Kei­ne Da­cher­hö­hung in der Gie­bel­hal­de

Was­ser­bur­ger Ge­mein­de­rat lehnt Än­de­rung des Be­bau­ungs­plans mit 10:1 Stim­men ab

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - REGION -

WEISSENSBERG (ust) - Kei­ner soll sa­gen, der Ge­mein­de­rat ha­be sich nicht Mü­he ge­ge­ben, schließ­lich be­schäf­ti­gen sich die Rä­te be­reits seit fast drei Jah­ren mit dem Fall, sprich ei­ner mög­li­chen Än­de­rung des Be­bau­ungs­pla­nes (B-Plan) „Gie­bel­hal­de Süd“. Laut ei­ner Bau­vor­an­fra­ge vom Herbst 2014 will ein Rei­hen­haus­be­sit­zer im Fal­ken­weg sein Dach an­he­ben und zwei neue Dach­gau­ben ein­bau­en, um da­mit zu­sätz­li­chen Wohn­raum zu schaf­fen. Weil die­ser Dach­auf­bau je­doch die Zahl der ma­xi­mal zu­läs­si­gen Voll­ge­schos­se (Anm. zwei) über­schrei­ten wür­de und da­mit auch das Orts­bild be­ein­träch­ti­gen wür­de, lehn­te der Ge­mein­de­rat das An­su­chen da­mals erst ein­mal ab.

Im wei­te­ren Ver­lauf wur­de das Lin­dau­er Pla­nungs­bü­ro Sie­ber be­auf­tragt, nach Al­ter­na­tiv­lö­sun­gen zu su­chen, um der Fa­mi­lie und mög­li­cher­wei­se auch an­de­ren An­lie­gern den Wunsch nach Wohn­raum­er­wei­te­rung doch noch zu er­fül­len – auch wenn sol­che Plä­ne nur 43 Pro­zent der Ei­gen­tü­mer ver­folg­ten, wie ei­ne Be­fra­gung im be­tref­fen­den Wohn­ge­biet zwi­schen Rö­mer- und Berg­stra­ße er­gab. In der Fol­ge hat­te das Bü­ro Sie­ber meh­re­re Va­ri­an­ten vor­ge­legt, dar­un­ter auch die Mög­lich­keit, im Dach so­ge­nann­te La­ter­nen­ge­schos­se ein­zu­bau­en. Rats­mit­glied Vol­ker Hein­rich (Freie Bür­ger), selbst vom Fach, Rats­mit­glied Vol­ker Hein­rich

hat­te zu­sätz­lich noch ei­ne Flach­dach­va­ri­an­te ins Spiel ge­bracht.

Wie Bür­ger­meis­ter Hans Kern in der jüngs­ten Sit­zung in­for­mier­te, ha­be das Land­rats­amt (LRA) Mit­te Ju­ni in ei­ner Stel­lung­nah­me dem Pla­nungs­vor­schlag von Hein­rich, das Dach durch Flach­dach­gau­ben zu er­hö­hen, die Zu­stim­mung ver­wei­gert. Be­grün­dung: „Die bis­he­ri­ge Gleich­ar­tig­keit und Maß­ver­hält­nis­se der Rei­hen­häu­ser wird durch die­se Gau­ben, die auch un­ter­schied­lich in der Grö­ße und Aus­füh­rungs­art sein kön­nen, zer­stört.“Ge­ra­de die Maß­stäb­lich­keit und Pro­por­ti­on der Ge­bäu­de sei­en „zur Wah­rung des Stra­ßen- und Orts­bil­des er­for­der­lich“. Dem­ge­gen­über be­trach­te man ei­ne Da­cher­hö­hung durch das ge­nau de­fi­nier­te La­ter­nen­ge­schoss als „bes­se­re Lö­sung“, so das LRA.

Un­kal­ku­klier­ba­re Ri­si­ken

In der an­schlie­ßen­den Dis­kus­si­on mach­te Bü­ro-Chef Hu­bert Sie­ber die Rä­te dar­auf auf­merk­sam, dass ei­ne Än­de­rung des B-Plans auch Kla­gen nach sich zie­hen könn­te. Es sei schwer vor­her­zu­sa­gen, ob ei­ne an­geb­lich „feh­ler­freie Ab­wä­gung“auch vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Be­stand ha­ben wür­de, zu­mal ein B-Plan ein Jahr lang an­ge­foch­ten wer­den kön­ne. Ab­ge­se­hen da­von könn­ten die Kos­ten für die Er­stel­lung ei­ner sol­chen Plan­än­de­rung schnell mal von knapp 5000 Eu­ro „auf 15 000 Eu­ro und mehr stei­gen“, so Sie­ber.

Wer­ner Günt­hör (Freie Wäh­ler­schaft) warn­te vor ei­nem nicht kal­ku­lier­ba­ren Ri­si­ko, soll­te ei­ne der bei­den Va­ri­an­ten be­schlos­sen wer­den. Er sprach für den Fall ei­ner Rea­li­sie­rung von ei­nem „Zahn­lü­cken­ge­bil­de“und wies noch­mals auf das Pro­blem der „Ver­schat­tung“zum Nach­teil von Nach­barn hin. In ei­ne ähn­li­che Rich­tung ar­gu­men­tier­te Joa­chim Wie­se (Freie Bür­ger). Er se­he zwar die Vor­tei­le ei­ner ver­dich­te­ten Be­bau­ung, gleich­zei­tig aber auch „gro­ße Pro­ble­me“, soll­te die Än­de­rung des B-Plans be­schlos­sen wer­den. „Ein La­ter­nen­ge­schoss passt nicht dort hin und auch nicht nach Wei­ßens­berg“, mach­te Hein­rich sei­nen Stand­punkt für die Flach­dach­lö­sung noch­mals klar und füg­te fast schon ein we­nig ver­är­gert hin­zu: „Ent­we­der ma­chen wir’s oder nicht!“Das Er­geb­nis der Ab­stim­mung war ein­deu­tig: Mit 10:1 Stim­men (Anm. Ge­gen­stim­me kam von Hein­rich) spra­chen sich die Rä­te ge­gen ei­ne Än­de­rung des B-Plans „Gie­bel­hal­de Süd“aus.

„Die bis­he­ri­ge Gleich­ar­tig­keit und Maß­ver­hält­nis­se der Rei­hen­häu­ser wird durch die­se Gau­ben zer­stört.“

FO­TO: UL­RICH STOCK

Wie hier im Fal­ken­weg möch­ten ei­ni­ge Rei­hen­haus-Be­sit­zer das Dach­ge­schoss aus­bau­en – doch der Ge­mein­de­rat er­teilt die­sem An­sin­nen nun end­gül­tig ei­ne Ab­sa­ge.

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