War­um nicht neu den­ken?

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN - J.steppat@schwa­ebi­sche.de

m Grund­sätz­li­ches zum Woh­nungs­bau ist es bei der jüngs­ten Rats­sit­zung ge­gan­gen. Aus­gangs­punkt war das ge­plan­te Bau­ge­biet zwi­schen Haid und Witt­wais, an dem sich die Geis­ter schei­den. Aber nicht nur dort geht es um die Fra­ge, wie die Art künf­ti­ger Be­bau­ung aus­se­hen soll.

Bei der an­ste­hen­den De­bat­te ei­nen Blick auf die ge­sam­te Stadt zu ha­ben, wie von OB Micha­el Lang ins Feld ge­führt, ist ver­nünf­tig. Denn es geht nicht nur um ein Mais­feld zwi­schen zwei be­ste­hen­den Wohn­ge­bie­ten. Es geht um die grund­sätz­li­che Aus­rich­tung.

Die Ent­schei­dungs­trä­ger ha­ben im Prin­zip zwei Al­ter­na­ti­ven: Wol­len sie ein „Wei­ter so“oder sind sie für an­de­re Ide­en of­fen? Ein „Wei­ter so“hie­ße: Bau­grund für Ein­fa­mi­li­en-, Dop­pel- und Rei­hen­häu­ser in Ei­gen­tum wird räum­lich wei­ter­hin wei­test­ge­hend ge­trennt von Ge­bie­ten, die für Miet­woh­nun­gen oder so­zia­len Woh­nungs­bau zur Ver­fü­gung ste­hen. Bei­spie­le da­für sind die Ber­ger Hö­he/Haid ei­ner­seits und der Be­reich Süd­ring/Au­wie­sen­weg an­de­rer­seits.

Ein neu­er An­satz könn­te hei­ßen: Ei­gen­hei­me paa­ren sich mit Miets­häu­sern so­wie mit Wohn­raum für Men­schen, die fi­nan­zi­ell schlech­ter ge­stellt sind. Wohl­ge­merkt: Bei Letz­te­ren re­det nie­mand von Wohn­tür­men, die ir­gend­wem im Vor­gar­ten kom­plett die Sicht ver­sper­ren, son­dern von gut ge­mach­ten, op­tisch an­spre­chen­den Mehr­ge­schos­sern, die sich in die Um­ge­bung ein­pas­sen und ei­nen so­zi­al ver­träg­li­chen Sied­lungs­cha­rak­ter ha­ben.

Für der­lei Ge­dan­ken gibt es gu­te Grün­de. Ers­tens: Es be­steht gro­ßer Be­darf auf al­len Ebe­nen des Woh­nungs­markts – bei Bau­wil­li­gen eben­so wie bei Men­schen, die hän­de­rin­gend auf der Su­che nach ei­ner ei­ni­ger­ma­ßen be­zahl­ba­ren Blei­be zur Mie­te sind. Wer­den die un­ter­schied­li­chen Be­dürf­nis­se in je­dem künf­ti­gen Neu­bau­ge­biet be­rück­sich­tigt, wä­re für je­den et­was da­bei – und zwar zum sel­ben Zeit­punkt.

Vor al­lem aber wer­den so­zia­le Schief­la­gen ver­mie­den. Arm und reich bau­lich von­ein­an­der zu tren­nen, ist land­auf, land­ab bis­lang ge­leb­te Pra­xis, ha­ben aber der Bil­dung so­zia­ler Ghet­tos Vor­schub ge­leis­tet. Die da­durch mög­li­che Ent­ste­hung von Brenn­punk­ten hat noch kei­ner Stadt gut ge­tan.

Jan Pe­ter Steppat

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