Bau­vor­ha­ben lan­det im Pe­ti­ti­ons­aus­schuss

An­woh­ner will den Bau ei­nes grö­ße­ren Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses in Lin­den­berg ver­hin­dern – Er schei­tert

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - BLICK INS ALLGÄU - Von Pe­ter Mit­ter­mei­er

LIN­DEN­BERG - Ein nor­ma­les Ein­fa­mi­li­en­haus ja, ein grö­ße­res Ge­bäu­de nein. Das sagt ein An­woh­ner zu ei­nem ge­plan­ten Mehr­fa­mi­li­en­haus am Lin­den­ber­ger Na­den­berg. Er hat des­halb den Pe­ti­ti­ons­aus­schuss des Land­ta­ges an­ge­ru­fen – ver­geb­lich. Das Vor­ge­hen der Stadt ist nach An­sicht des In­nen­mi­nis­te­ri­ums und des Aus­schus­ses kor­rekt. Die Be­grün­dung kann als Mus­ter für ähn­li­che Fäl­le im West­all­gäu gel­ten.

Den Pe­ti­ti­ons­aus­schuss des Land­ta­ges gibt es in Bay­ern seit 1946. Je­der Bür­ger hat das Recht ihn an­zu­ru­fen. 18 Ab­ge­ord­ne­te ge­hö­ren ihm an, dar­un­ter ist seit die­ser Wahl­pe­ri­ode auch Eberhard Rot­ter (Wei­lerSim­mer­berg). Der Aus­schuss über­prüft be­hörd­li­che Ent­schei­dun­gen und holt da­zu auch Stel­lung­nah­men der zu­stän­di­gen Mi­nis­te­ri­en ein. Ziel ist es, „Lö­sun­gen für die Pro­ble­me der Hil­fe­su­chen­den im Rah­men der recht­li­chen Mög­lich­kei­ten zu fin­den“, wie die Land­tags­be­hör­de schil­dert, und zwar „au­ßer­halb der for­mel­len Rechts­we­ge“.

Ei­ne fünf­stel­li­ge Zahl an Be­schwer­den und Ein­ga­ben ge­hen in je­der Pe­ri­ode ein, sagt Eberhard Rot­ter, dar­un­ter auch ei­ni­ge aus dem Land­kreis. Ein Schwer­punkt sind Bau­an­ge­le­gen­hei­ten.

Um ein Bau­vor­ha­ben geht es auch in dem Lin­den­ber­ger Fall. Er hat über Mo­na­te hin­weg den Stadt­rat und die Be­woh­ner des Neu­bau­ge­bie­tes West­li­cher Na­den­berg be­schäf­tigt. Die Stadt hat für das Ge­biet im Jahr 2013 ei­nen Be­bau­ungs­plan auf­ge­stellt und drei Jah­re spä­ter ge­än­dert. Die Än­de­rung be­zog sich vor al­lem auf ein Grund­stück an der Ecke zum Kohl­statt­weg. Dort ist ein Mehr­fa­mi­li­en­haus vor­ge­se­hen. Nach der Än­de­rung des Be­bau­ungs­pla­nes sind dort jetzt acht Woh­nun­gen er­laubt, zu­vor wa­ren es fünf. An der ma­xi­mal er­laub­ten Hö­he des Ge­bäu­des hat sich aber auch we­gen des Pro­tes­tes der An­woh­ner nichts ge­än­dert.

Ein An­lie­ger im Kohl­statt­weg wehrt sich al­ler­dings nach wie vor ge­gen das Vor­ha­ben. Vor al­lem des­sen Grö­ße stört ihn. Das mehr­stö­cki­ge Haus neh­me die Sicht und min­de­re da­mit den Wert sei­ner Im­mo­bi­le, ar­gu­men­tiert der Haus­ei­gen­tü­mer. Er fürch­tet ei­ne Zu­nah­me des Ver­kehrs und da­mit ein­her­ge­hend Lärm. In sei­ner Pe­ti­ti­on hat er zu­dem auf den Ver­kauf des Grund­stü­ckes an die Stadt vor fünf Jahr­zehn­ten ver­wie­sen. Die Fa­mi­lie ha­be das Are­al der Stadt für ei­nen Spott­preis über­las­sen. Des­halb wünscht er sich jetzt ein Ent­ge­gen­kom­men.

Mehr­sei­ti­ge Stel­lung­nah­me

Die Ar­gu­men­te hat der An­woh­ner be­reits im Rah­men des Be­bau­ungs­plan-Ver­fah­rens vor­ge­bracht. Die Stadt hat sie al­ler­dings eben­so wie das Land­rats­amt als nicht stich­hal­tig zu­rück­ge­wie­sen. Be­stä­tigt wer­den bei­de vom In­nen­mi­nis­te­ri­um. Es hat zu der Pe­ti­ti­on des Lin­den­ber­gers ei­ne mehr­sei­ti­ge Stel­lung­nah­me ab­ge­ge­ben. Dar­in ver­weist es dar­auf, dass ein Be­bau­ungs­plan grund­sätz­lich Sa­che ei­ner Stadt oder Ge­mein­de ist. Es lie­ge in ih­rer Ent­schei­dung, auf ei­nem Grund­stück ein Wohn­ge­biet aus­zu­wei­sen und dort ein Mehr­fa­mi­li­en­haus mit acht Wohn­ein­hei­ten zu­zu­las­sen. Feh­ler im Ver­fah­ren kann das Mi­nis­te­ri­um nicht aus­ma­chen.

Kein An­spruch auf Aus­sicht

Es geht auch auf die ein­zel­nen Ar­gu­men­te des Bür­gers ein. Dem­nach muss er die Zu­nah­me des Ver­kehrs hin­neh­men. Auf­grund der leich­ten Er­hö­hung der Zahl der Woh­nun­gen sei „nicht mit ei­nem we­sent­li­chen Ver­kehrs­zu­wachs zu rech­nen“. Es sei zwar be­dau­er­lich, dass die Aus­sicht des Bür­gers ein­ge­schränkt wer­de. „Es be­steht grund­sätz­lich aber kein An­spruch auf Er­hal­tung ei­ner bis­her un­ver­bau­ten Aus­sicht“, schreibt das Mi­nis­te­ri­um. Zu­dem ha­be der Ein­zel­ne nach ent­spre­chen­den Ur­tei­len des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­rich­tes auch kei­nen An­spruch dar­auf, vor jeg­li­cher Wert­min­de­rung be­wahrt zu wer­den. „Nicht nach­voll­zieh­bar“schließ­lich ist in den Au­gen des Mi­nis­te­ri­ums die Er­war­tung des Bür­gers, die Stadt kön­ne ihm we­gen des Grund­stücks­ver­kau­fes vor 50 Jah­ren ent­ge­gen­kom­men.

FOTO: PE­TER MIT­TER­MEI­ER

Der Streit um ein Grund­stück am west­li­chen Na­den­berg in Lin­den­berg war nun ein Fall für den Pe­ti­ti­ons­aus­schuss des Land­ta­ges.

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