Jo­sef Do­bler – Kut­scher aus Lei­den­schaft

Seit vie­len Jah­ren ver­gibt der Pfer­de­lieb­ha­ber aus Rupprechts Füh­rer­schei­ne an Ge­spann­fah­rer

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - REGION - Von Gisela Sgier

RUPPRECHTS (gs) - Ein Pfer­de­ge­spann zu füh­ren ist nicht so ein­fach, wie es aus­sieht. Aus die­ser Er­fah­rung her­aus, und um für mehr Si­cher­heit im Stra­ßen­ver­kehr zu sor­gen, ist Jo­sef Do­bler seit vie­len Jah­ren Tag für Tag un­ter­wegs, um von Ulm bis zum Bo­den­see, Ge­spann­fah­rern zum Kut­schen-Füh­rer­schein zu ver­hel­fen.

Zu sei­ner Lieb­ha­be­rei, Ge­span­ne zu fah­ren, sei er 1986 ge­kom­men, als er den Kut­schen­füh­rer­schein ge­macht ha­be. „Seit­her set­ze ich mich kaum noch auf mei­ne Pfer­de“, er­zählt Do­bler. Und dann sei eins zum an­de­ren ge­kom­men. Im­mer wie­der sei­en Füh­rer­schein­an­wär­ter zu ihm ge­kom­men und hät­ten ihn um Hil­fe ge­be­ten. Ei­nes Ta­ges ha­be er sich dann da­zu ent­schlos­sen, sel­ber tä­tig zu wer­den. So ha­be er 1997 ei­ne Aus­bil­dung zum Fahr­wahrt ge­macht, be­vor er 2002 sich in vier Wo­chen bei Clop­pen­burg in­ner­halb ei­ner Aus­bil­dung sich die Trai­ner­li­zen­zen A (obe­re Ebe­ne), B (auf­bau­en­de Ebe­ne) und C (Ein­stiegs­ebe­ne) ab­sol­vier­te.

Seit­her reist Fahr­leh­rer Do­bler zwi­schen Ulm und dem Bo­den­see bis nach Bay­ern um­her und bil­det bei ver­schie­de­nen Reit­ver­ei­nen ei­nen Kutsch­fah­rer nach dem an­de­ren aus. „Mir geht es nicht ums Geld. Viel­mehr möch­te ich den Leu­ten was bei­brin­gen und für ei­nen si­che­ren Um­gang beim Kutsch­fah­ren sor­gen“, er­klärt Do­bler.

Wich­tig sei ihm in ers­ter Li­nie, dass die Pfer­de­be­sit­zer mit ih­ren ei­ge­nen Pfer­den am Fahr­kurs teil­neh­men wür­den. „Je­des Pferd ist an­ders und braucht Ein­füh­lungs­ver­mö­gen“. So wür­de es nicht viel nüt­zen, ei­nen Fahr­kurs auf ei­ner Kut­sche, mit im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ein­ge­spann­ten und der Si­tua­ti­on ge­wohn­ten Rös­sern zu ma­chen.

Oft­mals wür­den zu ihm auch Leu­te kom­men, die sich plötz­lich für die­sen Sport in­ter­es­sie­ren wür­den, bis­her aber noch nie Um­gang mit Pfer­den und Kut­schen ge­habt hät­ten. In sol­chen Fäl­len sei es ein­fach wich­tig den rich­ti­gen Um­gang mit Pfer­den so­wie ei­ne ent­spre­chen­de und ge­rech­te Aus­stat­tung fürs Fah­ren zu er­klä­ren. „Selbst­ver­ständ­lich fah­re ich auch je­des Ge­spann ein“, so Do­bler.

Laut dem Kutsch­fah­rer dau­ert so ei­ne Aus­bil­dung et­wa drei Mo­na­te. Mit 50 Theo­rie- und 20 Pra­xis­stun­den sei zu rech­nen. Al­lein im theo­re­ti­schen Be­reich gä­be es zahl­rei­che Punk­te hin­sicht­lich des The­mas Tier­wohls zu be­ar­bei­ten. Im prak­ti­schen Teil wür­den die Teil­neh­mer zu­nächst an ei­ner At­trap­pe üben, be­vor es mit Lei­nen, Ge­schoss und Pfer­den ans wah­re Kut­scher­fah­ren ge­hen wür­de.

„Ein Kut­scher­füh­rer­schein ist nicht nur im Fal­le ei­nes Un­falls ge­gen­über Ver­si­che­run­gen wich­tig, son­dern macht die Fah­rer ge­gen­über Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen we­ni­ger an­greif­bar“, so Do­bler, der je­dem Fah­rer ei­nen Füh­rer­schein emp­fiehlt.

Ans Auf­hö­ren denkt der 79-Jäh­ri­ge noch lan­ge nicht: „So­lan­ge ich noch geis­tig und kör­per­lich fit bin, ma­che ich auf je­den Fall wei­ter“, ver­si­chert der Fahr­leh­rer, der bis­her über 1000 Kut­scher aus­ge­bil­det hat. Sei­ne Frau plau­dert: „Das Kutsch­fah­ren ist halt ein­fach sein Le­ben.“

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