Apps pro­gram­mie­ren mit Livecode

SCREENGUIDE - - Inneres - TEXT: Hau­ke Fehr

Je­der kann Apps pro­gram­mie­ren!

Wer Web­sites ent­wi­ckelt, ar­bei­tet sich meist auch all­mäh­lich in Ja­vaS­cript und PHP ein. Aber rich­ti­ge An­wen­dun­gen für Mac und PC – oder gar Apps für mo­bi­le Ge­rä­te – zu pro­gram­mie­ren, das ist in der Re­gel den Spe­zia­lis­ten vor­be­hal­ten. LiveCode hin­ge­gen ver­spricht: „Je­der kann Apps pro­gram­mie­ren!”

Wer schon ein­mal an Mi­cro­softs Vi­su­al Stu­dio, Xcode oder An­dro­id Stu­dio ver­zwei­felt ist, weiß, wo­rum es geht: Nach stun­den­lan­ger In­stal­la­ti­on von gi­ga­byte­gro­ßen Pa­ke­ten steht man erst ein­mal rat­los da. Es er­for­dert zahl­rei­che Tu­to­ri­als und viel Tri­al and Er­ror, bis die ers­te „Hal­lo Welt”-An­wen­dung ein­mal läuft – und so man­chem ver­geht dann schon die Lust auf wei­te­re Ex­pe­ri­men­te.

LiveCode hat da ei­nen ganz an­de­ren An­satz. Das Ent­wick­lungs­sys­tem aus Edin­burgh wur­de 2001 als Nach­fol­ger von App­les Hy­perCard auf den Markt ge­bracht und hat sich seit­dem nicht zu­letzt durch meh­re­re Crowd­fun­ding-Kam­pa­gnen er­heb­lich wei­ter­ent­wi­ckelt [livecode.org]. Mitt­ler­wei­le ist es zu ei­nem um­fas­sen­den Pro­gram­mier­werk­zeug ge­wor­den, das vor al­lem durch sei­ne er­staun­lich ein­fa­che Hand­ha­bung auf­fällt. Nicht um­sonst wird es an ei­nem Drit­tel al­ler Schu­len in Schott­land als Lern­sys­tem im In­for­ma­tik­un­ter­richt ver­wen­det. Aber mit LiveCode kön­nen Sie mehr als Grund­la­gen er­wer­ben: Zu­neh­mend ver­wen­den auch Pro­gram­mier­pro­fis welt­weit das Sys­tem, um An­wen­dun­gen von ein­fa­chen Han­dy-Spie­len oder In­fo-Apps bis hin zum voll- wer­ti­gen Wa­ren­wirt­schafts­sys­tem für mitt­le­re Un­ter­neh­men zu pro­gram­mie­ren. Die Cross-Platt­form-Technologie macht es mög­lich, aus ein und dem­sel­ben Qu­ell­code Pro­gram­me für Win­dows, Mac, Li­nux und Apps für iOS und An­dro­id um­zu­set­zen. Seit LiveCode 2013 zu­sätz­lich zu der kom­mer­zi­el­len Fas­sung ei­ne voll­stän­di­ge Open-Sour­ce-Ver­si­on sei­nes Pa­kets her­aus­ge­bracht hat, steht es je­dem frei, sich un­ver­bind­lich im Er­stel­len von Apps zu ver­su­chen. Das Sys­tem ist schnell ge­la­den: Ein In­stal­ler von un­ter 300 MB Grö­ße ge­nügt, um LiveCode in we­ni­gen Mi­nu­ten auf dem hei­mi­schen Mac oder PC zu in­stal­lie­ren.

Nach dem ers­ten Start wähnt man sich zu­nächst fast in ei­nem Gra­fik­pro­gramm (Abb. 1). Die­se As­so­zia­ti­on ist kein Zu­fall: Bei LiveCode ist die Er­stel­lung des De­signs un­mit­tel­bar mit der Pro­gram­mie­rung ver­zahnt. Das heißt, Sie kön­nen im Pro­gramm­fens­ter zu je­dem Zeit­punkt Ih­re App gestal­ten, gra­fi­sche oder funk­tio­na­le Ob­jek­te hin­zu­fü­gen, ver­schie­ben, ska­lie­ren, an­pas­sen und mit Far­ben und Ef­fek­ten ver­se­hen. Al­le die­se Ob­jek­te las­sen sich da­bei, oh­ne Wech­sel, im sel­ben Edi­tor, in­ter­ak­tiv mit

Skrip­ten, al­so mit ei­ge­nem Le­ben, ver­se­hen. Der Work­flow beim Ent­wi­ckeln mit LiveCode be­steht dar­in, mit ei­nem Klick je­der­zeit zwi­schen Gestal­tungs- und Li­ve-Pro­gramm-Mo­dus hin und her schal­ten zu kön­nen. Es muss al­so nicht erst kom­pi­liert, ge­tes­tet, se­pa­rat er­stellt und ver­knüpft wer­den. Mit et­was Ei­n­ar­bei­tung las­sen sich so in Mi­nu­ten Pro­to­ty­pen von Apps er­stel­len, die sich be­reits in­ter­ak­tiv ver­hal­ten und die Sie dann mit wei­te­rer Fein­ar­beit nach und nach zu voll­wer­ti­gen Pro­gram­men aus­bau­en kön­nen.

Das Ar­bei­ten mit LiveCode ist auf die­se Wei­se wirk­lich ein­fach und wird schnell in­tui­tiv: Gra­fi­sche Ele­men­te wer­den auf das Pro­gramm­fens­ter ge­zo­gen, mit der Maus plat­ziert und ska­liert, mit Dop­pel­klick las­sen sich ih­re wei­te­ren Ei­gen­schaf­ten be­ar­bei­ten, mit Rechtsklick und „Edit Script” wer­den ih­nen Skrip­te hin­zu­ge­fügt, de­ren Aus­füh­rung au­to­ma­tisch von den zu­ge­hö­ri­gen Er­eig­nis­sen aus­ge­löst wird. Schal­ten Sie nun um in den Li­ve-Mo­dus, se­hen Sie so­fort, wie sich al­les aus­wirkt.

LiveCode bringt sei­ne ei­ge­ne Pro­gram­mier­spra­che mit, die ur­sprüng­lich aus App­les „Hy­perTalk” her­vor­ge­gan­gen ist. Die­se Spra­che ist für je­man­den, der mit den klas­si­schen Kon­ven­tio­nen ver­traut ist, erst ein­mal et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­tig. Das Ide­al heißt „clo­se to plain Eng­lish” – schreib auf, was du ma­chen willst, und das Pro­gramm tut es. So wer­den Wer­te Va­ria­blen nicht wie sonst üb­lich ma­the­ma­tisch zu­ge­wie­sen ( x= 1) – son­dern Sie sa­gen dem Pro­gramm, was es ma­chen soll: „put 1 in­to x”. Mit dem PUT-Be­fehl wer­den In­hal­te von ei­nem Ob­jekt zum an­de­ren trans­por­tiert. Mit dem SET-Be­fehl wer­den Ei­gen­schaf­ten von Ob­jek­ten ein­ge­stellt. Un­ter­ob­jek­te wer­den nicht mit Punkt oder Pfeil ver­knüpft, son­dern durch das eng­li­sche Wört­chen „of”. Häu­fig er­klä­ren sich die An­wei­sun­gen von LiveCode ge­ra­de­zu selbst – vor­aus­ge­setzt Sie ver­ste­hen ein we­nig Eng­lisch.

Als hö­he­re Pro­gram­mier­spra­che ist LiveCode da­bei sehr leis­tungs­fä­hig. So gibt es un­ter an­de­rem mäch­ti­ge Funk­tio­nen für für den Zu­griff auf On­li­ne-In­hal­te oder das Ana­ly­sie­ren und Be­ar­bei­ten von Zei­chen­ket­ten. Der fol­gen­de Be­fehl wür­de zum Bei­spiel al­le Zei­len ei­ner be­lie­big lan­gen Lis­te auf ei­nen Schlag neu sor­tie­ren, und zwar nach dem zwei­ten Wort je­der Zei­le.

LiveCode ent­hält von Haus aus et­wa 1.900 Be­feh­le und fes­te Be­grif­fe aus al­len Be­rei­chen – von zahl­rei­chen spe­zi­fi­schen Sys­tem­auf­ru­fen (auch für die ein­ge­bau­ten Funk­tio­nen der Mo­bil­ge­rä­te) über mul­ti­me­dia­le Ob­jek­te bis hin zu Da­ten­bank­ver­bin- dun­gen oder Druck­aus­ga­be und PDF-Er­stel­lung. Das zeigt, wie kom­plex die An­wen­dungs­mög­lich­kei­ten sind, auch wenn Sie zu Be­ginn mit nur we­ni­gen Be­feh­len aus­kom­men. Klar, dass auch al­le klas­sisch-kla­ren Struk­tu­ren wie IF-Be­din­gun­gen, FOR- und WHILE-Schlei­fen, SWITCH CA­SE und all das, was ei­ne leis­tungs­fä­hi­ge Pro­gram­mier­spra­che braucht, vor­han­den sind, nur klingt es bei LiveCode al­les im­mer ein we­nig mehr nach na­tür­li­cher Spra­che. Das möch­ten Sie nach ge­wis­ser Ei­n­ar­bei­tung gar nicht mehr mis­sen, denn Sie kön­nen sich da­durch Kom­men­ta­re in den Skrip­ten tat­säch­lich oft spa­ren.

Eben­falls ist LiveCode im bes­ten Sin­ne ob­jekt­ori­en­tiert – auf ei­ne Wei­se, die auch Ein­stei­gern klar­macht, was es mit Ob­jek­ten, In­stan­zen, Mes­sa­ges und Ver­er­bung auf sich hat – oh­ne dass Sie die­se Be­grif­fe da­zu ken­nen müs­sen: Al­les ist an­schau­lich und so­fort ver­ständ­lich. Vor al­lem kön­nen Sie es je­der­zeit aus­pro­bie­ren, so­zu­sa­gen „on the fly”.

EIN TASCHENRECHNER ALS BEI­SPIEL

An­hand ei­nes sim­plen Ta­schen­rech­ners möch­te ich Ih­nen kurz zei­gen, wie das Bau­en ei­ner App in LiveCode vor sich geht. Wir be­gin­nen mit ei­nem neu­en St­ack (so heißt das Pro­gramm­fens­ter in LiveCode): FILE – NEW ST­ACK – DEFAULT SI­ZE. Das Fens­ter, das sich jetzt öff­net, ist noch leer – hier soll die App ent­ste­hen. Mit den bei­den obe­ren Pfei­len in der senk­rech­ten Tool-Leis­te kön­nen Sie zwi­schen Be­ar­bei­tungs- und Li­ve-Mo­dus um­schal­ten.

Für ei­nen Taschenrechner be­nö­ti­gen Sie But­tons und ein Dis­play. Zie­hen Sie den obe­ren der bei­den But­tons aus der Tool-Leis­te ins Pro­gramm­fens­ter. Sie kön­nen ihn jetzt auf die ge­wünsch­te Grö­ße ska­lie­ren und dop­pel­kli­cken. Dar­auf­hin öff­net sich der Pro­per­ty In­spec­tor, mit des­sen Hil­fe Sie al­le Ei­gen­schaf­ten des But­tons set­zen kön­nen. Mit dem Stift-Rei­ter öff­nen Sie die Farbsei­te – wäh­len Sie hier zum Bei­spiel ei­nen schwar­zen Hin­ter­grund (Back­ground Fill) und ei­ne wei­ße Text­far­be (Text Fill). Dann noch ei­ne pas­sen­de Text­grö­ße im Zei­chen­me­nü (Text Si­ze), zum Bei­spiel 30 und fett. Auf dem ganz lin­ken Haupt­rei­ter des Pro­per­ty In­spec­tors schrei­ben Sie in das Feld La­bel die Zahl 1 – und dann ist schon ein ers­ter But­ton fer­tig. Selbst­ver­ständ­lich kön­nen Sie

ihn mit den Bord­mit­teln von LiveCode (Far­ben, Rah­men, Schlag­schat­ten, Schein nach au­ßen) noch wei­ter nach Ih­rem Ge­schmack sty­len. Pro­fis er­stel­len sich bei Be­darf ihr ei­ge­nes Tas­ten­lay­out in Pho­to­shop oder Il­lus­tra­tor und im­por­tie­ren die Gra­fik in den But­ton. Wenn der But­ton fer­tig ist, wäh­len Sie ihn ein­fach mit der Maus aus und ko­pie­ren ihn 14-mal; schon sind ge­nü­gend Tas­ten für ei­nen Taschenrechner vor­han­den, die Sie auf dem Fens­ter ver­tei­len kön­nen. Je­de er­hält ei­ne an­de­re Zahl als La­bel, da­zu die Zei­chen +,–, /, * und =. Durch Dop­pel­klick in ei­nen lee­ren Teil des Pro­gramm­fens­ters kön­nen Sie auch die Hin­ter­grund­far­be des gan­zen Fens­ters an­pas­sen – es muss ja nicht grau sein.

Jetzt fehlt nur noch ein Dis­play. Da­zu ver­wen­den Sie ein Text­feld (Field) aus der Tool-Leis­te und zie­hen es auf Ihr Pro­gramm­fens­ter. Brin­gen Sie es auf ei­ne pas­sen­de Grö­ße und star­ten Sie auch hier durch Dop­pel­klick den Pro­per­ty In­spec­tor. Als Far­be könn­ten Sie ein schwa­ches Matt­grün wäh­len, der Ef­fekt „In­ner Sha­dow” lässt das Dis­play plas­tisch er­schei­nen. Als Text­grö­ße viel­leicht 25. Set­zen Sie auf dem ers­ten Rei­ter des In­spec­tors auch noch die Ei­gen­schaft „Lock Text” ak­tiv (wich­tig!) und schrei­ben Sie als selbst ge­wähl­ten Na­men für das Field „dis­play” hin­ein. Noch et­was Fein­a­n­ord­nung, und da­mit steht das Be­di­en­feld des Ta­schen­rech­ners schon – und sieht nicht schlecht aus (Abb. 2).

Schal­ten Sie in den Li­ve-Mo­dus (lin­ker Pfeil oben auf der ToolLeis­te), las­sen sich be­reits al­le Tas­ten sicht­bar her­un­ter­drü­cken, aber es pas­siert noch nichts. Na­tür­lich nicht, denn jetzt muss noch pro­gram­miert wer­den. Wir ge­hen da­für zu­rück in den EditMo­dus (rech­ter Pfeil oben auf der Tool-Leis­te).

Be­schrän­ken wir uns auf die Gr­und­funk­tio­na­li­tät: Wenn ei­ne der Tas­ten (au­ßer dem Gleich­heits­zei­chen) ge­drückt wird, wird das, was als La­bel auf der Tas­te steht, ans En­de des Tex­tes im Dis­play ge­schrie­ben. Auf die­se Wei­se steht die ge­wünsch­te Re­chen­auf­ga­be dann nach und nach im Dis­play. Beim Drü­cken des =-Zei­chens soll dann die Auf­ga­be im Dis­play aus­ge­rech­net und das Er­geb­nis an­ge­zeigt wer­den.

DAS SKRIPTFENSTER

Kli­cken Sie mit der rech­ten Maus­tas­te auf ei­ne der Zah­len-Tas­ten und wäh­len Sie „Edit Script”. Jetzt öff­net sich der Skrip­te­di­tor – und hier wer­den die Skrip­te für das je­wei­li­ge Ob­jekt ein­ge­tra­gen. Es steht be­reits da: „on mou­seUp” und „end mou­seUp”. Das be­deu­tet: Al­les, was zwi­schen die­sen Zei­len steht, wird aus­ge­führt, wenn Sie mit der Maus auf das Ob­jekt kli­cken (oder wenn das Ob­jekt auf dem Mo­bil­ge­rät an­ge­tippt wird). Wir schrei­ben den fol­gen­den Co­de zwi­schen die bei­den Zei­len (Abb. 4).

Das ist al­les. Die­ser Be­fehl macht ge­nau, was er sagt: Er bringt das La­bel (die Auf­schrift) des ge­drück­ten But­tons ins Dis­play – und zwar hin­ter die vor­han­de­nen Zei­chen („af­ter”). Die­ses Skript ko­pie­ren Sie ein­mal und fü­gen es dann nach­ein­an­der in al­le But­tons (au­ßer dem Gleich­heits­zei­chen) als Skript ein. Es gä­be zwar für er­fah­re­ne Pro­gram­mie­rer ei­nen noch ein­fa­che­ren Weg, bei dem das Skript nur ein­mal ge­schrie­ben wer­den muss, aber zum bes­se­ren Ver­ständ­nis der Grund­la­gen emp­feh­le ich hier, es ein­mal so zu ma­chen. An­schlie­ßend kli­cken Sie die „Ap­p­ly”-Tas­te im Skriptfenster oder Sie spei­chern das gan­ze Pro­jekt ab. Da­nach sind al­le ein­ge­ge­be­nen Skrip­te au­to­ma­tisch ak­tiv.

Ge­hen Sie in den Li­ve-Mo­dus und kli­cken Sie auf die Zah­len­tas­ten. Sie se­hen, wie sich das Dis­play füllt und die ge­wünsch­te Re­chen­auf­ga­be an­zeigt. Nun brau­chen wir nur noch zwei Funk­tio­nen: Zu­nächst das Lee­ren der An­zei­ge für ei­ne neue Auf­ga­be. Kli­cken Sie rechts auf das Dis­play und schrei­ben Sie fol­gen­den Co­de hin­ein:

Das er­klärt sich ziem­lich von selbst, oder? Beim Klick auf das Dis­play wird es ge­leert („em­pty” hin­ein­ge­tan). Und nun noch der Co­de für das Gleich­heits­zei­chen, um das Er­geb­nis zu be­rech­nen: Öff­nen Sie den Skrip­te­di­tor für die „Gleich”-Tas­te und schrei­ben Sie fol­gen­de Zei­le zwi­schen die bei­den vor­han­de­nen Zei­len:

Auch das ist nicht schwer zu ver­ste­hen: Der „va­lue”, al­so der be­rech­ne­te Wert aus dem In­halt des Dis­play­felds, wird ins Dis­play­feld ge­schrie­ben. Oder an­ders ge­sagt: Die Re­chen­auf­ga­be, die im Dis­play­feld steht, wird aus­ge­rech­net und das Er­geb­nis dann wie­der­um im Dis­play­feld an­ge­zeigt. Fer­tig ist der Taschenrechner. Sie kön­nen da­mit be­reits al­le Auf­ga­ben mit Grund­re­chen­ar­ten zu­ver­läs­sig be­rech­nen, und die Auf­ga­be wird da­zu bei der Ein­ga­be auch noch voll­stän­dig im Dis­play an­ge­zeigt (Abb. 3).

SCHNEL­LE ERFOLGSERLEBNISSE

Mit et­was Übung kön­nen Sie solch ein Pro­gramm si­cher­lich in nur zehn Mi­nu­ten er­stel­len – mit nur drei un­ter­schied­li­chen Co­de­zei­len, die zu­dem leicht ver­ständ­lich sind. Na­tür­lich wür­den Sie den

Taschenrechner, wenn Sie ihn öf­fent­lich ver­brei­ten woll­ten, noch et­was wei­ter aus­bau­en. Zum Schluss könn­ten Sie die­ses Pro­jekt in ein ei­gen­stän­di­ges Desk­top-Pro­gramm für Mac, Win­dows oder Li­nux um­set­zen. Das geht mit nur we­ni­gen Klicks, nach­dem Sie ein paar In­for­ma­tio­nen über Pro­gramm­na­me, Icon usw. ergänzt ha­ben. Oder Sie kön­nen das Pro­gramm als App für An­dro­id oder iOS auf mo­bi­le Ge­rä­te brin­gen. Das geht auch in der Re­gel, oh­ne dass Sie den Pro­gramm­code ver­än­dern müss­ten. Al­len­falls op­tisch wür­den Sie viel­leicht die Grö­ße des Fens­ters an­pas­sen oder die Zei­chen­grö­ßen für das je­wei­li­ge Dis­play op­ti­mie­ren. Ver­schie­de­ne Ska­lie­rungs­funk­tio­nen für die un­ter­schied­li­chen Bild­schirm­for­ma­te sind schon in LiveCode ent­hal­ten. Für die Er­stel­lung gül­ti­ger mo­bi­ler Apps ist es al­ler­dings er­for­der­lich, die je­wei­li­gen SDKs (für Ja­va, An­dro­id oder iOS) zu in­stal­lie­ren und die Pro­ze­du­ren zu durch­lau­fen, die App­le bzw. Goog­le für die Zer­ti­fi­zie­rung und Li­zen­sie­rung auf mo­bi­len Ge­rä­ten vor­ge­se­hen ha­ben. LiveCode ver­ein­facht auch dies, aber ei­ni­ge Vor­gän­ge sind nicht zu um­ge­hen.

Auf­grund der Ein­fach­heit von LiveCode wird viel­leicht deut­lich, war­um sich das Sys­tem so gut da­für eig­net, das Pro­gram­mie­ren zu er­ler­nen: Der Weg zu ei­ge­nen Er­folgs­er­leb­nis­sen ist recht kurz. Von der Idee zur funk­tio­nie­ren­den De­mo­ver­si­on ei­nes Pro­gramms sind es oft nur ein paar über­sicht­li­che Schrit­te, und al­les ge­schieht in­ner­halb ei­ner Ober­flä­che, oh­ne dass Sie zwi­schen ver­schie­de­nen Pro­gram­men wech­seln müs­sen.

Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Wo aber sind die Gren­zen von LiveCode? Was kön­nen Sie mit LiveCode ma­chen und was nicht? Er­fah­re­ne LiveCode-Pro­gram­mie­rer wür­den viel­leicht sa­gen: Im Grun­de lässt sich da­mit al­les ma­chen. Vie­les ganz ein­fach, man­ches mit mehr Auf­wand. LiveCode be­schränkt sich kei­nes­wegs auf Mi­ni-Apps oder Übungs­pro­gram­me. LiveCode ist de­fi­ni­tiv auch für die Um­set­zung von klei­ne­ren oder grö­ße­ren Kun­den­pro­jek­ten nach heu­ti­gen An­for­de­run­gen ge­eig­net. Es kann lo­cker mit um­fang­rei­chen Da­ten­ban­ken wie et­wa MySQL oder SQ­li­te für Wör­ter­bü­cher, Ka­len­der, Kun­den- oder Pro­dukt­ver­wal­tun­gen um­ge­hen, kann Gra­fi­ken für Spie­le oder Prä­sen­ta­tio­nen flüs­sig ani­mie­ren, kann sehr ein­fach In­hal­te aus Web­sei­ten le­sen, aus­wer­ten und schrei­ben oder mit an­de­ren Ge­rä­ten kom­mu­ni­zie­ren, Sen­so­ren und In­hal­te mo­bi­ler Ge­rä­te aus­le­sen und ver­ar­bei­ten. LiveCode ist ge­rüs­tet für die meis­ten Auf­ga­ben, die heut­zu­ta­ge an Apps und Pro­gram­me ge­stellt wer­den.

Ge­wiss, LiveCode ist ein In­ter­pre­ter (ähn­lich wie Ja­vaS­cript), und die Per­for­mance ist si­cher­lich nicht da­für aus­ge­legt, da­mit neue Be­triebs­sys­te­me zu schrei­ben, 3D-En­gi­nes zu ent­wer­fen oder Hoch­leis­tungs­ma­schi­nen zu kon­trol­lie­ren. Sie reicht aber für die all­täg­li­chen und heu­te ge­frag­ten An­wen­dungs­ge­bie­te mehr als aus, denn ex­tre­me Ge­schwin­dig­keit ist meis­tens nicht das Pro­blem ak­tu­el­ler Soft­ware. Viel wich­ti­ger ist es, Pro­jek­te zü­gig, über­sicht­lich und so­li­de ent­wi­ckeln und oh­ne gro­ßen Zu­satz­auf­wand auf meh­re­ren Platt­for­men an­bie­ten zu kön­nen. Das ge­nau er­mög­licht LiveCode – Zei­ter­spar­nis, schnel­le prä­sen­tier­ba­re Pro­to­ty­pen, die von dort aus oh­ne Um­weg auch zur Ap­pS­to­reRei­fe wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kön­nen, wäh­rend der Kun­de je­der­zeit die Zwi­schen­er­geb­nis­se an­hand sei­ner Win­dows- oder Mac-stand-alo­ne-Fas­sung tes­ten kann.

Mit der kos­ten­lo­sen Open-Sour­ce-Fas­sung, die in der Funk­tio­na­li­tät un­ein­ge­schränkt ist, lässt sich das Sys­tem be­quem er­ler­nen – und da­mit ent­wi­ckel­te Apps kön­nen im Rah­men des OpenSour­ce-Ab­kom­mens auch kos­ten­frei an­ge­bo­ten und verbreitet wer­den. Wer mit LiveCode er­stell­te Soft­ware ge­winn­brin­gend ver­kau­fen möch­te, steigt dann auf die kom­mer­zi­el­le Ver­si­on um (ab 999 US-Dol­lar pro Jahr, oft auch güns­ti­ger bei Ra­batt-Ak­tio­nen), die es er­mög­licht, ei­ge­ne Pro­gram­me in den Ap­pS­to­res oder an­ders­wo zu ver­mark­ten.

LiveCode ist in Deutsch­land nach wie vor fast un­be­kannt. Das könn­te sich aber bald än­dern, denn LiveCode deckt zwei­fel­los ei­nen Be­darf ab, für den es in die­ser Form we­nig Al­ter­na­ti­ven gibt. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie zum Bei­spiel auf livecode-blog. de oder auf den of­fi­zi­el­len (eng­lisch­spra­chi­gen) LiveCode-Sei­ten.

Hau­ke Fehr ist stu­dier­ter Sprach- und Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler und ar­bei­tet seit 18 Jah­ren haupt­säch­lich als Soft­ware­ent­wick­ler mit ei­ge­ner Fir­ma (die Kun­den­auf­trä­ge um­setzt, aber auch ei­ge­ne Pro­duk­te ent­wi­ckelt) so­wie als Pro­gram­mier­trai­ner und Au­tor [fehr-me­dia.de]. Er lebt mit sei­ner Fa­mi­lie in Ber­lin.

Abb. 1: Bun­te Ele­men­te sind mit we­ni­gen Klicks plat­ziert.

Abb. 2: Das Lay­out des Ta­schen­rech­ners ist fer­tig.

Abb. 3: Der fer­ti­ge Rech­ner

Abb. 4: Der Skrip­te­di­tor mit But­ton-Skript

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