Ei­ne hal­be Mil­li­on fehlt

Park­ge­büh­ren: Vie­le Au­to­fah­rer mei­den in Kempten die Plät­ze, für die sie seit Ja­nu­ar zah­len müss­ten

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - BLICK INS ALLGÄU -

KEMPTEN (se) - Knapp ei­ne Mil­li­on Eu­ro ha­ben die im Ja­nu­ar er­höh­ten Park­ge­büh­ren bis Ju­li in die Stadt­kas­se ge­spült. Zum Jah­res­en­de rech­nen die Ver­ant­wort­li­chen mit et­wa 2,3 Mil­lio­nen. Die an­ge­peil­ten 2,8 Mil­lio­nen wer­den heu­er wohl nicht er­reicht. Die Au­to­fah­rer su­chen Al­ter­na­ti­ven – sei es im Park­haus, in Wohn­be­rei­chen oder im öf­fent­li­chen Ver­kehr.

Den Lö­wen­an­teil der Park­ge­büh­ren er­hält die Stadt nach wie vor als Münz­geld an den Park­schein­au­to­ma­ten. 850 000 Eu­ro wa­ren es bis Ju­li 2017, er­klär­te Tief­bau­amts­lei­ter Mar­kus Wie­de­mann am Di­ens­tag­abend im Fi­nanz­aus­schuss. Mit EC-Kar­te zahl­ten die Au­to­fah­rer 50 000 Eu­ro ein. Knapp 90 000 Eu­ro ga­ben Dau­er­par­ker für ih­re Mo­nats- oder Jah­res­ti­ckets im Jahr 2017 bis­her aus. Ei­nen An­stieg wer­de er­fah­rungs­ge­mäß das zwei­te Halb­jahr brin­gen: Zur Fest­wo­che und in der Vor­weih­nachts­zeit sind Park­plät­ze in der In­nen­stadt be­son­ders be­gehrt. Au­ßer­dem wer­de ei­ne gro­ße Zahl der Dau­er­par­ker heu­er noch ihr Jah­res­ti­cket für 2018 kau­fen.

Vor der Ge­büh­ren­er­hö­hung brach­te die Park­raum­be­wirt­schaf­tung um die 800 000 Eu­ro ein. Auf 2,8 Mil­lio­nen hat­ten die Ex­per­ten im Jahr 2017 ei­gent­lich spe­ku­liert. Zu­grun­de lag den Schät­zun­gen laut Wie­de­mann die An­nah­me, dass je­der Park­platz min­des­tens ein­mal am Tag be­nutzt wür­de. Von die­sem Wert nahm man vor­sich­ti­ge 80 Pro­zent an. „Tat­schlich lie­gen wir bei den Dau­er­park­plät­zen zur­zeit aber nur bei 60 Pro­zent“, sag­te Wie­de­mann.

Woran liegt’s? An­fang des Jah­res stot­ter­te es ei­ne Zeit lang bei der Ein­rich­tung der neu­en Au­to­ma­ten. Da­zu räum­te die Ver­kehrs­über­wa­chung ei­ne Ka­renz­zeit ein, in der auf die neu­en Ver­hält­nis­se hin­ge­wie­sen wur­de. Und vie­le Au­to­fah­rer hät­ten schon 2016 ihr Dau­er­park-Ti­cket ge­kauft, was in der 2017er-Bi­lanz folg­lich nicht mehr auf­tau­che.

Der Be­darf an Park­plät­zen blei­be letzt­lich gleich, auch wenn ak­tu­ell we­ni­ger Au­tos auf den frü­her kos­ten­lo­sen Flä­chen ste­hen. Gleich­zei­tig be­ob­ach­te man, dass die Park­häu­ser Zu­wachs­ra­ten ver­zeich­ne­ten. „Wenn die Leu­te so­wie­so fürs Par­ken be­zah­len müs­sen, ver­su­chen sie na­tür­lich, mög­lichst nah an ihr Ziel zu ge­lan­gen“, sagt Wie­de­mann. Auf dem Weg zur an­ge­streb­ten Null­ver­schul­dung im Jahr 2020 sieht die Käm­me­rei kei­ne gro­ßen Hin­der­nis­se mehr. 2016 sei un­term Strich sehr na­he an den Pla­nun­gen ver­lau­fen, letzt­lich so­gar mit ei­nem Plus.

„Gro­ße Spiel­räu­me tun sich des­we­gen aber nicht auf“, sag­te Sach­ge­biets­lei­ter Flo­ri­an Höld. Er­folg­reich sei­en die An­stren­gun­gen im Con­trol­ling. Die An­sät­ze in den Plä­nen sei­en seit­her rea­lis­ti­scher.

Von „er­heb­li­chen Mehr­ein­nah­men“aus Ge­wer­be- und Ein­kom­men­steu­er be­rich­te­te Käm­me­rer Mat­thi­as Haugg im ers­ten Halb­jahr. Um 3,6 Mil­lio­nen Eu­ro lie­ge man 2017 vor­aus­sicht­lich über den Er­war­tun­gen. „Wenn wir im Herbst noch so gut da­ste­hen, könn­ten wir vom Plus noch Schul­den til­gen“, sag­te er.

An­ge­sichts der an­ste­hen­den In­ves­ti­tio­nen tue der er­freu­li­che Haus­halts­ver­lauf gut. Al­les wer­de man sich trotz­dem nicht leis­ten kön­nen. Das soll­te aber auch nicht das Ziel sein, mahn­te CSU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Er­win Ha­gen­mai­er. „Wir dür­fen nicht wei­ter das Ta­fel­sil­ber ver­früh­stü­cken“, er­in­ner­te er an ho­he Ent­nah­men aus den Rück­la­gen. Ziel müs­se ein aus­ge­gli­che­ner Haus­halt sein.

FO­TO: JOR­DAN

Die Ein­nah­men aus den Park­ge­büh­ren fal­len heu­er wohl ge­rin­ger aus als ge­schätzt.

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