„Es wa­ren sehr in­ten­si­ve Jahre“

OB zieht Bi­lanz sei­ner zwei­ten Wahl­pe­ri­ode – Michael Lang äu­ßert sich zu The­men und Per­sön­li­chem

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN - Von Jan Pe­ter Steppat

WAN­GEN - Der 24. Sep­tem­ber ist in Wan­gen ein be­son­de­rer Wahl­tag: Dann sind die Wahl­be­rech­tig­ten auf­ge­ru­fen, nicht nur den Bun­des­tag neu zu wäh­len. Sie stim­men zu­dem über den künf­ti­gen Ober­bür­ger­meis­ter ab. Amts­in­ha­ber Michael Lang hat be­reits vor Mo­na­ten sei­ne er­neu­te Kan­di­da­tur an­ge­kün­digt. Zieht er wie­der ins Rat­haus ein, wä­re dies sei­ne drit­te Amts­zeit. Im Ge­spräch mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“zieht der 52-Jäh­ri­ge die per­sön­li­che Bi­lanz sei­ner zwei­ten Wahl­pe­ri­ode.

Wenn Lang auf die ver­gan­ge­nen acht Jahre zu­rück­blickt, sagt er: „Die­se Zeit ist un­glaub­lich schnell ver­gan­gen. Sie war ge­fühlt halb so lang wie die ers­te Amt­s­pe­ri­ode, und es wa­ren sehr in­ten­si­ve Jahre.“Aus Langs Sicht aber po­si­ti­ve – für die Stadt wie für ihn per­sön­lich. Die Stadt­ent­wick­lung ha­be „mas­siv an Fahrt auf­ge­nom­men“, er­klärt er po­li­tisch mit Blick auf die Ent­wick­lung des Quar­tiers Er­ba/Au­wie­sen im Vor­feld der Lan­des­gar­ten­schau 2024. Und wenn er auf die bis heu­te 16 Jahre an­dau­ern­de Amts­zeit und ei­ni­ge Jahre da­vor schaut, glaubt er: „Man hat zu kei­ner Zeit der Stadt­ge­schich­te mehr Geld in­ves­tiert als in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren.“Vor al­lem Kin­der­gär­ten und Schu­len sei­en „ge­wal­ti­ge Auf­ga­ben“.

Per­sön­lich be­kennt Lang, es in der zu­rück­lie­gen­den Amt­s­pe­ri­ode „nie schwer“ge­habt zu ha­ben. Die Wan­ge­ner sei­en „an­stän­di­ge Men­schen“: „Das macht es leicht, die An­stren­gun­gen des All­tags zu be­wäl­ti­gen.“Des­we­gen ge­lin­ge auch der Aus­gleich zwi­schen Be­ruf und Fa­mi­lie „ganz gut“.

Gleich­wohl wa­ren die ver­gan­ge­nen acht Jahre nicht frei von Pro­ble­men, wie Lang selbst ein­räumt. Die Ho­s­piz­kri­se und de­ren Be­wäl­ti­gung „war die schwie­rigs­te Auf­ga­be mei­nes be­ruf­li­chen Le­bens“, sagt er, der frü­her in der Ver­wal­tung sei­ner Ge­burts­stadt Mös­sin­gen, an der Uni Tü­bin­gen, beim Land­rats­amt Göp­pin­gen, im Lan­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um und als Re­fe­rent des eins­ti­gen Re­gie­rungs­prä­si­den­ten Hu­bert Wi­cker tä­tig war.

In Sa­chen Ho­s­piz be­kennt er, selbst Feh­ler ge­macht zu ha­ben: „Ich ha­be un­ter­schätzt, wie sich die Mehr­fach­be­le­gung aus­ge­wirkt hat. Da war ein zu gro­ßer Druck drauf, und hier se­he ich mich in der Mit­ver­ant­wor­tung.“Hin­ter­grund: Die Stadt ist über die Ho­s­pi­tal­stif­tung be­kannt­lich Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter der Ein­rich­tung.

Dass Kräf­te end­lich sind, hat der OB eben­falls ge­spürt: „Ich ha­be ge­merkt, dass je­der Mensch ver­letz­lich ist.“Bei­spiels­wei­se, als er im Früh­jahr 2016 un­ter den Fol­gen ei­nes Hun­de­bis­ses zu lei­den hat­te. Drei Mo­na­te ha­be er des­halb ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me ge­habt, be­kennt Lang. „Heu­te ist Gott sei Dank al­les wie­der ge­klärt.“Lang nahm wäh­rend der Ge­ne­sung ei­ne drei­wö­chi­ge Aus­zeit – und die ha­be ihn in an­de­rer Sicht be­stä­tigt: „Es war ei­ne schö­ne Er­fah­rung, dass der La­den läuft“, sagt er über die aus sei­ner Sicht wäh­rend der Ab­we­sen­heits des Chefs funk­tio­nie­ren­de Stadt­ver­wal­tung.

Doch das na­hen­de En­de der zwei­ten Wahl­pe­ri­ode ist für Michael Lang nicht nur Ge­le­gen­heit, per­sön­lich Bi­lanz zu zie­hen. Er tut dies auch po­li­tisch. Ein Über­blick:

Er­ba-Sa­nie­rung und Lan­des­gar­ten­schau:

Im Ju­ni 2010 gab es den Zu­schlag für das Jahr 2024. Für Lang war und ist die Lan­des­gar­ten­schau nie nur ei­ne „Blüm­les­schau“ge­we­sen, son­dern ein „gro­ßes Stadt­ent­wick­lungs­pro­jekt“. Ers­te Er­geb­nis­se sei­en mitt­ler­wei­le sicht­bar. Da­bei ver­weist er auf den Fisch­pass, die Sa­nie­rung des Lin­den­hofs, die Ka­min­sa­nie­rung und die drum­her­um lau­fen­de Ent­ste­hung der „Neu­en Mit­te“.

Zu­dem wur­den di­ver­se er­hal­tens­wür­di­ge Er­ba-Ge­bäu­de an In­ves­to­ren ver­ge­ben: „Wir rech­nen da­mit, dass die Neu­es Spin­ne­rei, das Kon­sum­ge­bäu­de, das Ma­ga­zin und das frü­he­re Al­ters­heim so­wie die Ar­bei­ter­häu­ser in den Jah­ren 2018 bis 2021 sa­niert und dann als ak­tiv ge­nutz­te Schmuck­stü­cke im Ge­län­de der Lan­des­gar­ten­schau ste­hen wer­den“, so Lang.

Bei der Ent­wick­lung des Quar­tiers fun­giert die Schau auch als He­bel, um Un­ter­stüt­zung durch För­der­mit­tel zu be­kom­men. Bis da­to sind es mehr als zehn Mil­lio­nen Eu­ro, die in der Auf­zäh­lung Langs auf­tau­chen: fünf Mil­lio­nen als ge­ne­rel­le Pro­jekt­mit­tel, zwei Mil­lio­nen aus der Stadt­sa­nie­rung/So­zia­le Stadt so­wie ins­ge­samt 3,5 Mil­lio­nen in zwei Tran­chen aus Bun­des­mit­teln für Na­tio­na­le Pro­jek­te des Städ­te­baus.

Schu­len und Bil­dung:

2012 re­agier­ten Stadt und Rat auf die sich durch die lan­des­wei­te Ein­füh­rung der Ge­mein­schafts­schu­le ver­än­dern­de Bil­dungs­land­schaft mit ei­nem neu­en Schul­kon­zept. Im Kern be­inhal­tet dies: Je­de wei­te­re wei­ter­füh­ren­de Schul­form soll­te er­hal­ten blei­ben. Dies ist bis heu­te ge­lun­gen, sagt Lang, ver­weist auf die sta­bi­len Be­le­gungs­zah­len der ein­zel­nen Schu­len und be­tont zwei Eck­pfei­ler der da­ma­li­gen Ent­schei­dung: das Fest­hal­ten an der Re­al­schu­le und die Zu­sam­men­le­gung zwei­er Werk­re­al­schu­len zur Ge­mein­schafts­schu­le.

Dar­über hin­aus wur­de in Nie­der­wan­gen nicht nur an der Werk­re­al-, son­dern auch an dem Mo­dell der Dorf­schu­le fest­ge­hal­ten. „Wir ha­ben das al­les mit ei­ge­nen Köp­fen ge­macht und ganz prag­ma­tisch und un­po­li­tisch ge­löst“, re­sü­miert Lang, der sein­er­zeit aus der Lan­des­po­li­tik Be­stre­bun­gen ge­spürt ha­be, auf Re­al­schu­len zu ver­zich­ten. Vor die­sem Hin­ter­grund ver­gleicht er: „Es gibt heu­te Or­te, die ha­ben nur noch ein Gym­na­si­um und ei­ne Werk­re­al­schu­le.“

Wirt­schaft und Ar­beits­plät­ze:

Die Zahl der in der Stadt an­ge­sie­del­ten Ar­beits­plät­ze stieg nach Langs An­ga­ben zwi­schen 2006 und 2016 um rund 1500 auf zu­letzt et­was we­ni­ger als 11 000. Bin­nen die­ser zehn Jahre klet­ter­ten die Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men von 9,1 auf 16,9 Mil­lio­nen. Wie be­mer­kens­wert aus sei­ner Sicht die letz­ten bei­den Kenn­zah­len sind, un­ter­streicht der OB mit ei­nem Ver­weis auf ei­ne Stu­die der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Bo­den­see-Ober­schwa­ben: Wan­gen ha­be in die­sem Zei­t­raum „die größ­te Ent­wick­lung der Ge­wer­be­steu­er im gan­zen IHK-Be­zirk er­lebt“.

Nach An­sicht von Lang hat die­se Ent­wick­lung auch mit der Stadt­ver­wal­tung zu tun: „Da ist ganz un­auf­fäl­lig viel ge­sche­hen“, sagt er und nennt zum Bei­spiel den Wald­ner-Park­platz am Hu­ber-Krei­sel. Erst da­durch sei­en die jüngs­ten Aus­bau­ten von Wan­gens größ­tem Ar­beit­ge­ber auf dem ei­ge­nen Ge­län­de mög­lich ge­wor­den. Wei­te­re Bei­spie­le sind aus sei­ner Sicht auch der Kauf und die Wei­ter­ver­äu­ße­rung des Ge­län­des der ehe­ma­li­gen All­gäu­land-Kä­se­rei­en in Ahegg, wo sich ein Ge­wer­be­ge­biet ent­wi­ckelt hat. We­gen der Park­si­tua­ti­on sei die Ver­wal­tung auch „stän­dig in­vol­viert“in das ra­san­te Wachs­tum von SET/SPS im Wal­ters­bühl.

Wirt­schaft­lich zum Kon­to zählt der OB zu­dem wei­te­re po­si­ti­ve Un­ter­neh­mens­ent­wick­lun­gen, Grün­dung und Er­folg der Ver­brau­cher­mes­se Wan­ge­ner Wel­ten, den Ge­winn des Stadt­mar­ke­ting­prei­ses 2011 und das Sie­gel als „Fair Tra­de Town“.

So­zia­les und Auf­nah­me von Flücht­lin­gen:

Die Neu­schaf­fung ei­nes eh­ren­amt­li­chen Be­hin­der­ten­be­auf­trag­ten und des Stadt­se­nio­ren­rats (2010) fal­len in die zwei­te Amts­zeit Michael Langs. Als Groß­pro­jekt wur­de der Bau des neu­en Pfle­ge­heims der städ­ti­schen Ho­s­pi­tal­stif­tung ge­stemmt – al­ler­dings zu deut­lich hö­he­ren Kos­ten als ge­plant. Ak­tu­ell in Grün­dung be­fin­det sich – in Zu­sam­men­ar­beit mit den gro­ßen Kir­chen – die neue Nach­bar­schafts­hil­fe. Sie soll ei­ne von Lang aus­ge­mach­te Ver­sor­gungs­lü­cke schlie­ßen.

Die Auf­nah­me und In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen zählt der OB zu den „ganz gro­ßen Auf­ga­ben un­se­rer Zeit“. Mit Blick auf das Jahr 2015 sagt Lang: „Wir ha­ben es in tur­bu­len­ten Zei­ten in Wan­gen ge­mein­sam ge­schafft, sehr schnell für vie­le Men­schen ei­ne Un­ter­kunft zu schaf­fen, oh­ne auf Turn­hal­len und Schul­ge­bäu­de zu­rück­zu­grei­fen.“Grund sei die Schaf­fung des Un­ter­kunfts­pro­vi­so­ri­ums in der Er­ba in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Land­kreis, wo Platz für bis zu 250 Män­ner ent­stand.

Des­wei­te­ren un­ter­streicht Lang: „Wir ha­ben von An­fang an dar­auf ge­setzt, mög­lichst gut in­te­grier­te Wohn­stand­or­te in Wan­gen zu schaf­fen.“Auf der Ha­ben-Sei­te sieht er hier den Bau der Ge­mein­schafts­un­ter­künf­te am Herz­mann­ser Weg. Stadt und Kreis hät­ten je­weils drei Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert.

Den­noch blei­be die In­te­gra­ti­on der (ak­tu­ell rund 500) Flücht­lin­ge ei­ne „Dau­er­auf­ga­be“. Hier­bei hät­ten sich die Wan­ge­ner bis­lang „vor­bild­lich“ein­ge­bracht. Auch das Netz­werk Asyl ha­be „un­glaub­lich viel ge­leis­tet“.

Ver­kehr und In­fra­struk­tur:

„Un­ter den Las­ten des Ver­kehrs lei­den vie­le“, kon­sta­tiert Michael Lang – al­lein schon we­gen der stark be­fah­re­nen Bun­des- und Lan­des­stra­ßen in der Stadt. Des­we­gen ge­hö­re das The­ma zu den Dau­er­auf­ga­ben. Ak­tu­ell ver­weist er auf die Er­ar­bei­tung ei­nes „auf­wän­di­gen Ver­kehrs­kon­zepts“, bei der auch die Be­lan­ge der An­rai­ner im Blick sein sol­len. Et­wa durch die Um­set­zung des Lärm­ak­ti­ons­plans mit nächt­li­chem Tem­po 30 auf Stra­ßen rings um die Alt­stadt. Dies ste­he „un­mit­tel­bar be­vor“.

„Ent­schei­dend vor­an“ist laut Lang end­lich die Bahn­un­ter­füh­rung der B 32 ge­kom­men. „Wir hof­fen auf ei­ne Um­set­zung noch recht­zei­tig vor der Lan­des­gar­ten­schau“, er­klärt der Rat­haus­chef.

Bei Ver­kehrs­ar­ten ab­seits des Au­tos sei­en ers­te Maß­nah­men des Rad­ver­kehrs­kon­zepts um­ge­setzt. Da­zu zählt Lang auch den Bau der Rad­we­ge zwi­schen Hil­tens­wei­ler und Pri­mis­wei­ler, zwi­schen Nie­der­wan­gen und Do­rei­te so­wie zwi­schen Leu­polz und Leu­polz­bau­hof.

Auch zu den 2012 in­stal­lier­ten und spä­ter er­wei­ter­ten Blit­zer­an­la­gen äu­ßer sich Lang in sei­ner Bi­lanz: Sie er­füll­ten ih­ren Zweck, weil sie zu lang­sa­me­rem Fah­ren ani­mier­ten. Dies se­he man an den zu­letzt rück­läu­fi­gen Ein­nah­men.

Grün­dung der Bür­ger­stif­tung:

2012 be­glei­te­te der frü­he­re Ul­mer OB Ivo Gön­ner die Grün­dungs­ver­an­stal­tung der Bür­ger­stif­tung, die „mir per­sön­lich ganz wich­tig ist“. Der Rat­haus­chef sieht sie als Ein­rich­tung „von Wan­ge­n­ern für Wan­ge­ner“und als „Er­folgs­ge­schich­te“. Letz­te­res, weil nicht nur die Sprach­för­de­rung in Kin­der­gär­ten un­ter­stützt wer­de, son­dern auch Men­schen in Not­la­gen in­di­vi­du­ell hel­fe. Ba­sis ist ein Stif­tungs­ver­mö­gen, das zu­nächst durch Ver­mächt­nis­se ge­speist wur­de und heu­te „auf be­ein­dru­cken­de 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro an­ge­wach­sen“sei.

LANGS MEI­NUNG ZU WEI­TE­REN THE­MEN FOL­GEN. AUSSERDEM BE­WER­TET DIE SCHWÄ­BI­SCHE ZEI­TUNG IN KÜR­ZE DIE ZWEI­TE AMTS­ZEIT DES OBERBÜRGERMEISTERS.

FO­TOS: AR­CHIV

OB Lang zur In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen: „Ei­ne der ganz gro­ßen Auf­ga­ben un­se­rer Zeit.“

OB Lang zur Bahn­un­ter­füh­rung an der B 32: „Wir hof­fen auf ei­ne Um­set­zung recht­zei­tig vor der Lan­des­gar­ten­schau.“

OB Lang zur Ho­s­piz­kri­se und de­ren Be­wäl­ti­gung: „Die schwie­rigs­te Auf­ga­be mei­nes be­ruf­li­chen Le­bens.“

OB Lang zum Schul­kon­zept: „Prag­ma­tisch und un­po­li­tisch ge­löst.“Hier die Werk­re­al- (links) und die Ge­mein­schafts­schu­le.

FO­TO: MORLOK

Zieht vor der Wahl Bi­lanz sei­ner zwei­ten Amts­zeit: Wan­gens OB Michael Lang.

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