Das All­gäu­er Wa­cken ist ge­bo­ren

„Rock the King“lockt tau­sen­de Me­tal­fans aus ganz Deutsch­land nach Bu­chen­berg

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - BLICK INS ALLGÄU - Von Mar­kus Bär

BU­CHEN­BERG - Ein rich­ti­ges Hea­vyMe­tal-Fes­ti­val mit­ten im All­gäu? Wür­de das funk­tio­nie­ren? Rich­tig nam­haf­te Bands in die Re­gi­on zu lo­cken? Bands, die sonst et­wa auf dem größ­ten Me­tal-Fes­ti­val Deutsch­lands, dem le­gen­dä­ren Wa­ckenOpen-Air in Schles­wig-Hol­stein, zu fin­den sind? Um es gleich vor­weg zu neh­men, mit „Rock the King“an die­sem Wo­che­n­en­de im Ober­all­gäu­er Bu­chen­berg ist die­ses Kunst­stück ge­lun­gen. 6500 Gäs­te ge­nos­sen ei­nen ex­zel­len­ten Kon­zer­t­rei­gen, der sich mög­li­cher­wei­se so­gar mit dem Ti­tel „höchst­ge­le­ge­nes Me­tal-Fes­ti­val Deutsch­lands“ver­mark­ten könn­te. Denn Bu­chen­berg liegt auf gut 900 Me­tern. Selbst das un­be­kann­te­re klei­ne Aaaargh-Fes­ti­val bei Leut­kirch, das im Ju­ni statt­fin­det, liegt nied­ri­ger.

Aber mit „Rock the King“kann es sich oh­ne­hin nicht mes­sen. In Bu­chen­berg wa­ren Bands wie „Sa­ba­ton“zu hö­ren. Die Schwe­den, die als He­ad­liner fir­mier­ten, ge­hö­ren in­zwi­schen zu den Spit­zen­ver­tre­tern der Schwer­me­tall­bran­che.

Das Pu­bli­kum in Bu­chen­berg war wie üb­lich bei Me­tal-Fes­ti­vals sehr bunt ge­mischt. Vie­le Fahr­zeu­ge mit hei­mi­schen Kenn­zei­chen wa­ren zu se­hen, aber auch Au­tos aus Han­no­ver, Ber­lin, Chem­nitz und Inns­bruck. Die Me­tal­sze­ne geht be­kannt­lich an­ge­nehm gnä­dig mit dem Al­ter um. Und so sah man 15Jäh­ri­ge ne­ben 65-Jäh­ri­gen, oh­ne dass das ir­gend­wie stör­te.

Vie­le Fans tru­gen Schwarz mit mar­tia­li­schen Auf­dru­cken, was den ei­nen oder an­de­ren viel­leicht er­schreck­te. Aber das ist Me­tal-Folk­lo­re. Auch in Bu­chen­berg ging es ab­so­lut fried­lich und freund­lich zu. Sor­gen und Pro­tes­te vor dem Fes­ti­val er­wie­sen sich als un­be­grün­det. Die Ord­nungs­kräf­te re­gis­trier­ten kei­ne ein­zi­ge Schlä­ge­rei, die Sa­ni­tä­ter hat­ten in ers­ter Li­nie mit Son­nen­und Mü­cken­sti­chen zu tun.

Gab es am Frei­tag noch ei­nen Wett­be­werb un­be­kann­ter Bands, star­te­te am Sams­tag­mit­tag das Fes­ti­val mit ei­nem Auf­tritt der Mu­sik­ka­pel­le Bu­chen­berg. Wem das selt­sam vor­kommt – auch das ge­hört in­zwi­schen zur Fes­ti­val­sze­ne. In Wa­cken tritt bei­spiels­wei­se im­mer die Ka­pel­le der ört­li­chen Feu­er­wehr auf. Und die Blech­mu­si­ker wer­den vom Pu­bli­kum stets mit gu­ter Lau­ne und Re­spekt be­grüßt. Wa­cker schlug sich dann die Band „Meis­ter Eder“, die am Vor­tag als bes­te New­co­mer­trup­pe ab­ge­schnit­ten hat­te und des­halb am Sams­tag vor gro­ßem Pu­bli­kum auf­tre­ten durf­te.

Dis­cof­ox zu Me­tal-Klän­gen

Da­nach ging es Schlag auf Schlag: Ne­ben „Schand­maul“spiel­te „Me­ga­herz“aus Mün­chen, ein klas­si­scher Ver­tre­ter der „Neu­en Deut­schen Här­te“. Zu der ge­hö­ren auch „Oohmp!“aus Braun­schweig, die eben­falls am Nach­mit­tag auf der Büh­ne stan­den. Bei­de Bands leug­nen die Nä­he zu Rammstein nicht; sie müs­sen sich auch nicht ver­ste­cken, denn es gibt sie schon län­ger als die deut­schen Welt­stars aus Ber­lin. Oohmp! sorg­te mit „Au­gen auf“und „Mein Schatz“für ei­nen ers­ten Hö­he­punkt des Fes­ti­vals, bei letz­te­rem Stück wa­ren so­gar Paa­re im Pu­bli­kum zu se­hen, die Dis­cof­ox tanz­ten. Auch das ist Me­tal­sze­ne.

Fans kom­men we­gen „Sa­ba­ton“

Die Stim­mung stieg schnell. Alt­meis­ter Udo Dirk­schnei­der, frü­her Sän­ger von Ac­cept, hat­te die Me­tal­fans mit sei­ner cha­rak­te­ris­ti­schen Reib­ei­sen­stim­me von der ers­ten Mi­nu­te an im Griff. Po­wer­wolf mit ih­rem me­lo­di­schen, teils or­ches­tra­len Po­wer­me­tal über­zeug­ten eben­falls bei ih­rem Auf­tritt. Doch die TShirts der Fans wie­sen aus, dass die meis­ten wohl we­gen He­ad­liner „Sa­ba­ton“ge­kom­men wa­ren.

Sän­ger Jo­akim Bro­dén ist ein Büh­nen­ta­lent, der sein Pu­bli­kum zu­meist in we­ni­gen Mi­nu­ten auf sei­ne Sei­te zu brin­gen weiß. So auch in Bu­chen­berg, wo die Mit­tel­schwe­den Hits wie „Art of war“oder „Pan­zer­kampf“bo­ten, Stü­cke, die vie­le Fans Wort für Wort mit­sin­gen konn­ten. Wer denkt, dass es bei den Lie­dern um Kriegs­ver­herr­li­chung geht, liegt falsch. Bro­dén er­zählt im­mer wie­der Ge­schich­ten vom Leid des ein­fa­chen Sol­da­ten bei­spiels­wei­se im Zwei­ten Welt­krieg, der sinn­los ge­op­fert wird, wäh­rend Ge­ne­rä­le si­cher hin­ter der Front sit­zen.

Michae­la Bern­hard von der Agen­tur All­gäu Con­certs, die das Fes­ti­val di­rekt ne­ben ih­rem Haus ver­an­stal­te­te, zeig­te sich be­geis­tert: „Es hat al­les ge­klappt.“Bei 6500 Be­su­chern sei sie voll zu­frie­den. Falls sie wie­der gu­te Bands en­ga­gie­ren kön­ne, sei „Rock the King“viel­leicht auch im kom­men­den Jahr denk­bar, sag­te die 26-Jäh­ri­ge. Ver­bes­sert wer­den könn­te dann bei­spiels­wei­se die Ver­sor­gung mit Ge­trän­ken.

„Ein, zwei Bier­stän­de mehr hät­ten lan­ge War­te­schlan­gen ver­mie­den“, sag­te et­wa Lu­cia Glo­n­ing, die aus Augs­burg an­ge­reist war. Trotz­dem sei das Fes­ti­val klas­se ge­we­sen, mein­te die 20-Jäh­ri­ge. Sie war vor al­lem we­gen Oohmp! und Po­wer­wolf ge­kom­men. „Und nächs­tes Jahr wür­de ich be­stimmt wie­der­kom­men.“

FO­TOS: RALF LIE­NERT

Die­ser Sound war ganz heiß: Sa­ba­ton aus Schwe­den brach­te Feu­er und Pan­zer auf die Büh­ne.

Die Po­wer­wolf-Mu­si­ker emo­tio­na­li­sier­ten die Fans auch mit Be­ma­lun­gen und Tä­to­wie­run­gen.

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