Maß­los

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - MEINUNG & DIALOG - Von Susanne Güs­ten po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

Die tür­ki­sche Re­gie­rung wei­tet ih­re He­xen­jagd auf tat­säch­li­che oder an­geb­li­che Geg­ner auf das Aus­land aus. Die Ver­haf­tung des deut­schen Men­schen­recht­lers Pe­ter Steudt­ner so­wie die Lis­te mit deut­schen Un­ter­neh­men, die an­geb­lich den Ter­ror un­ter­stüt­zen, ver­deut­li­chen die Maß­lo­sig­keit, die in An­ka­ra herrscht. In der Welt von Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan und sei­ner Re­gie­rung ist die Tür­kei stän­dig ei­ner töd­li­chen Be­dro­hung durch Staats­fein­de im In- und Aus­land aus­ge­setzt.

An sich sind Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, in de­nen an­geb­lich bö­se Aus­län­der die Haupt­rol­len spie­len, nichts Neu­es in der Tür­kei. Neu ist je­doch, dass sie seit dem Putsch­ver­such des ver­gan­ge­nen Jah­res im­mer mehr Teil der Re­gie­rungs­po­li­tik wer­den. Er­do­gan war bis­her da­für be­kannt, dass er in­nen­po­li­tisch zwar kräf­tig auf die Pau­ke haut, in der Au­ßen­po­li­tik aber Rea­li­täts­sinn be­weist. Mit den Haft­be­feh­len rückt die Re­al­po­li­tik in den Hin­ter­grund.

Auf die­se Zei­chen der Ve­rän­de­rung in der tür­ki­schen Po­li­tik müs­sen Deutsch­land und an­de­re west­li­che Län­der re­agie­ren. Es geht nicht um Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten, son­dern um Will­kür und die Auf­he­bung recht­staat­li­cher Re­geln in An­ka­ra. Der Fall Steudt­ner zeigt, dass ein Land wie Deutsch­land da­von di­rekt be­trof­fen ist. Da­mit wer­den die oh­ne­hin be­reits kri­sen­ge­schüt­tel­ten deutsch-tür­ki­schen Be­zie­hun­gen noch schwie­ri­ger. Deutsch­land und an­de­re west­li­che Staa­ten soll­ten ver­su­chen, der tür­ki­schen Re­gie­rung klar­zu­ma­chen, dass ihr jet­zi­ger Weg in die in­ter­na­tio­na­le Iso­la­ti­on führt.

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