Ri­va­lin

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

In den Um­fra­gen kommt Me­ral Ak­se­ner auf Wer­te von mehr als 20 Pro­zent, ob­wohl ih­re „De­mo­kra­ti­sche Zen­trums­par­tei“(MDP) noch nicht ein­mal ge­grün­det ist: Die tür­ki­sche Ex-In­nen­mi­nis­te­rin könn­te zu ei­ner ge­fähr­li­chen Ri­va­lin von Staats­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan wer­den. Bei den kom­men­den Wah­len will die Rechts­kon­ser­va­ti­ve der Re­gie­rungs­par­tei AKP von Er­do­gan die Stim­men ab­ja­gen. Doch für mehr De­mo­kra­tie steht die 61-Jäh­ri­ge nicht un­be­dingt, wie ein Blick auf ih­re Ver­gan­gen­heit zeigt.

Ak­se­ner will im Ok­to­ber ei­ne ei­ge­ne Par­tei grün­den, weil sie nach ei­nem Auf­stand ge­gen den Chef der rechts­na­tio­na­lis­ti­schen MHP, Dev­let Bah­ce­li, aus des­sen Par­tei aus­ge­schlos­sen wur­de. Die neue Or­ga­ni­sa­ti­on soll den rechts­na­tio­na­len Dis­si­den­ten und ent­täusch­ten AKP-Wäh­lern ei­ne neue po­li­ti­sche Hei­mat bie­ten. Er­do­gan braucht die Un­ter­stüt­zung der AKP und der MHP, wenn er die Prä­si­den­ten­wahl in zwei Jah­ren ge­win­nen will – mit ei­ner neu­en star­ken Rechts­par­tei un­ter Ak­se­ner wä­re die­ses Ziel für ihn in Ge­fahr. Ak­se­ner will bei der Wahl 2019 per­sön­lich ge­gen Er­do­gan kan­di­die­ren.

Als frü­he­re Vi­ze­prä­si­den­tin des tür­ki­schen Par­la­ments ge­hört Ak­se­ner zu den pro­mi­nen­tes­ten Po­li­ti­kern und ist bei vie­len Na­tio­na­lis­ten be­liebt. Ihr Wahl­kampf ge­gen das Prä­si­di­al­sys­tem vor dem Ver­fas­sungs­re­fe­ren­dum im April hat ihr Pro­fil ge­schärft. Da­bei warf sie Er­do­gan un­ter an­de­rem vor, Span­nun­gen mit EU-Län­dern zu pro­vo­zie­ren, um die ei­ge­nen Wäh­ler zu mo­ti­vie­ren.

Soll­te Ak­se­ner den Marsch in die po­li­ti­sche Mit­te an­tre­ten wol­len, statt nur mit ih­rer al­ten Par­tei MHP beim rech­ten Wäh­ler­seg­ment zu kon­kur­rie­ren, dürf­te sie mit heik­len Fra­gen kon­fron­tiert wer­den. Als In­nen­mi­nis­te­rin in den 1990er-Jah­ren war sie für au­ßer­ge­richt­li­che Hin­rich­tun­gen im Kur­den­ge­biet ver­ant­wort­lich. Reue zeigt sie we­gen der Er­eig­nis­se nicht. Sie ha­be al­les für die Ein­heit des Lan­des ge­tan, sag­te sie kürz­lich. 2001 stimm­te Ak­se­ner im Par­la­ment von An­ka­ra ge­gen die Ab­schaf­fung der To­des­stra­fe, die als Zu­ge­ständ­nis an die EU aus den Ge­setz­bü­chern ge­stri­chen wur­de. Su­san­ne Güs­ten

FO­TO: AFP

Me­ral Ak­se­ner will ge­gen den tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan an­tre­ten.

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