Auch Wan­gen mischt beim Öko­punk­te-Han­del mit

Ge­mein­de­rat stimmt im zwei­ten An­lauf für Bei­tritt zum „Re­gio­na­len Kom­pen­sa­ti­ons­pool Bo­den­see-Ober­schwa­ben“

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN - Von Bernd Treff­ler

WAN­GEN - Auf­ge­scho­ben ist nicht auf­ge­ho­ben: Nach­dem die Ent­schei­dung über ei­nen Bei­tritt zum „Re­gio­na­len Kom­pen­sa­ti­ons­pool Bo­den­see-Ober­schwa­ben“(Re­ko) in der vor­letz­ten Sit­zung ver­tagt wor­den war, hat der Wan­ge­ner Ge­mein­de­rat am Mon­tag­abend mit gro­ßer Mehr­heit da­für vo­tiert. Vor­aus­ge­gan­gen war je­doch aber­mals ei­ne teil­wei­se grund­sätz­li­che De­bat­te über den (über-)re­gio­na­len Han­del mit Öko­punk­ten.

Für den zwei­ten An­lauf in Sa­chen Bei­tritt zum „Re­gio­na­len Kom­pen­sa­ti­ons­pool Bo­den­see-Ober­schwa­ben“hat­te sich die Ver­wal­tung Ver­stär­kung an Bord ge­holt. Wil­fried Fran­ke, Di­rek­tor des Re­gio­nal­ver­bands und Re­ko-Ge­schäfts­füh­rer in ei­ner Per­son, soll­te nicht nur of­fe­ne Fra­gen aus der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung klä­ren, son­dern bei den Rä­ten Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten. Und so spann­te Fran­ke den Bo­gen von der Grün­dung des Kom­pen­sa­ti­ons­pools, über des­sen Zweck und Auf­ga­ben bis hin zu den Vor­tei­len, die Wan­gen bei ei­nem Bei­tritt hät­te. Noch vor we­ni­gen Jah­ren ha­be es bei Bau­pro­jek­ten vie­le un­sin­ni­ge, na­tur­schutz­recht­li­che Aus­gleichs­maß­nah­men ge­ge­ben, ein Gut­teil die­ser Aus­glei­che sei­en zu­dem gar nicht um­ge­setzt wor­den. Und, so der Re­ko-Ge­schäfts­füh­rer: „Die Kom­mu­nen ha­ben be­gon­nen, sich zu kan­ni­ba­li­sie­ren, in­dem sie auf der Su­che nach Aus­gleichs­flä­chen in be­nach­bar­ten Re­gio­nen wil­der­ten.“

Seit sei­ner Grün­dung im April 2014 stim­me der Kom­pen­sa­ti­ons­pool den Han­del von Öko­punk­ten un­ter den Kom­mu­nen ab, ha­be seit­dem den Stau ab- und ein re­gio­na­les Öko­punk­te­kon­to auf­ge­baut. We­gen des pro­gnos­ti­zier­ten Be­völ­ke­rungs­wachs­tums bis 2035 von bis zu 80 000 Men­schen und der be­nö­tig­ten 800 bis 1000 Hekt­ar an wei­te­ren Ge­wer­be­flä­chen in der Groß­re­gi­on, sei ei­ne In­sti­tu­ti­on wie Re­ko nö­ti­ger denn je, um den Han­del mit Öko­punk­ten zu ko­or­di­nie­ren, den Be­darf an Aus­gleichs­flä­chen für die Mit­glie­der zu de­cken und da­mit Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren zu be­schleu­ni­gen. „Das Ziel da­bei ist, die­sen Aus­gleich au­ßer­halb der er­trag­rei­chen land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen zu rea­li­sie­ren“, so Fran­ke. Mit dem Bei­tritt von neu­en Kom­mu­nen wol­le man den Re­ko-Ka­pi­tal­stock er­hö­hen, um auf dem Öko­punk­te-Markt po­ten­ter sein zu kön­nen. Und zu den Rä­ten: „Wenn Sie nur den lei­ses­ten Zwei­fel ha­ben, dass Sie in den kom­men­den 20 Jah­ren al­le Ih­re Ein­grif­fe selbst aus­glei­chen kön­nen, dann wür­de ich an Ih­rer Stel­le dem Re­ko bei­tre­ten.“

Zu­min­dest Ger­hard Lang hat­te sol­che Zwei­fel nicht. „Wan­gen müss­te ei­gent­lich in der La­ge sein, sei­ne Öko­punk­te selbst zu ge­ne­rie­ren“, sag­te der SPD-Rat. Er be­fürch­te­te, dass die Stadt mit ei­nem Bei­tritt ein Stück weit ih­rer kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung auf­ge­ben wür­de und schlug vor, mit den Kos­ten für die Re­ko-Auf­nah­me in Hö­he von rund 218 000 Eu­ro selbst ein Aus­gleichs­kon­zept zu er­ar­bei­ten. An­ders sah dies Paul Mül­ler. „Wir brau­chen je­mand, der den Aus­gleich zu 100 Pro­zent um­setzt“, si­gna­li­sier­te der CDU-Spre­cher die Zu­stim­mung sei­ner Frak­ti­on. In die glei­che Rich­tung ar­gu­men­tier­te Til­man Schau­we­cker (GOL), be­fürch­te­te aber, dass der Re­ko auch lan­des­weit wach­sen müs­se: „Das wä­re nicht gut.“

Er­folg­rei­che Über­zeu­gungs­ar­beit: nur fünf Nein-Stimmen

Die­se Be­fürch­tung ver­such­te OB Michael Lang zu ent­kräf­ten. Mit dem Kom­pen­sa­ti­ons­pool ha­be die Stadt ei­ne wei­te­re Op­ti­on, an die nö­ti­gen Öko­punk­te zu kom­men: „Un­se­re Hand­lungs­fä­hig­keit wird er­wei­tert auf sinn­vol­le Din­ge“, so der Rat­haus­chef. „Der Re­ko ist ei­ne klei­ne, schlag­kräf­ti­ge Einheit.“Rü­cken­de­ckung gab es hier von Wil­fried Fran­ke. „Sie sol­len wei­ter­hin das, was mach­bar ist, selbst ma­chen“, so der Re­ko-Ge­schäfts­füh­rer in Rich­tung Rä­te. Bei grö­ße­ren Pro­jek­ten kön­ne man je­doch die Kräf­te bün­deln. „Wir ha­ben zu­dem ver­ein­bart, dass je­de Mit­glieds­kom­mu­ne nicht beim Er­werb von Aus­gleichs­flä­chen auf ei­ner an­de­ren Ge­mar­kung tä­tig sein darf“, so Fran­ke. „Die Al­ter­na­ti­ve zu Re­ko ist: Je­der kämpft für sich, und die Prei­se für Öko­punk­te wer­den hoch­ge­trie­ben.“

Es war das Schluss­ar­gu­ment in ei­ner er­neut län­ge­ren Rats­dis­kus­si­on, in der die Über­zeu­gungs­ar­beit von Fran­ke am En­de aber Wir­kung zeig­te. Bei fünf Nein-Stimmen (aus SPD und GOL) so­wie ei­ner Ent­hal­tung (SPD) ging der Ver­wal­tungs­vor­schlag dem „Re­gio­na­len Kom­pen­sa­ti­ons­pool Bo­den­see-Ober­schwa­ben“bei­zu­tre­ten, mit gro­ßer Mehr­heit durch.

„Wenn Sie nur den lei­ses­ten Zwei­fel ha­ben, dass Sie in den kom­men­den 20 Jah­ren al­le Ih­re Ein­grif­fe selbst aus­glei­chen kön­nen, dann wür­de ich an Ih­rer Stel­le dem Re­ko bei­tre­ten.“Re­ko-Ge­schäfts­füh­rer Wil­fried Fran­ke leis­te­te Über­zeu­gungs­ar­beit

FO­TO: BEE

Seit Kur­zem be­deckt ei­ne Stoff­pla­ne das Ge­rüst an der Wan­ge­ner Rat­haus-Front. Die Bot­schaft: So soll die Fas­sa­de nach der Sa­nie­rung dann ab Mit­te Ok­to­ber aus­se­hen.

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