeit der Ob­dach­lo­sig­keit ver­kürzt wer­den kön­nen, sag­te Ul­ri­ke Wach­ter.

Für die Ob­dach­lo­sen­un­ter­brin­gung ver­fügt die Stadt der­zeit über ein Wohn­ge­bäu­de für Män­ner in der Blei­cher­stra­ße und ei­ne Frau­en-Wohn­ge­mein­schaft in der Höl­der­lin­stra­ße. Dar­über hin­aus wer­den Paa­re oder Fa­mi­li­en mit Kin­dern auch auf Un­ter­künf­te über das ge­sam­te Stadt­ge­biet ver­teilt. Für Frau­en und Fa­mi­li­en soll nun das ehe­ma­li­ge „Kreuz“an der Haupt­stra­ße 36 in Ring­s­chnait zur Ver­fü­gung ste­hen. Das leer ste­hen­de Ge­bäu­de hat­te zu­nächst der Land­kreis er­wor­ben, um dar­in ei­ne Ge­mein­schafts­un­ter­kunft für Flücht­lin­ge ein­zu­rich­ten. Weil die Flücht­lings­zah­len sin­ken, wird das Haus da­für aber nun nicht ge­braucht und steht als Wohn­raum für Ob­dach­lo­se zur Ver­fü­gung. Platz ist dort für ins­ge­samt 21 er­wach­se­ne Men­schen. Für die Stadt fal­len für Mie­te, Be­trieb so­wie die So­zi­al­be­treu­ung der Be­woh­ner bis En­de 2018 Kos­ten von ins­ge­samt knapp 200 000 Eu­ro an.

Jo­han­nes Wal­ter (CDU) sag­te, es sei ei­ne ho­heit­li­che Auf­ga­be der Stadt, Men­schen Ob­dach zu ge­ben. Er lob­te den Drei­klang von Ord­nungs­amt, Ei­gen­be­trieb Woh­nungs­wirt­schaft und Woh­nungs­lo­sen­hil­fe bei der Zu­sam­men­ar­beit. Ru­dolf Metz­ger (SPD) wer­te­te die Zu­nah­me von Ob­dach­lo­sig­keit in der Stadt als In­diz, beim so­zia­len Woh­nungs­bau nicht nach­zu­las­sen. Ver­mut­lich wer­de die Ent­schei­dung in Ring­s­chnait nicht mit Hur­ra auf­ge­nom­men, aber, so hof­fe er, „mit der Ein­sicht in das Not­wen­di­ge“. Die länd­li­che Um­ge­bung kön­ne auf die dort un­ter­ge­brach­ten Men­schen mög­li­cher­wei­se auch ei­nen „nor­ma­li­sie­ren­den Ef­fekt“ha­ben. Die Stadt meis­te­re das The­ma Ob­dach­lo­sig­keit im Zu­sam­men­spiel mit der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe „bra­vou­rös“, sag­te Mar­le­ne Goeth (Freie Wäh­ler). „Beim The­ma Ob­dach­lo­sig­keit gu­cken die meis­ten ja lie­ber weg“, sag­te Ma­nue­la Hölz (Grü­ne). Sie zeig­te sich über­rascht, dass es in Bi­be­rach ei­ne Zu­nah­me ge­be. Chris­toph Funk (FDP) lob­te das Netz­werk aus Stadt und Woh­nungs­lo­sen­hil­fe. Wich­tig sei, dass auch der Kon­takt zu Ver­mie­tern ge­hal­ten wer­de. „Es gibt si­cher ge­nü­gend Leu­te, die be­reit sind zu hel­fen, wenn sie denn von Not­la­gen er­fah­ren.“

Auch der Ring­s­chnai­ter Orts­vor­ste­her Wal­ter Bo­scher zeig­te sich dank­bar für die nun ge­fun­de­ne Lö­sung. Ei­ne Ob­dach­lo­sen­un­ter­kunft für Frau­en und Fa­mi­li­en hal­te er für den bes­se­ren Weg als ei­ne zwei­te, mehr­heit­lich mit Män­nern be­leg­te Ge­mein­schafts­un­ter­kunft für Flücht­lin­ge im Dorf, sag­te er.

FO­TO: GERD MÄ­GER­LE

Das frü­he­re Gast­haus „Kreuz“in Ring­s­chnait wird künf­tig als Un­ter­kunft für ob­dach­lo­se Frau­en oder Fa­mi­li­en ge­nutzt.

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