Oh­ne öf­fent­li­che Be­tei­li­gung zum Kies­ab­bau

Be­trei­ber der Kies­wer­ke in Gre­nis will Ziel­ab­wei­chungs­ver­fah­ren be­an­tra­gen

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - GEMEINDEN /REGION - Von Sy­bil­le Glatz

WOLFEGG/VOGT - Noch vor In­kraft­tre­ten des neu­en Re­gio­nal­pla­nes könn­te das hef­tig um­strit­te­ne neue Kies­ab­bau­ge­biet in Grund (Vogt) ei­ne wich­ti­ge Hür­de auf dem Weg zur Ge­neh­mi­gung neh­men. Das ist das Fa­zit ei­ner Fra­ge, die Vogts Bür­ger­meis­ter Pe­ter Smi­goc in der Kreis­tags­sit­zung am Don­ners­tag in Wolfegg Wil­fried Fran­ke, der Di­rek­tor des Re­gio­nal­ver­ban­des Bo­den­seeOber­schwa­ben, ge­stellt hat. Zu­vor hat­te Fran­ke den Kreis­rä­ten den ak­tu­el­len Stand der Fort­schrei­bung des Re­gio­nal­pla­nes (sie­he Kas­ten) vor­ge­stellt.

Nach sei­ner Prä­sen­ta­ti­on er­kun­dig­te sich Bür­ger­meis­ter Smi­goc nach dem Ablauf und den Fol­gen ei­nes so­ge­nann­ten Ziel­ab­wei­chungs­ver­fah­rens. Bei ei­nem sol­chen Ver­fah­ren wird durch das Re­gie­rungs­prä­si­di­um Tü­bin­gen ge­prüft, ob im Ein­zel­fall vom Re­gio­nal­plan ab­ge­wi­chen wer­den kann. Für die elf Hekt­ar gro­ße Flä­che in Grund sieht der bis­he­ri­ge Re­gio­nal­plan ein Forst­ge­biet vor, al­so Wald. Doch wenn „die Ab­wei­chung un­ter raum­ord­ne­ri­schen Ge­sichts­punk­ten ver­tret­bar ist und die Gr­und­zü­ge der Pla­nung nicht be­rührt wer­den“, kann von der Pla­nung ab­ge­wi­chen wer­den. Kon­kret heißt das: Der Wald kann ab­ge­holzt und der dar­un­ter­lie­gen­de Kies ge­för­dert wer­den. Ins Rol­len brin­gen kön­nen ein sol­ches Ver­fah­ren laut Lan­des­pla­nungs­ge­setz öf­fent­li­che Stel­len und un­ter ge­wis­sen Vor­aus­set­zun­gen auch „Per­so­nen des Pri­vat­rechts“.

Wie Ver­bands­di­rek­tor Fran­ke im Kreis­tag sag­te, be­ab­sich­ti­ge die Ei­gen­tü­me­rin der Kies­wer­ke in Gre­nis, die „Meich­le und Mohr Gm­bH“aus Immenstaad in Per­son von Ge­schäfts­füh­rer Rolf Mohr, ein der­ar­ti­ges Ver­fah­ren beim Re­gie­rungs­prä­si­di­um zu be­an­tra­gen, und zwar „bald“. Zu­min­dest ha­be er sich ihm ge­gen­über so ge­äu­ßert, so Fran­ke.

Kei­ne Be­tei­li­gung vor­ge­se­hen

Beim Ziel­ab­wei­chungs­ver­fah­ren han­delt es sich ein ver­wal­tungs­in­ter­nes Ver­fah­ren, bei dem for­mal kei­ne Öf­fent­lich­keits­be­tei­li­gung vor­ge­se­hen ist. Im Zu­ge des Ver­fah­rens bit­tet das Re­gie­rungs­prä­si­di­um die Trä­ger öf­fent­li­cher Be­lan­ge um Stel­lung­nah­men. Das sind un­ter an­de­rem das Land­rats­amt mit sei­nen Fachäm­tern, Na­tur­schutz­ver­bän­de wie der Na­bu

und der BUND so­wie die Ge­mein­de Vogt. Ein be­son­de­res Ge­wicht hat die Stel­lung­nah­me des Re­gio­nal ver­ban­des Bo­den­see-Ober­schwa­ben, denn von sei­ner Pla­nung soll ja ab­ge­wi­chen wer­den. Sie wird im Pla­nungs­aus­schuss vor be­ra­ten und dann von der Ver­bands ver­samm­lung be­schlos­sen. Die Ver­bands ver­samm­lung hat 54 Mit­glie­der, die von den Kreis­ta­gen der Land­krei­se Sig­ma­rin­gen, Ravensburg und Bo­den­see­kreis ge­wählt wur­den. Bis­her hat das Re­gie­rungs prä­si­di­um wohl noch nie ge­gen das Vo­tum des Re­gio­nal ver­ban­des ent­schie­den.

Zur Ver­fah­rens­dau­er woll­te der Kreis­ent­wick­lungs­de­zer­nent Wal­ter Sie­ger auf Nach­fra­ge kei­ne ge­nau­en An­ga­ben ma­chen. Doch, dass das Ver­fah­ren schnel­ler ab­ge­schlos­sen sein wer­de als die Fort­schrei­bung des Re­gio­nal­pla­nes, sei für ihn si­cher – egal mit wel­chem Aus­gang.

Fest­zu­hal­ten bleibt je­doch, dass ein po­si­ti­ver Aus­gang des Ver­fah­rens nicht au­to­ma­tisch ei­ne Ge­neh­mi­gung für den Kies­ab­bau be­deu­ten wür­de. Die­se müss­te erst vom Land­rats­amt Ravensburg er­teilt wer­den. Doch ei­ne ers­te Hür­de hät­te dann der Kies­ab­bau in Grund ge­nom­men – vor In­kraft­tre­ten des neu­en Re­gio­nal­pla­nes und al­len Pro­tes­ten aus der Be­völ­ke­rung zum Trotz.

FO­TO: DEREK SCHUH

Wie hier in Gre­nis soll auch in Grund in der Ge­mein­de Vogt Kies ge­för­dert wer­den.

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