Der „Och­sen“in Pfär­rich ist seit 200 Jah­ren in Pri­vat­be­sitz

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - GEMEINDEN - Wal­ter Schmid

Walt­her Schmidt, Alt­bür­ger­meis­ter von Amt­zell, hat sich aus­führ­lich mit der Ge­schich­te des Gast­hof Och­sen in Pfär­rich be­schäf­tigt. Hier ist in Aus­zü­gen die Chronik, die er der „Schwä­bi­schen Zei­tung“zur Ver­fü­gung ge­stellt hat: „Schon im 14. Jahr­hun­dert wird in Ur­kun­den ein Hof­gut in „Pfer­rich uf dem Berg“ge­nannt. Es ging seit­her durch Ver­kauf oder Er­be in die Hän­de von ge­ho­be­nen Per­so­nen, aber auch ein­fa­chen Leu­ten. Es wur­de als Le­hen ver­ge­ben oder selbst be­wirt­schaf­tet. Das Wohn­haus dien­te Jahr­hun­der­te als Her­ber­ge oder Ver­kös­ti­gung für Pil­ger. 1688 aber er­warb die Wall­fahrts­kir­che Pfär­rich, da­mals „Pfleg­schaft Pfer­rich“ge­nannt, Gut und Gast­stät­te und bau­te das heu­te be­ste­hen­de Ge­bäu­de in den Jah­ren 1736/37 neu. Auch der präch­ti­ge Wirt­haus­aus­le­ger, die Grün­dungs­le­gen­de der be­nach­bar­ten Ma­ri­en­wall­fahrts­kir­che dar­stel­lend, stammt aus die­ser Zeit. Fort­an ver­lieh die „Pfleg­schaft Pfer­rich“die Gast­stät­te als Le­hen vor al­lem an Mit­glie­der der Fa­mi­li­en Rösch, die meis­tens auch Pf­le­das ger der Pfleg­schaft wa­ren. Es gab da­mals ja noch kei­ne Kir­chen­ge­mein­de Pfär­rich, die­se be­steht erst seit 1808. Bis da­hin war die Wall­fahrts­kir­che ei­ne selb­stän­di­ge Ein­rich­tung in­ner­halb der Ka­tho­li­schen Pfar­rei Amt­zell, mit ei­ge­nen „Beich­ti­gern und Pfle­gern“und ei­ge­nem Grund­be­sitz aus­ge­stat­tet, zu dem der „Och­sen“ge­hör­te. Zu­dem war Pfär­rich noch ei­ne ei­ge­ne Ge­mein­de, zu der da­mals Amt­zel­ler Ge­biet ge­hör­te. Und weil die meis­ten Schult­hei­ßen, wie sich einst die Bür­ger­meis­ter nann­ten, Bau­ern oder Hand­wer­ker aus dem Pfär­ri­cher Ge­biet wa­ren, setz­ten die­se nach der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on durch, dass 1808 die Wall­fahrts­kir­che Pfärrch auch gleich­zei­tig Pfarr­kir­che wur­de. Not­wen­dig da­zu war die Neu­bil­dung ei­ner Pfar­rei Pfär­rich, zu de­ren Bil­dung die Pfar­rei Amt­zell zäh­ne­knir­schend ihr öst­li­ches Ge­biet ab­tre­ten muss­te. Letz­ter Le­hens­neh­mer des „Och­sen“war Ma­thi­as Rösch, des­sen Toch­ter 1802 ei­nen Xa­ver Kö­nig aus Pfär­ri­cher­hö­fe hei­ra­te­te. Schwie­ger­va­ter Rösch konn­te an­no 1817 die Gast­stät­te im Rah­men der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on „al­lo­di­fi­zie­ren“(Um­wand­lung von Le­hen in Ei­gen­tum), al­so zu ei­nem güns­ti­gen Preis mit kö­nig­li­cher Ge­neh­mi­gung von der neu ge­grün­de­ten Pfar­rei Pfär­rich er­wer­ben. Am 17.Mai 1817, al­so vor 200 Jah­ren ge­neh­mig­te der Ma­gis­trat der Schult­hei­ße­rei Pfär­rich die­sen Ver­trag, der da­mit rechts­kräf­tig wur­de. Seit­her ist der „Och­sen“in pri­va­tem Be­sitz. Nach­dem die Toch­ter des Ehe­paa­res Kö­nig/Rösch, An­na Ma­ria, 1823 ei­nen Bap­tist Run­del aus dem Ge­biet der Ge­mein­de Grün­kraut hei­ra­te­te, kann die heu­ti­ge Be­sit­ze­rin Clau­dia May­er, de­ren Mut­ter ein ge­bo­re­ne Run­del war, auf über 200 Jah­re Fa­mi­li­en­be­sitz am „Och­sen“zu­rück­bli­cken. Üb­ri­gens wur­de dann im Jah­re 1858 aus der Schult­hei­ße­rei Pfär­rich die heu­ti­ge Ge­mein­de Amt­zell.“

FO­TO: ME­LA­NIE KRAEUTER

Der Gast­hof „Och­sen“in Pfär­rich sieht im­mer noch fast so aus wie frü­her.

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