Klei­ne Männ­chen be­völ­kern Ulm

Die Fi­gu­ren des spa­ni­schen Künst­lers Isaac Cord­al er­obern die Do­n­au­stadt bis 13. Au­gust

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - VERANSTALTUNGEN -

ULM (sz) - Ein klei­ner Mann im grau­en An­zug steht am Ab­grund. Ängst­lich geht der Blick hin­ab, die Kra­wat­te sitzt schief, der Blick ist skep­ti­schängst­lich. Der klei­ne Mann ist et­wa 20 Zen­ti­me­ter groß und Teil ei­ner freund­li­chen „In­va­si­on“in Ulm, hin­ter der die Gries­bad­gale­rie und die Kul­tur­bar „Stie­ge“ste­cken.

Klei­ne Män­ner im An­zug aus Ze­ment­guss sind die Prot­ago­nis­ten des Kunst­pro­jekts „Ce­ment Eclip­ses“. An rund ei­nem Dut­zend Stel­len in der Ul­mer In­nen­stadt sind die Fi­gu­ren ver­teilt. Teil­wei­se gut ver­steckt, teil­wei­se schnell zu ent­de­cken.

Der Künst­ler, der die­se Männ­chen er­son­nen hat, ist der Ga­li­zier Isaac Cord­al. Der Spa­nier, der in Pon­te­ve­dra und in Lon­don Kunst stu­dier­te, ist ein stil­ler, be­schei­de­ner Künst­ler. Seit ei­ni­gen Jah­ren lebt er in Brüs­sel, ist al­ler­dings oft in der gan­zen Welt un­ter­wegs, wo sei­ne geist­rei­chen Mi­nia­tur-In­stal­la­tio­nen ge­fragt sind.

Da­bei ist sei­ne Kunst oft­mals ei­ne An­eig­nung des öf­fent­li­chen Rau­mes – denn Cord­al geht als Street-Ar­tKünst­ler oft­mals nicht den Weg über öf­fent­li­che Äm­ter. Sei­ne Fi­gu­ren wer­den ganz of­fen­sicht­lich am hell­lich­ten Tag plat­ziert, sie sind so de­zent, dass sie in der Re­gel nicht in ei­nen Topf ge­wor­fen wer­den mit Graf­fi­ti. Was schnell als Van­da­lis­mus ge­se­hen wird. So darf auch wie selbst­ver­ständ­lich ein Cord­al-Fi­gür­chen am Ord­nungs­amt ins Ge­wim­mel gu­cken.

„Ce­ment Eclip­ses“ist Teil des Ko­ope­ra­ti­ons­pro­jek­tes von „Stie­ge“und „Gries­bad­gale­rie“, wo­bei die Ga­le­rie und der öf­fent­li­che Raum die ei­gent­li­che Aus­stel­lung prä­sen­tie­ren, wäh­rend die „Stie­ge „qua­si das Ver­gan­ge­ne do­ku­men­tiert und mit zwei Vi­deo­fil­men auch den Auf­bau der Ul­mer Cord­al-In­va­si­on zeigt.

Ar­beits­klei­dung, An­zug und Frack

Sei­ne Männ­chen sind in Ar­beits­klei­dung, An­zug oder Frack ge­klei­det. Dem öf­fent­li­chen Raum aus­ge­setzt, hat das ei­ne hu­mor­vol­le Wir­kung. Wit­zig al­ler­dings in ei­nem mit viel Nach­denk­lich­keit, ja auch Trau­rig­keit ge­paar­ten Sin­ne. Es sind die Heer­scha­ren der an­ony­men „lei­den­den An­ge­stell­ten“, der grau­en Nie­man­de, die das Ka­pi­tal­sys­tem am Lau­fen hal­ten, oh­ne selbst da­von et­was ab­zu­ha­ben. Sehr be­wusst zeigt Cord­al sei­ne Fi­gu­ren als Ein­sa­me, Aus­ge­setz­te – als Fi­gu­ren, die sich fra­gen, wie sie in die­se Si­tua­ti­on ge­ra­ten konn­ten.

In der Gries­bad­gale­rie sieht man dann die­se Männ­chen auch in ei­nem Berg von ge­schred­der­tem Pa­pier, ein To­ten­kopf­mann in­klu­si­ve. Und Ge­flüch­te­te sieht man auf Schutt­ber­gen, ein eben­so an­rüh­ren­der wie dras­ti­scher Fin­ger­zeig auf das Leid, das vor den To­ren Eu­ro­pas zum All­tag ge­wor­den ist. Schaut nicht weg, sagt Cord­als Kunst. Sie fängt den Be­trach­ter mit ei­nem Lä­cheln ein. Ent­lässt ihn aber mit dem Bes­ten, was Kunst aus­zu­lö­sen ver­mag: ein Stau­nen, ein Nach­den­ken, ein ge­klär­ter Blick auf die Rea­li­tät. Cord­al schenkt der Stadt die in­stal­lier­ten Fi­gu­ren im öf­fent­li­chen Raum.

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