Do­mi­no-Mann im fei­nen Zwirn

Ja­mes Ro­drí­guez ver­schärft den Kon­kur­renz­kampf und löst meh­re­re Wech­sel aus

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - SPORT - Von Patrick Stras­ser

MÜN­CHEN - Kaum in Mün­chen an­ge­kom­men, muss­te Ja­mes Ro­drí­guez bla­sen. Kein Ver­kehrs­de­likt, eher ein Hei­den­spaß. Der Neu-Bay­er durf­te am Mitt­woch­nach­mit­tag die Ge­burts­tags­tor­te aus­pus­ten, die ihm sein neu­er Ar­beit­ge­ber ge­schenkt hat. „Hap­py Bir­th­day lie­ber Ja­mes“, prang­te ne­ben dem Lo­go auf ei­nem grü­nen Mar­zi­pan-Spiel­feld, da­zu 26 Ker­zen. Auf­ga­be ge­meis­tert, Dau­men hoch. Dann das 1A-Lä­cheln in ei­nem 1A-An­zug samt Ein­steck­tuch und Man­schet­ten­knöp­fen in die Ka­me­ras. Smar­ter Typ, gu­te Gar­de­ro­be, ge­lun­ge­ner ers­ter Auf­tritt. Ho­la, Ja­mes! Und: Herz­li­chen Glück­wunsch – dem FC Bay­ern.

Zu die­sem Trans­fer: Der De­al mit Re­al Ma­drid klingt ver­nünf­tig, Schnäpp­chen-li­ke. Die Leih­ge­bühr für zwei Spiel­zei­ten be­trägt zehn Mil­lio­nen Eu­ro, die nur bei Bay­ern lie­gen­de Kauf­op­ti­on für 2019 soll bei rund 35 Mil­lio­nen Eu­ro lie­gen. Ei­ne Win-win-Si­tua­ti­on. Am glück­lichs­ten zeig­te sich bei der Prä­sen­ta­ti­on in der Al­li­anz Are­na Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti, der sei­nen Wunsch­spie­ler be­kam. „Car­lo kam mit der Idee vor ei­ni­gen Mo­na­ten zu uns“, be­rich­te­te Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge. Die Bi­lanz von Ro­drí­guez bei Re­al un­ter An­ce­lot­ti in der Sai­son 2014/15 spricht ei­ne deut­li­che Spra­che: In 44 von 46 Par­ti­en stand der Ko­lum­bia­ner in der Start­elf, pro­du­zier­te 17 To­re und 17 Vor­la­gen, sei­ne Pass-Ef­fi­zi­enz be­trug 87 Pro­zent. „Wir hat­ten ei­ne er­folg­rei­che Zeit zu­sam­men“, sag­te An­ce­lot­ti, der so auf­ge­räumt und hap­py wirk­te wie nie zu­vor. „Sei­ne Qua­li­tät wird uns ver­bes­sern, er ist ein fan­tas­ti­scher of­fen­si­ver Mit­tel­feld­spie­ler.“Auf wel­cher Po­si­ti­on? „Auf je­der im Mit­tel­feld“, ant­wor­te­te der Coach.

In Ma­drid war Ro­drí­guez ein klas­si­scher Zeh­ner. Ar­tig sag­te der Ko­lum­bia­ner: „Al­le wis­sen, dass es bei Bay­ern tol­le Spie­ler gibt. Ich will mich enorm ins Zeug le­gen, man muss sich ei­nen Stamm­platz er­kämp­fen.“Oder ver­tei­di­gen. Sie­he Tho­mas Mül­ler. Die Tor­schüt­zen­kö­ni­ge der WM 2010 und 2014 spie­len nun ge­mein­sam in ei­nem Club. Aber wer­den Ur­bay­er Mül­ler, des­sen Stern in Süd­afri­ka mit fünf Tref­fern im DFB-Tri­kot auf­ging, und Ro­drí­guez (sechs To­re 2014 in Bra­si­li­en) kom­men­de Sai­son auch häu­fig ge­mein­sam auf dem Platz ste­hen?

„Es ist si­cher­lich kein Vor­teil für Mül­ler, da Ja­mes auf ei­ner ähn­li­chen Po­si­ti­on spielt – um Robert Le­wan­dow­ski her­um“, ana­ly­siert Sky-Ex­per­te Lothar Mat­thä­us. Der Re­kord­na­tio­nal­spie­ler: „Mül­ler kann aber auch auf der Au­ßen­bahn ein­ge­setzt wer­den. Den­noch wird Mül­ler nicht er­freut sein über die­sen Wech­sel. Er muss sich dem Kon­kur­renz­kampf stel­len.“Da­zu mein­te An­ce­lot­ti au­gen­brau­enzu­ckend: „Na­tür­lich gibt es da­durch Wett­kampf, aber das ist ganz nor­mal in ei­nem gro­ßen Team. Der Wett­kampf ist der Treib­stoff der Mann­schaft.“Schön ge­sagt. Und Mül­ler mu­tiert zu Bay­erns Die­sel­mo­tor. Spielt Mül­ler bald nim­mer?

We­nig spä­ter jon­glier­te Ja­mes (so die Be­flo­ckung auf dem Tri­kot) ein paar Bäl­le im Sta­di­on – die üb­li­che Show. „Ich hof­fe, dass sich hier meine Träu­me er­fül­len kön­nen“, sag­te Ro­drí­guez, „es ist ein neu­er Weg: Ei­ne neue Her­aus­for­de­rung in ei­ner his­to­ri­schen Mann­schaft, ei­nem tra­di­tio­nell er­folg­rei­chen Club. Ich will hier Ge­schich­te schreiben. Ich bin auch ein Win­ner­typ.“Die Fa­mi­lie Rum­me­nig­ge hat er schon über­zeugt. „Meine Frau und meine Töchter ha­ben ge­sagt: ,Er sieht gut aus!‘“, be­rich­te­te der Bay­ern-Boss.

Ro­drí­guez be­kam die Num­mer 11 von Dou­glas Cos­ta, der sich nach zwei wech­sel­haf­ten Jah­ren zu Ju­ven­tus ver­ab­schie­det hat. Nur der ers­te von meh­re­ren Do­mi­no-Ef­fek­ten. Ei­ner kommt, meh­re­re ge­hen. Ser­ge Gn­ab­ry wird wohl zur TSG Hof­fen­heim aus­ge­lie­hen, Re­na­to San­ches soll min­des­tens ein Jahr Spiel­pra­xis sam­meln. Und Ro­drí­guez? Der könn­te be­reits am Sams­tag beim Te­le­komCup in Mön­chen­glad­bach sein De­büt ge­ben.

Der FC Bay­ern wird oh­ne Ar­jen Rob­ben nach Asi­en auf­bre­chen. Rob­ben ha­be sich beim Ten­nis­spie­len im Ur­laub ei­ne Wa­den­ver­let­zung zu­ge­zo­gen, so Karl-Heinz Rum­me­nig­ge. Rob­ben war am Mon­tag an die Sä­be­ner Stra­ße zu­rück­ge­kehrt, konn­te we­gen der Ver­let­zung aber bis­lang nicht mit dem Team trai­nie­ren. Die Münch­ner star­ten am Sonn­tag zu ih­rem zwölf­tä­gi­gen Asi­en-Trip.

FO­TOS: AFP, DPA

Gut ge­wan­det: Ja­mes Ro­d­ri­guez im neu­en Tri­kot mit Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti und im ganz fei­nen Zwirn bei der Vor­stel­lung.

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