Vom Sinn der Lü­ge

„Der ge­stie­fel­te Ka­ter“fei­ert ei­ne ge­lun­ge­ne Pre­mie­re bei den Wan­ge­ner Fest­spie­len

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN - Von Jan Schar­pen­berg

WAN­GEN - Vor aus­ver­kauf­tem Zunft­win­kel hat das Fa­mil­li­en­stück „Der ge­stie­fel­te Ka­ter“am Mitt­woch sei­ne Pre­mie­ren­vor­stel­lung ge­habt. Ober­bür­ger­meis­ter Michael Lang er­klär­te bei sei­nem Vor­wort zum Stück, dass für ihn die Auf­füh­rung für die Fa­mi­li­en das High­light der Fest­spie­le ist, denn: „Sie sind für die Kin­der und die Er­wach­se­nen glei­cher­ma­ßen schön.“Da­mit be­hielt er recht. Das mit viel Charme vor­ge­tra­ge­ne Stück sorg­te durch­ge­hend für La­cher im Pu­bli­kum. Bei alt wie jung.

Im Mit­tel­punkt der lehr­reich an­ge­leg­ten Ko­mö­die, die Re­gis­seur Pe­ter Raf­falt nach ei­ner Vor­la­ge der Ge­brü­der Grimm schrieb, steht Mül­lerSohn Hans und der ti­tel­ge­ben­de Ka­ter. Ge­spielt wird Letz­te­rer von Chris­ti­an Bar­tels mit gro­ßer Büh­nen­prä­senz und ei­nem fre­chen wie sym­pa­thi­schen Grin­sen. Bei­des har­mo­niert per­fekt mit dem Cha­rak­ter sei­ner Rol­le.

Un­glei­ches Duo in Haupt­rol­len

Das un­glei­che Duo fin­det zu­sam­men, nach­dem Müller Se­ni­or, sei­nen na­hen Tod ah­nend, das Er­be un­ter sei­nen drei Söh­nen auf­teilt. Wäh­rend der Äl­tes­te die Müh­le er­hält und der Mitt­le­re die Korn­fel­der, bleibt Hans als Jüngs­tem mit dem spre­chen­den Ka­ter zu­rück und wird vor die Tür ge­setzt. Was heut­zu­ta­ge so­fort zur Tes­ta­ment­s­an­fech­tung und Erb­schafts­kla­ge ge­führt hät­te, soll Hans je­doch nicht zum Nach­teil ge­rei­chen. Denn der Ka­ter ver­spricht ihn zum Gra­fen zu ma­chen, so­lan­ge Hans nur sein letz­tes Geld aus­gibt, um das Tier mit Stie­feln aus­zu­stat­ten. „Klei­der ma­chen schließ­lich Leu­te“, weiß der vor­lau­te Ka­ter.

„Das The­ma ,Sein und Schein’ zieht sich ja durch die ge­sam­ten Fest­spie­le. Der ge­stie­fel­te Ka­ter wirft die Fra­ge auf, ob man durch Schein und Lü­gen durch das Le­ben kom­men kann“, er­klär­te der Vor­sit­zen­de des Ver­eins Fest­spie­le Wan­gen, Man­fred Wol­f­rum, die Aus­wahl des Stücks. „Nach Vir­gi­nia Wolf im letz­ten Jahr, woll­ten wir die­ses Jahr et­was leich­te­re Kost prä­sen­tie­ren aber trotz­dem mit et­was Tief­gang“, so der Vor­sit­zen­de wei­ter.

Wäh­rend der Ka­ter al­so mit al­ler­lei Rän­ke­spie­len, aber auch ei­ner ge­hö­ri­gen Por­ti­on Charme, Hu­mor und In­tel­li­genz, ver­sucht, die auf­kom­men­den Pro­ble­me zu lö­sen, hat er in Hans sein Ge­gen­stück ge­fun­den. Ales­san­dro Na­nia Pa­ci­no ver­kör­pert den Mül­ler­bur­schen als sim­pel ge­strick­ten, aber tap­fe­ren Cha­rak­ter, dem das Lü­gen zu­wi­der ist. Aus den Wi­der­sprü­chen der bei­den Prot­ago­nis­ten ent­wi­ckelt sich viel Witz in den Dia­lo­gen. Ver­deut­licht wer­den die Ge­gen­sät­ze zwi­schen Ka­ter und Müller-Sohn, nach­dem die bö­se Zau­be­rin bei dem ers­ten Auf­ein­an­der­tref­fen mit den zwei Hel­den Hans kur­zer­hand in ei­nen Hund ver­wan­delt.

Die Bö­se­wich­tin des Stücks, ge­spielt von Eli­sa­beth Eb­ner, ver­kör­pert die größ­te Lüg­ne­rin des Stü­ckes. Sie be­lügt sich selbst und kann sich die Wahr­heit, dass je­des le­ben­de We­sen auch al­tern muss, nicht ein­ge­ste­hen. Da­her ver­sucht sie die­sem Pro­zess ent­ge­gen­zu­wir­ken, in­dem sie mit Hil­fe ih­rer Ma­gie jun­gen Mäd­chen die Schön­heit raubt. Zu­sätz­lich zu ver­schie­de­nen Diä­ten und Fit­ness­pro­gramm ver­steht sich. Sie macht sich auf, den al­lein­ste­hen­den Kö­nig zu ehe­li­chen und gleich­zei­tig der jun­gen Prin­zes­sin die Schön­heit zu rau­ben. Der ge­stie­fel­te Ka­ter und Hund Hans ver­fol­gen sie, um ih­ren Plan zu ver­ei­teln.

Li­ai­son zwi­schen Ka­ter und Maus

Wo ei­ne Prin­zes­sin ist, ist ei­ne Lie­bes­ge­schich­te nicht weit, dar­über müs­sen kei­ne Wor­te ver­lo­ren wer­den. Dass sich je­doch aus­ge­rech­net ei­ne Li­ai­son zwi­schen dem Ka­ter und ei­ner Maus, en­er­gie­reich ge­spielt von Mag­da­le­na Ma­ria Oettl, ent­wi­ckelt, sorgt für ei­ne hu­mor­voll sym­pa­thi­sche Über­ra­schung in der Hand­lung und kom­plet­tiert das tie­ri­sche Trio aus Hund, Kat­ze, Maus.

Die ko­mö­di­an­ti­schen Hö­he­punk­te des Stücks lie­fert je­doch ein­deu­tig Kö­nig Franz.Er ist der kla­re Lieb­ling des Pu­bli­kums. Chris­toph Gum­mert mimt ei­nen Re­gen­ten mit aus­ge­fal­le­ner Klei­dung und di­ckem Bauch, der geis­tig nie sei­nen ver­wöhn­ten Kin­der­zei­ten ent­wach­sen scheint. Wenn er sich nicht un­frei­wil­lig selbst lä­cher­lich macht, dann rappt er über Reb­hüh­ner.

Wel­che mu­si­ka­li­schen Un­ter­bre­chun­gen das Werk noch zu bie­ten hat und wer am En­de mit sei­nen Lü­gen zu ei­nem glück­li­chen En­de fin­det kön­nen die Zu­schau­er in wei­te­ren 16 Vor­stel­lun­gen selbst her­aus­fin­den. Es lohnt sich al­le­mal.

FO­TOS: CHRIS­TOPH MORLOK

Kö­nig Franz (Mit­te) brach­te mit sei­nem Auf­tritt bei der Pre­mie­re so­gar sei­ne Mi­tak­teu­re zum La­chen.

„Der ge­stie­fel­te Ka­ter“bie­tet nicht nur Schau­spiel, son­dern auch mu­si­ka­li­sche Un­ter­hal­tung.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.