Ju­ris­ti­scher Streit lähmt NSU-Pro­zess

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - ERSTE SEITE -

MÜN­CHEN (jau) - Ju­ris­ti­sche Spitz­fin­dig­kei­ten ha­ben den Be­ginn des für Mitt­woch ge­plan­ten Plä­doy­ers der Bun­des­an­walt­schaft im NSUPro­zess ver­zö­gert. Nach ei­nem stun­den­lan­gen Streit um ei­nen von der Ver­tei­di­gung der An­ge­klag­ten Bea­te Zschä­pe ge­for­der­ten Ton­band­mit­schnitt des Plä­doy­ers be­en­de­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Man­fred Götzl den Ver­hand­lungs­tag – wie be­reits so oft – vor­zei­tig. Kom­men­den Di­ens­tag soll der Pro­zess in Mün­chen fort­ge­setzt wer­den.

Oft war es ei­ne zä­he Su­che nach der Wahr­heit im Münch­ner NSUPro­zess. Ei­ni­ge Ver­hand­lungs­ta­ge blei­ben in Er­in­ne­rung: 6. Mai 2013: Nach hef­ti­gem Streit um die Ver­ga­be der Pres­se­plät­ze be­ginnt der Pro­zess ge­gen die mut­maß­li­che NSU-Ter­ro­ris­tin Bea­te Zschä­pe und vier Mit­an­ge­klag­te: Ralf Wohl­le­ben, Cars­ten S., Hol­ger G. und An­dré E. Am 14. Mai wird die An­kla­ge ver­le­sen. 4. Ju­ni 2013: Cars­ten S. be­ginnt sei­ne Aus­sa­ge. Er räumt ein, ei­ne Waf­fe für den NSU be­sorgt zu ha­ben. 6. Ju­ni 2013: Hol­ger G. räumt ein, dem NSU ge­hol­fen zu ha­ben. 16. Ju­li 2014: Bea­te Zschä­pe gibt an, sie ha­be kein Ver­trau­en mehr in ih­re drei Pflicht­ver­tei­di­ger. We­ni­ge Ta­ge spä­ter schmet­tert das Ge­richt ih­ren An­trag auf neue An­wäl­te ab. 6. Ju­li 2015: Das Ge­richt ord­net Zschä­pe Ma­thi­as Gra­sel als vier­ten Pflicht­ver­tei­di­ger bei. Zschäpes Alt-Ver­tei­di­ger schei­tern wie­derAn­schlä­gen

holt mit Ver­su­chen, von den Man­da­ten ent­bun­den zu wer­den. Ein­mal zeigt Zschä­pe die drei an – er­folg­los. 9. De­zem­ber 2015: Am 249. Ver­hand­lungs­tag ver­liest Zschäpes neu­er An­walt Gra­sel erst­mals ei­ne Aus­sa­ge. Dar­in räumt sie ein, von den Bank­über­fäl­len ih­rer Freun­de Uwe Mund­los und Uwe Böhn­hardt ge­wusst zu ha­ben. Sie ge­steht, die letz­te Flucht­woh­nung des Tri­os in Zwi­ckau in Brand ge­steckt zu ha­ben. Aber von den Mor­den und will sie im­mer erst im Nach­hin­ein er­fah­ren ha­ben. 16. De­zem­ber 2015: Auch Wohl­le­ben bricht sein Schwei­gen. Er be­strei­tet, ei­ne der Mord­waf­fen be­schafft zu ha­ben. 29. Sep­tem­ber 2016: Nach drei­ein­halb Jah­ren er­greift Zschä­pe zum ers­ten Mal per­sön­lich das Wort. Sie be­daue­re ihr „Fehl­ver­hal­ten“, sagt sie und ver­ur­tei­le, was Mund­los und Böhn­hardt ih­ren Op­fern „an­ge­tan ha­ben“. 17. Ja­nu­ar 2017: Der psych­ia­tri­sche Sach­ver­stän­di­ge Hen­ning Saß be­schei­nigt Zschä­pe vol­le Schuld­fä­hig­keit – und ver­deut­licht, sie sei mög­li­cher­wei­se noch ge­fähr­lich. 3. Mai 2017: Der von Zschäpes Ver­trau­ens-An­wäl­ten be­nann­te Gut­ach­ter Joa­chim Bau­er at­tes­tiert Zschä­pe ver­min­der­te Schuld­fä­hig­keit. Doch das Ge­richt lehnt Bau­er spä­ter we­gen be­fürch­te­ter Par­tei­lich­keit ab. 18. Ju­li 2017: Der Vor­sit­zen­de Rich­ter schließt die Be­weis­auf­nah­me. (dpa)

FO­TO: DPA

Die An­wäl­te der An­ge­klag­ten Zschä­pe, Her­mann Bor­chert (li.) und Ma­thi­as Gra­sel.

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