Ge­mein­sam ver­lo­ren

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Sa­bi­ne Lenn­artz s.lenn­artz@schwa­ebi­sche.de

Sie hat­ten sich ei­ne so­ge­nann­te Win-win-Si­tua­ti­on vor­ge­stellt, An­ge­la Mer­kel und Olaf Scholz. Die ei­ne hat den G20-Gip­fel in ih­re Ge­burts­stadt Ham­burg ge­holt, der an­de­re freu­te sich dar­über, und bei­de ver­spra­chen sich ei­nen Image­ge­winn. Das ist gründ­lich schief­ge­gan­gen, jetzt geht es um Scha­dens­be­gren­zung.

Scholz hat lan­ge, zu lan­ge ge­zö­gert, sich über­haupt zu ent­schul­di­gen, dass Ham­burgs Bür­ger in Angst und Schre­cken ver­setzt wur­den. Sei­ne Ver­tei­di­gungs­li­nie ist die al­te ge­blie­ben. Man sei auf den Gip­fel um­fas­send und sorg­fäl­tig vor­be­rei­tet ge­we­sen, aber mit die­ser Form von Ge­walt hät­te ja nie­mand rech­nen kön­nen. Wirk­lich nicht?

Wich­ti­ger als die Schuld­fra­ge aber, war­um im Schan­zen­vier­tel nicht von vorn­her­ein für mehr Si­cher­heit ge­sorgt wur­de, ist der Blick nach vor­ne. Wenn wirk­lich aus der Ro­ten Flo­ra her­aus aus­län­di­sche Ge­walt­tä­ter ein­ge­la­den wur­den, dann muss es Kon­se­quen­zen ge­ben. Da hilft der Hin­weis auf ei­ne wei­te­re mög­li­che Ra­di­ka­li­sie­rung durch har­tes Vor­ge­hen nichts – denn ein Zu­rück­schre­cken wä­re das of­fe­ne Ein­ge­ständ­nis des Schei­terns des Rechts­staa­tes, wie man es auch in Ber­lin in ei­ni­gen Stadt­tei­len an­trifft.

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