Wis­sen­wer­tes zur ho­hen Zeit der Er­ba

För­der­kreis aus Tett­nang in Wan­gen zu Be­such

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN / VEREINE -

WAN­GEN - Jür­gen Mül­ler vom „För­der­ver­ein ER­BA-Mu­se­um“hat vor Kur­zem 33 Mit­glie­dern und Gäs­ten vom För­der­kreis Hei­mat­kun­de aus Tett­nang Wis­sens­wer­tes über die Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ent­stan­de­ne „Baum­woll­spin­ne­rei Er­lan­genBam­berg“, kurz ER­BA, na­he ge­bracht.

In der ho­hen Zeit der ER­BA, um 1960 her­um, wa­ren et­wa 1400 Mit­ar­bei­ter in Wan­gen be­schäf­tigt. Auf dem Werks­ge­län­de stan­den 916 Web­stüh­le mit de­nen vom Da­mast, Klei­der­stof­fen, Hem­den­stof­fen bis zu ein­fa­chen Baum­woll­stof­fen al­les pro­du­ziert wer­den konn­te.

Das werks­ei­ge­ne Kraft­werk, ge­speist vom Ober­land­ka­nal, lie­fer­te seit 1860 elek­tri­sche Ener­gie. Das Un­ter­neh­men wuchs mit sei­nen bau­li­chen Er­wei­te­run­gen wei­ter an die Kern­stadt her­an. Gro­ße, heu­te noch ge­wal­ti­ge Hal­len ent­stan­den. So war es denn auch mög­lich, An­fang der drei­ßi­ger Jah­re, Stoff­bah­nen für die Hül­le des Zep­pe­lins zu fer­ti­gen.

Die ers­ten Mit­ar­bei­ter­häu­ser wur­den 1870 ge­baut. Der ge­schaf­fe­ne Wohn­raum band die Mit­ar­bei­ter ans Un­ter­neh­men. Zu­dem ent­stand ei­ne ar­beits­platz­na­he In­fra­struk­tur mit Gast­haus, Thea­ter­saal, Wöch­ne­rin­nen­heim, Ent­bin­dungs­sta­ti­on, Kon­sum und ab 1911 ein Kin­der­heim für Kin­der ab ei­nem Al­ter von vier Wo­chen. Mit ver­schie­de­nen Er­wei­te­run­gen konn­te das Kin­der­heim 1963 dann 50 Säug­lin­ge und 85 Kin­der bis ins Schul­al­ter be­treu­en. Müt­ter hat­ten es so­mit ein­fach, Er­zie­hung und Ar­beit zu ver­knüp­fen.

In ei­nem pro­vi­so­ri­schen Zelt, in­ner­halb der vor­läu­fi­gen Mu­se­ums­hal­le gab es für die Be­su­cher aus Tett­nang vie­le Stoff­mus­ter in Form von Vor­le­ge­mus­tern, Klei­dern, Hem­den und auch Ar­beits­kit­teln be­stau­nen. Die­ses Pro­vi­so­ri­um be­weist, wie wich­tig es ist, hier Ab­hil­fe zu schaf­fen, da­mit al­les ver­lust­frei dem künf­ti­gen Mu­se­um er­hal­ten bleibt.

Nach der In­sol­venz der ER­BA im Jahr 1992 soll das Ge­län­de bald wie­der le­ben­dig wer­den. Auf dem Are­al wird 2024 die Lan­des­gar­ten­schau statt­fin­den. Wan­gen be­kam den Zu­schlag, auch we­gen dem Ziel ei­ner Re­vi­ta­li­sie­rung der In­dus­trie­bra­che „ER­BA-Spin­ne­rei“, mit In­te­gra­ti­on in das Stadt­ge­fü­ge und Schaf­fen von Wohn­raum. Der ER­BA-Mu­se­ums­ver­ein hat mit sei­nen 42 Mit­glie­dern bis da­hin noch ein er­heb­li­ches Stück Ar­beit und Or­ga­ni­sa­ti­on vor sich. Mit gro­ßem Er­folg konn­te er ei­ni­ge Web­ma­schi­nen fürs ge­plan­te Mu­se­um nutz­bar ma­chen. Mül­ler ver­sprüh­te be­grün­de­ten Op­ti­mis­mus als er sag­te: „Mer­ken Sie sich das Jahr 2024 nur gut, da wird es sie ma­gne­tisch nach Wan­gen zie­hen!“

FO­TO: KON­RAD NE­U­MANN

Mit­glie­der des För­der­kreis Hei­mat­kun­de auf dem ER­BA-Ge­län­de, links im Bild die „Neue“Spin­ne­rei und rechts die ers­te We­be­rei.

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