Er­zäh­ler oh­ne Wor­te

Car­too­nist Guil­ler­mo Mor­dil­lo wird 85 Jah­re alt

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - KULTUR - Von Andre­as Reh­nolt

FRANKFURT (epd) - Dün­ne Bei­ne, di­cke Bäu­che, rie­si­ge Na­sen – die Fi­gu­ren von Guil­ler­mo Mor­dil­lo sind seit An­fang der 1970er-Jah­re welt­be­rühmt. Lo­ri­ot war ein gro­ßes Vor­bild für den in Ar­gen­ti­ni­en ge­bo­re­nen Car­too­nis­ten.

Mor­dil­los ty­pi­sche Car­toon-Fi­gu­ren sind auf ei­nen Blick zu er­ken­nen: an den über­di­men­sio­nier­ten Knol­len­na­sen und dar­an, dass sie oh­ne Wor­te aus­kom­men. Der Zeich­ner hat ei­ne ein­fa­che Er­klä­rung da­für: „Mei­ne Bil­der ha­ben kei­ne Tex­te, weil ich vie­le Jah­re in Län­dern ver­bracht ha­be, de­ren Spra­che ich an­fangs nicht rich­tig konn­te. Und da ha­be ich mich nicht ge­traut, Bild­un­ter­schrif­ten zu schrei­ben.“Am 4. Au­gust wird Guil­ler­mo Mor­dil­lo 85 Jah­re alt. Er kam 1932 in der ar­gen­ti­ni­schen Haupt­stadt Bu­e­nos Ai­res zur Welt, ging spä­ter nach New York und Pa­ris, leb­te ei­ne Zeit lang auf Mallor­ca und jetzt in Mo­na­co.

Sei­ne Hel­den schaf­fen es aber auch oh­ne Wor­te, viel zu er­zäh­len: Men­schen mit ih­ren klei­nen Be­son­der­hei­ten setzt er lie­be­voll in Sze­ne. Und Tie­re, wie et­wa die kurz­bei­ni­gen Gi­raf­fen, stat­tet er mit mensch­li­chen Ei­gen­schaf­ten aus. Der Durch­bruch in Deutsch­land ge­lang Mor­dil­lo mit dem Car­toon-Buch „Das Pi­ra­ten­schiff“, er­schie­nen 1971 im In­sel Ver­lag.

Die Knol­len­na­sen sei­en Fi­gu­ren, „die sym­bo­lisch für das mensch­li­che We­sen sind“, so er­klärt der Zeich­ner die meist schlich­te äu­ße­re Gestalt sei­ner bau­chi­gen Hel­den, die Post­kar­ten, Ka­len­der, Tas­sen und Glä­ser zie­ren. „Für mich ist Hu­mor Zärt­lich­keit, die auch da­bei hilft, Angst zu über­win­den“, sag­te der zwei­fa­che Va­ter ein­mal in ei­nem In­ter­view. „Weil ich wie je­des mensch­li­che We­sen Angst ha­be, zeich­ne ich Hu­mor.“

Vor­bild Lo­ri­ot

Ty­pisch für sei­ne Fi­gu­ren ist, dass sie meist ein­fa­che Lö­sun­gen für ver­meint­lich schwe­re Pro­ble­me fin­den. Auch das macht sie mensch­lich und sym­pa­thisch. Na­men hat er sei­nen Fi­gu­ren nie ge­ge­ben. Des­halb hat er nichts da­ge­gen, dass man sie schlicht „Mor­dil­los“nennt. In Deutsch­land er­schei­nen Ka­len­der und Bü­cher mit sei­nen Hel­den seit mehr als vier Jahr­zehn­ten im Heyne Ver­lag.

Zu den gro­ßen zeich­ne­ri­schen Vor­bil­dern Mor­dil­los zählt nach sei­nen Wor­ten vor al­lem der deut­sche Zeich­ner, Au­tor, Schau­spie­ler und Re­gis­seur Vic­co von Bü­low ali­as Lo­ri­ot (1923-2011), der zu Be­ginn sei­ner Kar­rie­re auch durch knol­len­na­si­ge Car­toon-Hel­den und die da­zu­ge­hö­ri­gen Ge­schich­ten be­rühmt wur­de.

FO­TO: DPA

Sein Mar­ken­zei­chen ist die Knol­len­na­se: Guil­ler­mo Mor­dil­lo.

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