Ge­füh­le nicht er­wi­dert: Mann schlägt Frau

Amts­ge­richt Bi­be­rach hält 29-Jäh­ri­gen we­gen Schi­zo­phre­nie für ein­ge­schränkt schuld­fä­hig

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - REGION - Von Da­ni­el Hä­fe­le

BI­BE­RACH - Er soll ei­ne Frau zwei­mal mit der Faust ins Ge­sicht ge­schla­gen und in ei­ner Spie­lo­thek ei­nen Spiel­au­to­ma­ten zer­stört ha­ben: Ein 29-Jäh­ri­ger muss­te sich we­gen Kör­per­ver­let­zung und Sach­be­schä­di­gung vor dem Amts­ge­richt Bi­be­rach ver­ant­wor­ten. Die Ver­hand­lung ge­stal­te­te sich als schwie­rig, auch weil der An­ge­klag­te laut ei­nem vom Ge­richt be­stell­ten Gut­ach­ter an Schi­zo­phre­nie er­krankt ist.

Laut An­kla­ge hat der Mann aus nich­ti­gem An­lass ei­ner Frau in der Alt­stadt in Bi­be­rach mit der Faust ins Ge­sicht ge­schla­gen. Tä­ter und Ge­schä­dig­te kann­ten sich. Zu Be­ginn die­ses Jah­res soll er dann in ei­ner Spie­lo­thek ei­nen Bar­ho­cker auf ei­nen Spiel­au­to­ma­ten ge­wor­fen ha­ben, den Scha­den be­zif­fer­te die Staats­an­walt­schaft Ra­vens­burg auf 2000 Eu­ro.

Wäh­rend der Be­schul­dig­te die Sach­be­schä­di­gung ein­räum­te, sag­te er zu der Kör­per­ver­let­zung: „Es ist nicht wahr, dass ich zwei­mal mit der Faust ins Ge­sicht ge­schla­gen ha­be.“Er ha­be die Frau mit der fla­chen Hand ein­mal auf den Schä­del ge­schla­gen. Zu­dem ha­be sie mit der Schub­se­rei an­ge­fan­gen. Die Zeu­gin schil­der­te den Ablauf wie in der An­kla­ge be­schrie­ben, wo­bei der zwei­te Schlag nicht ge­zielt ge­we­sen sei. Bei­de be­rich­te­ten von Men­schen, die bei der Ran­ge­lei da­zwi­schen ge­gan­gen sei­en. Kei­ne die­ser Per­so­nen war je­doch zum Pro­zess ge­la­den wor­den. Wie ein Po­li­zist, der den Fall auf­ge­nom­men hat­te, im Zeu­gen­stand aus­sag­te, hät­ten sich die Sch­lich­ter des Streits „we­nig ko­ope­ra­tiv ge­zeigt“.

Der Tä­ter und die 22-jäh­ri­ge Ge­schä­dig­te ken­nen sich, sie be­geg­nen sich fast täg­lich in ei­ner Ein­rich­tung, die sich un­ter an­de­rem um ar­beits­lo­se Ju­gend­li­che küm­mert. Wie bei­de über­ein­stim­mend sag­ten, wa­ren sie vor der Tat auf „ei­ner ge­mein­sa­men Sauf­tour“un­ter­wegs. Bei die­ser wies die Ge­schä­dig­te die An­nä­he­rungs­ver­su­che des An­ge­klag­ten mit ei­nem El­len­bo­gen­schlag deut­lich zu­rück. Seit­dem, so be­rich­te­te ei­ne Zeu­gin, hät­ten die bei­den ein an­ge­spann­tes Ver­hält­nis ge­habt. Am Tat­tag schau­kel­ten sich ver­ba­le Atta­cken bis zu je­nem kör­per­li­chen An­griff hoch.

Ab­ge­se­hen von den Aus­sa­gen der Zeu­gen war für die Ur­teils­fin­dung ein Psych­ia­ter von be­son­de­rer Be­deu­tung. Ein Gut­ach­ter soll­te klä­ren, in­wie­fern der An­ge­klag­te schuld­fä­hig ist. Denn der 29-Jäh­ri­ge lei­det an Schi­zo­phre­nie. Das Pro­blem: Der An­ge­klag­te sieht nicht ein, dass er krank ist. Me­di­ka­men­te nimmt er nicht ein, weil ihn die­se wehr­los mach­ten. Mehr­mals zwei­fel­te er die Glaub­wür­dig­keit des Gut­ach­ters an. Of­fen­bar ver­mu­tet er bei je­dem Men­schen, die­ser wol­le ihm et­was Bö­ses. Dar­über hin­aus sprach der An­ge­klag­te von „Men­schen, die sei­nen Kopf iso­lier­ten“oder „ei­nem Freund, der aus sei­nem Kör­per her­aus­re­det“. Ne­ben der Schi­zo­phre­nie be­schei­nig­te ihm der Gut­ach­ter ei­ne Spiel­sucht so­wie ein Pro­blem mit Can­na­bis.

In­wie­fern bei den Ta­ten sei­ne psy­chi­sche Ver­fas­sung ei­ne Rol­le spiel­te, konn­te der Gut­ach­ter nicht klä­ren. Denn die Aus­ras­ter sei­en „auch nor­mal psy­cho­lo­gisch zu er­klä­ren“. Rich­ter Ralf Bür­g­len sprach in der Ur­teils­be­grün­dung von ei­ner ein­ge­schränk­ten Schul­fä­hig­keit. Ganz oh­ne Stra­fe ist der 29-Jäh­ri­ge so­mit nicht da­von ge­kom­men, er muss 1000 Eu­ro Geld­stra­fe be­zah­len.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.