Ravensburg will Pro­sti­tu­ti­on aus Alt­stadt ver­ban­nen

Sperr­be­zirks­ver­ord­nung lag lan­ge auf Eis, wird jetzt aber wie­der vor­an­ge­trie­ben

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - OBERSCHWABEN - Von An­net­te Vin­cenz

RAVENSBURG - Wo wird in Ravensburg künf­tig Pro­sti­tu­ti­on er­laubt und wo ver­bo­ten? Die Stadt­ver­wal­tung kommt mit ih­rer Sperr­be­zirks­ver­ord­nung of­fen­bar nur schlep­pend vor­an. „An­de­re The­men wa­ren in letz­ter Zeit ein­fach wich­ti­ger, wie die Aus­wei­sung neu­er Wohn­ge­bie­te und das nicht-ho­ri­zon­ta­le Ge­wer­be“, sag­te Ers­ter Bür­ger­meis­ter Si­mon Blümck. Ob­wohl das The­ma in der Prio­ri­tä­ten­lis­te nicht weit oben steht, will er sich dem­nächst wie­der da­mit be­schäf­ti­gen.

Wo liegt­das Pro­blem? Kommt ein Rot­licht­be­trei­ber auf die Idee, ein grö­ße­res Bor­dell in Ravensburg ein­zu­rich­ten, kann die Stadt oh­ne Sperr­be­zirks­ver­ord­nung nicht all­zu viel da­ge­gen tun, wenn das Eta­blis­se­ment nicht in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zu ei­ner Schu­le oder ei­nem Kin­der­gar­ten liegt. Mit Ve­rän­de­rungs­sper­ren und ei­nem Be­bau­ungs­plan ließ sich zwar ein ge­plan­tes Lauf­haus für knapp 20 Pro­sti­tu­ier­te in der Jahn­stra­ße ver­zö­gern und dann ver­hin­dern, aber eher des­we­gen, weil die Ei­gen­tü­mer von ih­ren Plä­nen frei­wil­lig Ab­stand ge­nom­men und ei­ne Kla­ge zu­rück­ge­zo­gen hat­ten.

Grund­sätz­lich ist in Ba­den-Würt­tem­berg in Städ­ten ab 35 000 Ein­woh­nern Pro­sti­tu­ti­on er­laubt. In ei­ner Sperr­be­zirks­ver­ord­nung, die vom Re­gie­rungs­prä­si­di­um Tübingen (RP) nach den Wün­schen der Stadt er­las­sen wird, kann ge­nau fest­ge­legt wer­den, wel­che Stadt­vier­tel „da­für ge­ra­de so in­fra­ge kom­men und wel­che auf kei­nen Fall“, sagt Blüm­cke. Die Alt­stadt wird mit an Si­cher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit zum Sperr­be­zirk, wäh­rend „Ge­wer­be­ge­bie­te an der Pe­ri­phe­rie“eher ge­eig­net sei­en. So gibt es im Ge­wer­be­ge­biet Kar­rer jetzt schon ein klei­nes Bor­dell, das all­ge­mein als un­pro­ble­ma­tisch gilt, weil in der Nach­bar­schaft nie­mand wohnt.

Was aber nicht geht, ist, dass die Stadt Bor­del­le nur dort zu­lässt, wo es gar kei­ne frei­en Grund­stü­cke oder Ge­bäu­de gibt. Das hat­te die Stadt Fried­richs­ha­fen ver­sucht und ist da­mit hef­tig auf die Na­se ge­fal­len. Vier Call­girls klag­ten bis zur letz­ten In­stanz und be­ka­men vor dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Mann­heim Recht, weil die Ver­ord­nung zu re­strik­tiv war. Um ähn­li­che Feh­ler zu ver­mei­den, hat sich die Stadt laut Blüm­cke noch mal mit dem RP zu­sam­men­ge­setzt und ei­ni­ges ab­ge­än­dert vom ur­sprüng­li­chen Ent­wurf.

Stär­ke­re Hand­ha­be

Ab­war­ten woll­te die Stadt­ver­wal­tung au­ßer­dem das In­kraft­tre­ten des „Lan­des­aus­füh­rungs­ge­setz zum Pro­sti­tu­ier­ten­schutz­ge­setz“. Dies ge­be den Kom­mu­nen ei­ne stär­ke­re Hand­ha­be, das Rot­licht­ge­wer­be zu steu­ern. Pro­sti­tu­ier­te müs­sen sich dem­zu­fol­ge beim Land­rats­amt an­mel­den, ihr Ge­wer­be er­laubt wer­den, was vor­her nicht der Fall war.

Das könn­te Blüm­cke zu­fol­ge auch ei­ne Be­deu­tung ha­ben für die so­ge­nann­ten Ter­min­woh­nun­gen in der Ros­ma­rin- und der Klos­ter­stra­ße, die nach al­ter Ge­set­zes­la­ge Be­stand­schutz ge­nos­sen hät­ten. Das Wort Woh­nung sug­ge­riert ja, dass dort Haus­frau­en oder Stu­den­tin­nen ein biss­chen Geld ne­ben­bei ver­die­nen, aber dort an­sons­ten dau­er­haft woh­nen. Tat­säch­lich ist es aber nach SZRe­cher­chen so, dass dort im ste­ti­gen Wech­sel jun­ge Frau­en durch­ge­schleust wer­den, die von Stadt zu Stadt wei­ter­ge­reicht wer­den. Auf der In­ter­net­sei­te der „Ve­nus-Girls“wer­den in der Ros­mar­in­stra­ße „meh­re­re ver­füh­re­ri­sche und hei­ße Lie­bes­da­men im wö­chent­li­chen Wech­sel“an­ge­prie­sen. „Das hat we­nig mit Woh­nen zu tun“, meint auch Blüm­cke. Die Stadt prüft, ob sie die­se als Woh­nun­gen ge­tarn­ten Ge­wer­be­be­trie­be schlie­ßen las­sen kann. Auch, weil sich öf­ters Nach­barn be­schwe­ren.

ARCHIVFOTO: OLI­VER BERG/DPA

Frau­en sit­zen in ei­nem Köl­ner Bor­dell an ei­ner Bar. Aber auch die Stadt Ravensburg ist groß ge­nug, um Pro­sti­tu­ti­on zu­las­sen zu müs­sen. Wo, re­gelt die Sperr­be­zirks­ver­ord­nung, an der seit Jah­ren ge­ar­bei­tet wird.

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