Her­mann Kel­ler sprin­tet ins grü­ne Tri­kot

Der Fah­rer der Rad-Uni­on Wan­gen über­zeugt bei Oder­r­und­fahrt – Meh­re­re Top-Ten-Plat­zie­run­gen fürs Team

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - REGIONALSPORT -

FRANK­FURT/ODER (sz) - Zur 38. In­ter­na­tio­na­len Oder­r­und­fahrt nach Frank­furt (Bran­den­burg) war es für die sechs­köp­fi­ge Aus­wahl der Ra­dU­ni­on Wan­gen ein wei­ter Weg. Doch der hat sich ge­lohnt, wie der Ver­ein mit­teilt: Her­mann Kel­ler si­cher­te sich das grü­ne Tri­kot des stärks­ten Sprin­ters, wur­de Vier­ter auf der zwei­ten Etap­pe, und durch Tho­mas Lie­nert so­wie Pe­ter Clauß fuhr das Team zwei wei­te­re Top-Ten-Plat­zie­run­gen ein.

Die Oder­r­und­fahrt führ­te heu­er an vier Renn­ta­gen über 496 Ki­lo­me­ter. Be­reits wäh­rend der ers­ten Etap­pe wur­de klar, dass die­ses ver­län­ger­te Renn­wo­chen­en­de we­nig er­hol­sam wer­den wür­de. Auf ei­nem tech­nisch an­spruchs­vol­len 1,5 Ki­lo­me­ter lan­gen Rund­kurs galt es, 50 Run­den zu ab­sol­vie­ren. Ein – für All­gäu­er Ver­hält­nis­se – kaum er­wäh­nens­wer­ter Hü­gel mit an­schlie­ßen­der 180-Gra­dWen­de ent­pupp­te sich da­bei als „Scharf­rich­ter“, an dem sich das 120 Fah­rer star­ke Feld im Lau­fe der Zeit um zwei Drit­tel sei­ner Aus­gang­grö­ße ver­klei­ner­te.

Schon da­bei ließ Kel­ler sei­ne Klas­se auf­blit­zen, war Teil ei­ner fünf­köp­fi­gen Spit­zen­grup­pe und lie­fer­te sich mit sei­nem Ex-Team­kol­le­gen Si­mon Laib ein pa­cken­des Du­ell um die Punk­te in der Sprint­wer­tung. Als das Quin­tett schließ­lich ge­stellt wur­de, la­gen bei­de mit sie­ben Punk­ten gleich­auf an der Spit­ze des Clas­se­ments.

Die zwei­te Etap­pe führ­te am Frei­tag über 165 fla­che Ki­lo­me­ter. Fa­bi­an Dan­ner ver­trat die Far­ben der Ra­dU­ni­on in der sich früh for­mie­ren­den Spit­zen­grup­pe und sam­mel­te sechs Sprint­punk­te. Im hek­ti­schen Fi­na­le er­spur­te­te Kel­ler den vier­ten Etap­pen­rang und pro­fi­tier­te da­bei laut Rad-Uni­on von ei­ner un­kon­ven­tio­nel­len Mann­schaft­s­tak­tik: Statt eng bei­ein­an­der zu fah­ren und sich ge­gen­sei­tig Wind­schat­ten zu spen­den, ver­such­ten Kel­ler und Team­kol­le­ge Clauß ein­zeln ihr Glück; Kel­ler am lin­ken, Clauß am rech­ten Fahr­bahn­rand. Und sie ta­ten gut dar­an: Wäh­rend Kel­ler auf be­schrie­be­ne Wei­se er­folg­reich war, kam Clauß 300 Me­ter vor dem Ziel zu Fall, büß­te je­de Chan­ce auf ei­ne vor­de­re Plat­zie­rung, sei­nen Fahr­rad­rah­men und ei­ni­ge Qua­drat­zen­ti­me­ter Haut ein.

„Ein har­tes Stück Ar­beit“

Am Sams­tag kam es dann zum di­rek­ten Sprint der drei An­wär­ter auf das grü­ne Tri­kot. Laib be­wies da­bei sei­ne über­ra­gen­de Form und dis­tan­zier­te Dan­ner und Kel­ler im Wer­tungs­sprint berg­auf. Im Ziel­ein­lauf die­ser Etap­pe bril­lier­te Rou­ti­nier Tho­mas Lie­nert und er­kämpf­te sich Platz acht.

Das sonn­täg­li­che 155 Ki­lo­me­ter lan­ge Teil­stück stellt die Kö­nigs­etap­pe der Rund­fahrt dar. 15 Mal, gilt es hier ei­nen bis zu 18 Pro­zent stei­len Kopf­stein­pflas­ter­hang zu er­klim­men. Nach drei Ta­gen für al­le Ath­le­ten ei­ne Her­aus­for­de­rung, zu­mal sich der Stra­ßen­be­lag nicht mit dem üb­li­chen in­ner­städ­ti­schen De­ko­ra­ti­ons­mo­sa­ik ver­glei­chen lässt. Viel­mehr han­delt es sich um ur­al­te, grob und un­re­gel­mä­ßig ver­leg­te, bes­ser: ge­mau­er­te St­ei­ne. Kel­ler, Laib im di­rek­ten Sprint er­wie­se­ner­ma­ßen un­ter­le­gen, such­te sein Glück in ei­ner Flucht­grup­pe und sam­mel­te so ge­nü­gend Sprint­punk­te, um das grü­ne Tri­kot zu er­obern. Laib, vom Vor­stoß Kel­lers über­rascht, gab das Ren­nen de­mo­ra­li­siert auf. „Das war ein har­tes Stück Ar­beit. Die Sprints ha­ben mich so viel Kraft ge­kos­tet, dass ich die Spit­zen­grup­pe ir­gend­wann zie­hen las­sen muss­te. Aber das ist egal. Ich bin stolz, die Ge­s­amt-Sprint­wer­tung ge­won­nen zu ha­ben.“, so Kel­ler. Und: „Gut ist auch, dass ich das Tri­kot erst heu­te nach der letz­ten Etap­pe be­kom­men ha­be und es nun nicht im Ren­nen tra­gen muss: es spannt et­was. An den Schul­tern.“

Clauß, der sei­ne Team­klei­dung um ei­ni­ge Ban­da­gen er­gänzt hat­te, ge­lang es, bei sei­ner ach­ten Teil­nah­me an die­sem Ren­nen erst­mals den An­stieg mit ei­ner kon­kur­renz­fä­hi­gen Ge­schwin­dig­keit zu er­klim­men, was Rang sie­ben im Etap­pen­er­geb­nis er­mög­lich­te.

Ne­ben dem be­schrie­be­nen Er­folg stellt die Oder­r­und­fahrt auch ei­nen Be­las­tungs­hö­he­punkt im Sai­son­ver­lauf der Wan­ge­ner dar. Mit der da­mit auf­ge­bau­ten Renn­här­te hofft das Team, bei den an­ste­hen­den Bun­des­li­ga­wett­kämp­fen in Cott­bus und im Sau­er­land zu über­zeu­gen.

RAD-UNI­ON

Der bes­te Sprin­ter Her­mann Kel­ler (links) ne­ben Ge­samt­sie­ger Ma­nu­el Potz­ner.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.