Ma­cron selbst ist in der Pflicht

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - ERSTE SEITE - Von Andre­as● Her­holz po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

Ein Kampf­jet und Droh­nen als Zei­chen der Freund­schaft, als Si­gnal für ei­ne en­ge­re Zu­sam­men­ar­beit – beim The­ma Rüs­tung und Ver­tei­di­gung rü­cken Berlin und Pa­ris schon ein­mal nä­her zu­sam­men. Die Ent­wick­lung ei­nes eu­ro­päi­schen Kampf­jets ist ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung.

Will und kann sich Eu­ro­pa in Zu­kunft auch an­ge­sichts der Un­be­re­chen­bar­keit in Washington nicht mehr auf an­de­re ver­las­sen, führt an ei­ner Ver­tei­di­gungs­uni­on und ei­ner eu­ro­päi­schen Ar­mee kein Weg vor­bei. Da ist es nur fol­ge­rich­tig, wenn auch die Aus­rüs­tung selbst ent­wi­ckelt und pro­du­ziert wird. Die Pro­ble­me bei eu­ro­päi­schen Pro­jek­ten in der Ver­gan­gen­heit, wie et­wa beim Euro­figh­ter oder dem Trans­port­flug­zeug A400M, soll­ten al­ler­dings ei­ne War­nung sein, und Ansporn, dar­aus zu ler­nen.

Kaum im Amt, er­höht Frank­reichs Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron den Druck auf Berlin, for­dert selbst­be­wusst pünkt­lich vor dem Na­tio­nal­fei­er­tag grö­ße­re An­stren­gun­gen des fi­nanz­star­ken Nach­barn. Deutsch­land, be­weg’ dich!, so sei­ne Bot­schaft an die Gäs­te aus Berlin beim Mi­nis­ter­rat. Vor al­lem die Deut­schen müss­ten mehr tun, tie­fer in die Ta­sche grei­fen und kräf­tig zum Woh­le der eu­ro­päi­schen Sor­gen­kin­der in­ves­tie­ren. Schließ­lich herr­sche in Eu­ro­pa ein wirt­schaft­li­ches Un­gleich­ge­wicht.

Die­se fehlende Ba­lan­ce ver­än­dert man al­ler­dings nicht da­durch, dass man die eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­lo­ko­mo­ti­ve Deutsch­land bremst und schwächt. Viel­mehr müs­sen Kri­sen­län­der end­lich Re­for­men ernst­haft um­set­zen. Mit der Agen­da 2010 und der Kon­so­li­die­rung der Haus­hal­te hat Deutsch­land be­reits Re­for­men und Vor­aus­set­zun­gen für Wachs­tum und Sta­bi­li­tät ge­schaf­fen, die bei man­chem Part­ner noch auf sich war­ten las­sen.

Gut, wenn die deutsch-fran­zö­si­sche Ach­se wie­der rund­läuft und bei­de Sei­ten stär­ker die Ge­schi­cke Eu­ro­pas in die Hand neh­men. Doch än­dert das nichts dar­an, dass Em­ma­nu­el Ma­cron sei­ne Haus­auf­ga­ben ma­chen und Frank­reich wie­der aus der Kri­se füh­ren muss.

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