Ge­mein­de­rat lehnt Bür­ger­ent­scheid in Op­fen­bach ab

Gre­mi­um er­klärt An­trag der Geg­ner ein­stim­mig für un­zu­läs­sig – Un­ter an­de­rem gibt es Män­gel bei den Un­ter­schrif­ten­lis­ten und der Fra­ge­stel­lung

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - BLICK INS ALLGÄU - Von Ben­ja­min Schwärz­ler

OP­FEN­BACH - Die Op­fen­ba­cher wer­den vor­erst nicht über die ge­plan­te B 32-Orts­um­fah­rung ab­stim­men. Der 14-köp­fi­ge Ge­mein­de­rat hat das Bür­ger­be­geh­ren ein­stim­mig als un­zu­läs­sig zu­rück­ge­wie­sen. Das voll­stän­dig an­we­sen­de Gre­mi­um folg­te da­mit dem Vor­schlag der Ver­wal­tung, den Bür­ger­meis­ter Mat­thi­as Bentz aus­führ­lich vor­trug. Be­grün­dung: Das Bür­ger­be­geh­ren ent­spricht in meh­re­ren Punk­ten nicht den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen. Un­ter an­de­rem gibt es for­ma­le Män­gel bei den Un­ter­schrif­ten­lis­ten – und die Fra­ge­stel­lung ver­stößt ge­gen das Kop­pe­lungs­ver­bot.

Die Geg­ner der ge­plan­ten Orts­um­fah­rung über den Froh­nen­berg, die im Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan als „vor­dring­li­cher Be­darf“ein­ge­stuft ist und den Orts­kern ent­las­ten soll, hat­ten am 4. Ju­li ein Bür­ger­be­geh­ren im Rat­haus ein­ge­reicht. 246 Per­so­nen hat­ten un­ter­zeich­net. Vier da­von sind nicht in Op­fen­bach ge­mel­det, 35 wa­ren laut Bentz auf­grund von Un­le­ser­lich­keit nicht ein­deu­tig iden­ti­fi­zier­bar. Blei­ben al­so 207 gül­ti­ge Un­ter­schrif­ten – die Min­dest­zahl von 179 (zehn Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten) war da­mit er­reicht.

Blät­ter wei­sen Ta­cker­lö­cher auf

Bei der recht­li­chen Prü­fung hat die Ver­wal­tung laut Bentz in Rück­spra­che mit Land­rats­amt und Ge­mein­de­tag al­ler­dings an an­de­ren Stel­len Män­gel ent­deckt. Das be­trifft die Form. Dem­nach war bei ei­nem Groß­teil der vor­ge­leg­ten Lis­ten die Sei­te mit den Un­ter­schrif­ten und die Sei­te mit Fra­ge­stel­lung und Be­grün­dung mit­ein­an­der ver­klebt. Die Blät­ter wei­sen Ta­cker­lö­cher be­zie­hungs­wei­se Heft­spu­ren auf, „was den Schluss zu­lässt, dass die Sei­ten ur­sprüng­lich zu­sam­men­ge­hef­tet wa­ren“. Es be­ste­he theo­re­tisch die Mög­lich­keit, dass die Un­ter­schrif­ten im Nach­hin­ein mit ei­ner an­de­ren Fra­ge­stel­lung und Be­grün­dung hät­ten ver­se­hen wer­den kön­nen. „Wir wol­len es nicht un­ter­stel­len“, be­ton­te Bentz mehr­fach. Es ge­he al­lein um ei­ne ob­jek­ti­ve Prü­fung nach Ar­ti­kel 18a der Ge­mein­de­ord­nung. Und die be­sagt, dass sich Fra­ge­stel­lung, Be­grün­dung und Un­ter­schrif­ten im­mer auf ein und dem­sel­ben Blatt be­fin­den müs­sen.

Auch die Fra­ge­stel­lung ent­spricht laut Bentz nicht den recht­li­chen Vor­ga­ben. Sie ver­stößt ge­gen das so­ge­nann­te Kop­pe­lungs­ver­bot. Die Fra­ge be­steht aus zwei Tei­len, die nach An­sicht der Prü­fer nicht in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang ste­hen: Der Bau der Orts­um­ge­hung kön­ne nicht mit ei­nem Krei­sel oder Flüs­ter­asphalt kom­pen­siert wer­den – da es ja das vor­ran­gi­ge Ziel sei, durch die Ver­le­gung der B 32 ei­nen Groß­teil des Ver­kehrs aus dem Orts­kern her­aus­zu­hal­ten. Das kön­ne ein Krei­sel nicht leis­ten. Zwei von­ein­an­der un­ab­hän­gi­ge Sach­ver­hal­te dür­fen nicht in ei­nem Bür­ger­be­geh­ren zu­sam­men­ge­fügt sein. Denn: Es könn­te ja sein, dass ein Bür­ger die Orts­um­fah­rung ab­lehnt – genau­so aber ei­nen Kreis­ver­kehr. So wie die Fra­ge for­mu­liert ist, könn­te er aber nur ei­nen Teil sei­nes Wil­lens be­kun­den.

Ge­mein­de ist nicht Bau­last­trä­ger

Und nicht zu­letzt, so Bentz, kön­ne ein Bür­ger­ent­scheid sich nicht mit ei­ner Sa­che be­schäf­ti­gen, die über den Wir­kungs­kreis der Ge­mein­de hin­aus geht. Im kon­kre­ten Fall: Die Ge­mein­de ist nicht Bau­last­trä­ger der Bun­des­stra­ße – für ei­nen Kreis­ver­kehr sei das Stra­ßen­bau­amt zu­stän­dig. Bentz be­ton­te da­bei, dass es von der Be­hör­de wei­ter­hin die kla­re Aus­sa­ge ge­be, dass ein Krei­sel an die­ser Stel­le schon aus Platz­grün­den nicht mög­lich sei. Er müss­te, ähn­lich wie der am Orts­ein­gang von Her­gens­wei­ler, min­des­tens 30 Me­ter Durch­mes­ser ha­ben. Al­ler­dings wür­de er dann Pri­vat­grund­stü­cke tan­gie­ren.

Die Ab­leh­nung des Bür­ger­be­geh­rens sei un­term Strich al­so „kei­ne Er­mes­sens­ent­schei­dung“, sag­te Bentz: „Uns bleibt nichts an­de­res üb­rig.“Er gab zu­dem be­kannt, dass das vom Stra­ßen­bau­amt ver­spro­che­ne Ver­kehrs­gut­ach­ten be­reits in Auf­trag ge­ge­ben wor­den sei. Wenn al­les gut lau­fe, sei­en die Er­geb­nis­se viel­leicht so­gar schon im Herbst da. Aus den Wort­mel­dun­gen der Rä­te wur­de deut­lich, dass sie bei ih­rer spä­te­ren Ent­schei­dung die Stim­mung in der Be­völ­ke­rung sehr wohl be­rück­sich­ti­gen möch­ten. So sag­te Hel­mut Ba­der: „Wenn Pla­nung und Kos­ten auf dem Tisch lie­gen, soll­ten wir ei­ne sat­tel­fes­te Bür­ger­ab­stim­mung in­iti­ie­ren.“Mit an­de­ren Wor­ten: ein Rats­be­geh­ren.

„Wenn Pla­nung und Kos­ten auf dem Tisch lie­gen, soll­ten wir ei­ne sat­tel­fes­te Bür­ger­ab­stim­mung in­iti­ie­ren.“Ge­mein­de­rat Hel­mut Ba­der

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