Die Stör­che be­rei­ten sich auf ih­ren Ab­flug vor

Auf den Wie­sen bei Nie­der­wan­gen bie­ten bis zu zehn Tie­re auf ein­mal mo­men­tan ei­nen sel­te­nen An­blick in der Re­gi­on

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN - Von Jan Pe­ter Steppat

WAN­GEN - Solch ein An­blick ist wirk­lich sel­ten und kam frü­her hier­zu­lan­de über­haupt nicht vor: Seit Ta­gen be­völ­kern zahl­rei­che Stör­che die Wie­sen und Fel­der zwi­schen Nie­der­wan­gen und Feld. In Spit­zen­zei­ten sind bis zu zehn Tie­re von der Lan­des­stra­ße 320 aus gut sicht­bar. Für Ge­org Hei­ne von der Wan­ge­ner Orts­grup­pe des Na­tur­schutz­bun­des (Na­bu) ist die An­samm­lung ein kla­res Zei­chen: Meis­ter Ade­bar frisst sich der­zeit noch­mal rich­tig satt, um Kräf­te für den bald an­ste­hen­den Ab­flug nach West­afri­ka oder Spa­ni­en zu sam­meln.

In der Re­gel han­de­le es sich um Fa­mi­li­en­ver­bün­de, die sich ak­tu­ell sam­meln. Wo sie in der Re­gi­on bis da­to den Som­mer ver­bracht ha­ben, ist auch dem Vo­ge­l­ex­per­ten nicht ganz er­sicht­lich: „Sie kön­nen aus Is­ny oder aus Bay­ern kom­men.“Da­zu sei­en aber Be­ob­ach­tun­gen per Fern­rohr nö­tig, um die In­si­gni­en der Rin­ge er­ken­nen zu kön­nen. „Fern­glä­ser rei­chen da nicht.“

Klar ist für Hei­ne hin­ge­gen: „Die Tie­re le­gen sich jetzt ein Fett­pols­ter zu.“Denn die Flü­ge nach Afri­ka oder Sü­d­eu­ro­pa sei­en an­stren­gend. Um sich zu stär­ken, sind die Wie­sen bei Nie­der­wan­gen of­fen­bar gut ge­eig­net. Dort lock­ten Mäu­se die Stör­che an, aber auch In­sek­ten. Und: „Ab­ge­mäh­te Wie­sen sind des­halb in­ter­es­sant, weil ei­ne Maus da manch­mal den Kopf raus­streckt“, so Hei­ne.

Auch dass in Nie­der­wan­gen gleich bis zu zehn Tie­re zu sich­ten sind, hat laut Hei­ne Grün­de: Heu­te sei die Stor­chen­po­pu­la­ti­on in der Re­gi­on grö­ßer als noch vor zehn oder 20 Jah­ren, weil sich die Le­bens­be­din­gun­gen ver­bes­sert hät­ten – ins­be­son­de­re im Raum Is­ny bei den Bo­den­mö­sern. „Dort gibt es her­vor­ra­gen­de Nah­rung.“Dies zö­ge Krei­se in Stor­chen­krei­sen, mit der Fol­ge, dass hier ver­mehrt Tie­re „über­som­mern“.

Das ak­tu­ell bei Nie­der­wan­gen zu be­stau­nen­den Schau­spiel wird aber end­lich sein, pro­gnos­ti­ziert der Na­bu-Chef: „En­de Au­gust sind die meis­ten Stör­che weg.“Spä­ter se­he man dann nur noch Tie­re, die hier auch den Win­ter ver­brin­gen.

Die an­de­ren neh­men die Stra­pa­zen ei­ner tau­sen­de Ki­lo­me­ter lan­gen Rei­se auf sich. Die ist laut Hei­ne nicht nur an­stren­gend, son­dern zu­sätz­lich ge­fähr­lich. So kä­men Stör­che mit Hoch­span­nungs­lei­tun­gen ins Ge­he­ge. Da un­ter­wegs zu­dem die Nah­rungs­su­che schwie­rig sei, be­dien­ten sich vie­le Tie­re auf Müll­kip­pen. Fres­sen sie dort Fal­sches, kön­nen sie eben­falls ver­en­den. Un­klar ist mo­men­tan üb­ri­gens noch, ob sich in der An­samm­lung auch in Wan­gen le­ben­de Stör­che be­fin­den. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­te ein Paar ver­geb­lich ver­sucht, auf dem Er­ba-Ka­min zu brü­ten. Und die­ses Jahr hat­ten die Tie­re we­der das neue Nest des sa­nier­ten und ver­kürz­ten Ka­mins noch je­nes auf dem be­nach­bar­ten Mart­ha­heim an­ge­nom­men. Dass es an der Sa­nie­rung ge­le­gen ha­ben könn­te, will Ge­org Hei­ne aber nicht be­stä­ti­gen. Denn zu­letzt ha­be sich der männ­li­che Storch oft al­lein ge­zeigt. Der Na­bu-Ex­per­te ver­mu­tet des­halb „Part­ner­schafts­pro­ble­me“. Und die sol­len ja nicht nur bei Meis­ter Ade­bar vor­kom­men. Im Sin­ne der Wan­ge­ner Stor­chen­lieb­ha­ber kann man des­halb nur hof­fen, dass sich die Be­zie­hungs­schwie­rig­kei­ten bis zum kom­men­den Früh­jahr er­le­digt ha­ben...

FO­TOS: STEPPAT/PFRÜNDER

Nie­der­wan­gen-Feld in mon­täg­li­cher Abend­stim­mung. Ei­ner der zahl­rei­chen Stör­che hebt ab, als der Fo­to­graf ihn aus ge­bühr­li­chem Ab­stand vor die Lin­se be­kom­men will.

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