Stol­per­fal­le AGB

SCREENGUIDE - - Inneres - TEXT: Tanya Star­i­radeff

Häu­fi­ge Feh­ler in All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen

Rechts­si­che­re AGB für den On­li­ne-Han­del wün­schen sich al­le An­bie­ter und stel­len schnell fest, dass dies kei­ne leich­te Auf­ga­be ist. Auf dem Weg da­hin lau­ern vie­le Stol­per­fal­len – von der Ver­su­chung, frem­de AGB zu ko­pie­ren, über un­zu­läs­si­ge Klau­seln bis hin zu Wi­der­sprü­chen zu sons­ti­gen In­for­ma­tio­nen im On­li­ne-Shop. Vie­le der häu­figs­ten Feh­ler las­sen sich je­doch leicht ver­mei­den.

Als Händ­ler stel­len Sie sich ge­ra­de bei der Er­öff­nung Ih­res On­li­ne-Shops die Fra­ge, ob Sie All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen über­haupt brau­chen. Die Ant­wort mag über­ra­schend sein: Ei­ne Pflicht zur Ver­wen­dung von AGB gibt es nicht. Die Par­tei­en müs­sen nur den Ge­gen­stand des Ver­tra­ges, al­so Kauf­sa­che und Preis, be­stim­men. Al­les an­de­re re­gelt das Ge­setz. Pro­ble­ma­tisch ist je­doch, dass die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen häu­fig un­voll­stän­dig sind und die Be­son­der­hei­ten ge­ra­de in­no­va­ti­ver Ge­schäfts­mo­del­le nicht be­rück­sich­ti­gen. Da­zu kommt, dass vie­le Pflicht­an­ga­ben aus dem Fern­ab­satz­recht und dem E-Com­mer­ceRecht ih­rer Na­tur nach kei­ne blo­ßen In­for­ma­tio­nen wie z.B. die An­bie­ter­kenn­zeich­nung, son­dern oh­ne­hin ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen dar­stel­len. Da­zu zäh­len z.B. et­wai­ge Ver­sand­kos­ten, die Zah­lungs­be­din­gun­gen oder die Min­dest­lauf­zeit ei­nes Ver­trags. In der Pra­xis bie­tet Ih­nen die Ver­wen­dung von AGB nicht nur die Mög­lich­keit, der­ar­ti­ge In­for­ma­tio­nen ge­bün­delt dar­zu­stel­len, son­dern auch die Ge­le­gen­heit, von den Ih­nen ge­setz­lich zu­ste­hen­den Spiel­räu­men Ge­brauch zu ma­chen und Ih­re Po­si­ti­on zu ver­bes­sern. Gleich­zei­tig stellt die Er­stel­lung der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen ei­ne Stol­per­fal­le für vie­le Händ­ler dar. Nicht zu­letzt we­gen der hier­mit ein­her­ge­hen­den Ab­mahn­ge­fahr. Denn un­wirk­sa­me AGB-Klau­seln be­grün­den nach der ak­tu­el­len Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) ei­nen Wett­be­werbs­ver­stoß. Ein­zel­ne Be­stim­mun­gen sind u.a. dann un­wirk­sam, wenn sie den Kun­den ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung kann sich auch dar­aus er­ge­ben, dass die Be­stim­mung nicht klar und ver­ständ­lich ist (§ 307 Abs. 1 BGB). Im Fol­gen­den fin­den Sie ei­ni­ge der häu­figs­ten Feh­ler in All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen für den On­li­ne-Han­del – zu­sam­men mit ent­spre­chen­den pra­xis­re­le­van­ten Tipps, wie Sie die­se ver­mei­den kön­nen.

KO­PIE­REN SIE KEI­NE FREM­DEN AGB

Die Er­stel­lung ei­ge­ner AGB ist häu­fig schwie­rig, kos­tet meis­tens Geld und ist je nach Ein­zel­fall un­ter­schied­lich auf­wen­dig. Vie­le On­li­ne-Händ­ler zie­hen es da­her vor, sich das Geld zu spa­ren und die All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen von ei­nem an­de­ren Shop zu über­neh­men. Da­her eta­blie­ren sich in man­chen Bran­chen auch be­stimm­te Klau­seln, oh­ne dass die­se je von ei­nem Rechts­an­walt ge­prüft wur­den. Al­ler­dings lau­fen Sie in die­sem Fall Ge­fahr, in ei­ne dop­pel­te Ab­mahn­fal­le zu tap­pen.

Frem­de AGB sind ein ho­hes Ri­si­ko: Von der Ver­wen­dung frem­der AGB kön­nen wir nur drin­gend ab­ra­ten. Die­se kön­nen Sie teu­er zu ste­hen kom­men. Sie sind zu­nächst der Ge­fahr der Nut­zung un­zu­läs­si­ger Klau­seln aus­ge­setzt. Auf­grund der Kom­ple­xi­tät der Rechts­la­ge dürf­ten Sie nur schwer er­ken­nen kön­nen, ob die AGB un­zu­läs­si­ge Klau­seln ent­hal­ten wie z.B. ei­ne un­zu­läs­si­ge Rü­ge­pflicht im Ver­hält­nis zum Ver­brau­cher oder ei­ne un­zu­läs­si­ge Ein­schrän­kung von Ge­währ­leis­tung und Haf­tung. Der Er­fah­rung nach ist auch die Nut­zung von AGB pro­mi­nen­ter An­bie­ter kei­ne Ga­ran­tie für die Zu­läs­sig­keit der Klau­sel. Das Pa­ra­de­bei­spiel dürf­te Ama­zon sein, des­sen AGB von deut­schen Ge­rich­ten schon häu­fi­ger ver­wor­fen wur­den. Zu­dem stellt sich die Fra­ge nach der Ak­tua­li­tät der AGB. Al­lein seit 2008 er­folg­ten fünf grund­le­gen­de No­vel­lie­run­gen im Be­reich des E-Com­mer­ce- und Fern­ab­satz­rechts. Da­zu kom­men die Än­de­run­gen des all­ge­mei­nen Zi­vil­rechts. AGB sind ur­he­ber­recht­lich ge­schützt: AGB sind ein ge­schütz­tes Werk nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 Ur­hG, wenn sie sich we­gen ih­res ge­dank­li­chen Kon­zepts oder ih­rer sprach­li­chen Fas­sung von ge­bräuch­li­chen ju­ris­ti­schen Stan­dard­for­mu­lie­run­gen ab­he­ben (vgl. nur OLG Köln, Urt. v. 27.02.2009, 6 U 193/08). Wann die Schwel­le über­schrit­ten ist, ist wie so häu­fig ei­ne Fra­ge des Ein­zel­falls, was durch ju­ris­ti­sche Lai­en schwer zu be­ur­tei­len ist. Mi­t­hin müs­sen Sie beim un­er­laub­ten Ko­pie­ren stets mit ei­ner Ab­mah­nung durch den An­walt rech­nen, der die AGB er­stellt hat (§ 97 Abs. 2 Satz 3 Ur­hG). In die­sem Fall müss­ten Sie aber nicht nur die Ab­mahn­kos­ten tra­gen. Dem Rechts­an­walt steht auch noch ein Scha­den­er­satz­an­spruch in Hö­he der (fik­ti­ven) Li­zenz­ge­büh­ren zu (AG Köln, Urt. v. 08.08.2013, 137 C 568/12). Schließ­lich kom­men auch die Kos­ten für die Er­stel­lung neu­er AGB da­zu. Denn der Ab­mah­nung dürf­te im Re­gel­fall auch ei­ne Un­ter­las­sungs­er­klä­rung bei­ge­fügt sein. Tipp: Kei­ne Lö­sung ist es, die frem­den AGB selbst um­zu­for­mu­lie­ren. Da­durch könn­ten Sie zwar ei­ne Ver­let­zung des Ur­he­ber­rechts ver­mei­den, die Ge­fahr, dass Ih­re AGB im Er­geb­nis (wei­ter­hin) un­zu­läs­si­ge Ver­ein­ba­run­gen ent­hal­ten, bleibt je­doch be­ste­hen. Die si­chers­te Va­ri­an­te ist es, Ih­re AGB von ei­nem spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­walt er­stel­len zu las­sen. Bei ein­fa­chen Ge­schäfts­mo­del­len (z.B. aus­schließ­li­cher Wa­ren­ver­kauf an End­kun­den) kön­nen Sie auch auf Mus­ter­for­mu­lie­run­gen zu­grei­fen. Sie soll­ten je­doch kei­ne un­ge­prüf­ten Mus­ter aus dem In­ter­net ver­wen­den. Ach­ten Sie dar­auf, dass der An­bie­ter die Haf­tung für sei­ne Tex­te über­nimmt bzw. dass Sie die Vor­aus­set­zun­gen für ih­re Nut­zung er­fül­len. Denn der Han­del mit Le­bens­mit­teln oder FSK-18-Pro­duk­ten läuft an­ders ab als der Han­del mit Elek­tro­ge­rä­ten oder Mö­beln.

VER­MEI­DEN SIE WI­DER­SPRÜ­CHE ZU SONS­TI­GEN INFORMATIONSQUELLEN

Die Pra­xis zeigt, dass vie­le On­li­ne-Händ­ler Schwie­rig­kei­ten bei der Darstel­lung der In­for­ma­tio­nen in ih­rem On­li­ne-Shop ha­ben. Dies ist bei der Fül­le an Pflicht­an­ga­ben kein Wun­der. Die An­ga­ben in den AGB dür­fen nicht im Wi­der­spruch zu den An­ga­ben auf Kun­den­in­for­ma­ti­ons­sei­te oder sons­ti­gen Informationsquellen wie z.B. ei­ner Be­stä­ti­gungs-E-Mail ste­hen. Denn Un­klar­hei­ten und Wi­der­sprü­che ge­hen meist zu Ih­ren Las­ten. Be­son­ders deut­lich wird dies an der Ver­trags­schluss­klau­sel. Als On­li­ne-Händ­ler müs­sen Sie den Kun­den dar­über in­for­mie­ren, wel­che Schrit­te im Rah­men des Be­stell­pro­zes­ses zum Ver­trags­schluss füh­ren. Ein Ver­trag kommt durch An­ge­bot und An­nah­me zu­stan­de. Der Händ­ler kann die Wa­ren­prä­sen­ta­ti­on in sei­nem On­li­ne-Shop für un­ver­bind­lich er­klä­ren. Der Kun­de gibt durch sei­ne Be­stel­lung ein ver­bind­li­ches An­ge­bot ab, das von dem Händ­ler ge­son­dert per E-Mail an­ge­nom­men wird. Denk­bar ist auch die um­ge­kehr­te Va­ri­an­te: Die Wa­ren­prä­sen­ta­ti­on im On­li­ne-Shop stellt be­reits ein ver­bind­li­ches An­ge­bot dar. Der Kun­de nimmt die­ses An­ge­bot durch sei­ne Be­stel­lung an. Die­se Va­ri­an­te ist z.B. bei Ver­trags­schlüs­sen über eBay ge­ge­ben. Grund­sätz­lich kann sich der Händ­ler frei ent­schei­den. Und ge­ra­de hier liegt die Ge­fah­ren­quel­le: Dies gilt nicht un­ein­ge­schränkt. Da der Ver­trag die Grund­la­ge für die Pflich­ten der Par­tei­en bil­det, dür­fen Sie vom Kun­den kei­ne Zah­lung ver­lan­gen, be­vor der Ver­trag zu­stan­de ge­kom­men ist. Ge­nau­so wie Sie oh­ne Ver­trag nicht lie­fern müs­sen. Mit an­de­ren Wor­ten – ver­lan­gen Sie als Händ­ler Zah­lung, so darf der Kun­de dies als An­nah­me sei­ner Be­stel­lung ver­ste­hen (AG Die­burg, Ur­teil v. 21.02.2005, 22 C 425/04). Der Ver­trag kommt da­durch zu­stan­de. Dies wirkt sich ins­be­son­de­re bei den Zah­lungs­mit­teln aus, die ei­ne so­for­ti­ge Zah­lung er­mög­li­chen (z.B. So­fort­über­wei­sung, Gi­ro­pay etc). Wird die Zah­lungs­trans­ak­ti­on ein­ge­lei­tet, so ist (auch) der Händ­ler an den Ver­trag ge­bun­den. Ähn­lich ver­hält es sich bei der Zah­lung per Vor­kas­se: So­bald Sie den Kun­den un­ter Hin­weis auf sei­ne Bank­da­ten zur Zah­lung auf­ge­for­dert ha­ben, ha­ben Sie sich mit dem An­ge­bot des Kun­den ein­ver­stan­den er­klärt. Dies gilt un­ab­hän­gig da­von, ob Sie sich in Ih­ren AGB vor­be­hal­ten ha­ben, die An­nah­me noch ge­son­dert per E-Mail zu er­klä­ren. Denn die AGB kom­men nur dann zur Gel­tung, wenn der Ver­trag zu­stan­de kommt. Die Ver­trags­schluss­klau­sel muss die­se Kon­stel­la­ti­on ab­bil­den. Die Recht­spre­chung hat be­reits jeg­li­che Um­ge­hungs­ver­su­che für un­zu­läs­sig er­klärt (OLG Frank­furt a.M., Be­schluss v. 29.08.2012, 6 W 84/12). Tipp: Prü­fen Sie, wann Sie den Kun­den zur Zah­lung auf­for­dern bzw. wann die Zah­lungs­trans­ak­ti­on (ge­ge­be­nen­falls von dem Zah­lungs­diens­te­an­bie­ter) ein­ge­lei­tet wird. Die­ser Zeit­punkt kann von Zah­lungs­art zu Zah­lungs­art un­ter­schied­lich aus­fal­len. In die­sem Fall ha­ben Sie zwei Mög­lich­kei­ten: • Sie kön­nen sich al­so für ei­ne Ver­trags­schluss­re­ge­lung ent­schei­den, die zwi­schen den ver­schie­de­nen Zah­lungs­ar­ten dif­fe­ren­ziert. • Sie kön­nen aber auch den Ver­trags­schluss ein­heit­lich ge­stal­ten,

in­dem Sie sich mit Auf­stel­len ei­nes An­ge­bots bin­den. Die zwei­te Va­ri­an­te ist si­cher­lich trans­pa­ren­ter und kann – wie das Ge­schäfts­mo­dell von eBay zeigt – sehr gut funk­tio­nie­ren. Sie er­scheint auf den ers­ten Blick je­doch nach­tei­li­ger für den

Händ­ler: Der Ver­trag kommt be­reits mit Ein­gang der Be­stel­lung zu­stan­de. Kann er die be­stell­te Wa­re nicht lie­fern, muss er un­ter Um­stän­den Scha­den­er­satz leis­ten. Bei der ers­ten Va­ri­an­te ha­ben Sie die­se Pro­ble­me auf den ers­ten Blick nicht. Sie kön­nen die Lie­fer­bar­keit der Wa­re nach Ein­gang der Be­stel­lung al­ler­dings auch hier nicht prü­fen, wenn Sie die An­nah­me durch die au­to­ma­ti­sche Ein­gangs­be­stä­ti­gung er­klä­ren oder wenn der Kun­de so­fort, z.B. per So­fort­über­wei­sung, den Kauf­preis zahlt. Zu­dem müs­sen Sie auf je­de For­mu­lie­rung in Ih­ren E-Mails ach­ten.

Wei­ter­hin soll­ten Sie Ih­re wei­te­ren In­for­ma­ti­ons­ka­nä­le über­prü­fen. Häu­fig for­dern die Händ­ler ins­be­son­de­re bei der Zah­lungs­art Vor­kas­se den Kun­den be­reits in der Ein­gangs­be­stä­ti­gung zur Zah­lung auf, was zu ei­nem „ver­se­hent­li­chen” Ver­trags­schluss führt. Sol­che Wi­der­sprü­che zwi­schen AGB und dem tat­säch­li­chen Pro­zess sind – wie er­wähnt – eben­falls ab­mahn­ge­fähr­det.

5 KLAU­SELN, DIE SIE NICHT VER­WEN­DEN DÜR­FEN

In den meis­ten Fäl­len sind je­doch ein­zel­ne Klau­seln Ge­gen­stand von ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Fol­gen­de Klau­seln dür­fen Sie in B2C-Ver­trä­gen nicht ver­wen­den:

Un­ver­bind­lich­keit der Lie­fer­fris­ten: Ge­mäß Art. 246a § 1 Abs. 1 S. 1 Nr. 7 EGBGB ist der Ver­brau­cher u.a. über „den Ter­min, bis zu dem der Un­ter­neh­mer die Wa­ren lie­fern oder die Di­enst­leis­tung er­brin­gen muss” zu in­for­mie­ren. An­ders als der deut­sche Wort­laut ver­mu­ten lässt, ist hier zwar kein kon­kre­tes Da­tum an­zu­ge­ben. Ei­ne Klau­sel wie „An­ga­ben über die Lie­fer­fris­ten sind un­ver­bind­lich, so­weit nicht aus­nahms­wei­se der Lie­fer­ter­min ver­bind­lich und schrift­lich zu­ge­sagt wur­de” ist aber un­zu­läs­sig (OLG Frank­furt a.M., Ur­teil v. 10.11.2005, 1 U 127/05).

Ge­fahr­tra­gung bei Ver­sand: Bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen mit Ver­brau­chern trägt der Händ­ler von Ge­set­zes we­gen die Ge­fahr des Un­ter­gangs der Wa­re (§ 474 Abs. 4 BGB). Wird hier­von in den AGB ab­ge­wi­chen (z.B. durch die Klau­sel „Wir schul­den nur die recht­zei­ti­ge, ord­nungs­ge­mä­ße Ablie­fe­rung der Wa­re an das Trans­por­tun­ter­neh­men […].”), stellt dies ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ver­brau­chers dar (BGH, Ur­teil v. 06.11.2013, VIII ZR 353/12).

Rü­ge­frist bei Män­geln: Bei je­der Ein­schrän­kung des ge­setz­li­chen Män­gel­haf­tungs­rechts ist Vor­sicht ge­bo­ten. Ins­be­son­de­re kön­nen Ver­brau­cher nicht da­zu ver­pflich­tet wer­den, die be­stell­te Wa­re so­fort auf Män­gel zu un­ter­su­chen. Ei­ne sol­che Klau­sel ver­stößt ge­gen § 475 Abs. 1 BGB (OLG Hamm, Ur­teil v. 24.05.2012, I-4 U 48/12). Auch wenn der Ver­brau­cher die Ver­pa­ckung ei­nes Pro­dukts erst nach ei­nem Mo­nat öff­nen wür­de und erst dann ei­nen Man­gel fest­stellt, hat dies kei­ne Aus­wir­kun­gen auf sei­ne Män­gel­haf­tungs­rech­te.

Sal­va­to­ri­sche Klau­seln: Häu­fig en­den AGB in On­li­ne-Shops mit ei­ner sal­va­to­ri­schen Klau­sel wie „Die Par­tei­en ver­pflich­ten sich für den Fall der Un­wirk­sam­keit ei­ner Be­stim­mung, sie durch ei­ne an­de­re zu er­set­zen, die dem wirt­schaft­li­chen Zweck der un­wirk­sa­men Be­stim­mung am nächs­ten kommt”. Al­ler­dings wer­den die Kon­se­quen­zen für den Fall, dass ei­ne Be­stim­mung un­wirk­sam ist, be­reits in § 306 Abs. 2 BGB ge­re­gelt: In dem Fall gel­ten die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten. Hier­von kann ge­gen­über Ver­brau­chern nicht ab­ge­wi­chen wer­den. Dies wur­de auch be­reits von meh­re­ren Ge­rich­ten so ent­schie­den (u.a. OLG Frank­furt a.M., Be­schluss v. 27.07.2011, 6 W 55/11).

Schrift­form­klau­sel: Zum 01.10.2016 ist § 309 Nr. 13 BGB in Kraft ge­tre­ten: „Auch so­weit ei­ne Ab­wei­chung von den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten zu­läs­sig ist, ist in All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam […] ei­ne Be­stim­mung, durch die An­zei­gen oder Er­klä­run­gen, die dem Ver­wen­der oder ei­nem Drit­ten ge­gen­über ab­zu­ge­ben sind, ge­bun­den wer­den […] an ei­ne stren­ge­re Form als die Text­form in an­de­ren als den in Buch­sta­be a ge­nann­ten Ver­trä­gen oder […] an be­son­de­re Zu­gangs­er­for­der­nis­se.”

Ei­ne Text­form ist nach § 126b BGB ei­ne les­ba­re Er­klä­rung, in der die Per­son des Er­klä­ren­den ge­nannt ist, auf ei­nem dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger. Un­ter ei­nen „dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger” fal­len z.B. Brief, Fax, E-Mail oder SMS. Ei­ne ei­gen­hän­di­ge Un­ter­schrift ist in die­sen Fäl­len al­so ge­ra­de nicht er­for­der­lich.

For­mu­lie­run­gen, die für be­stimm­te Er­klä­run­gen – wie et­wa ei­ne Ga­ran­tie­er­klä­rung – die Schrift­form vor­se­hen, sind nach § 309 Nr. 13 BGB n.F. un­wirk­sam. Ins­be­son­de­re kann so­mit auch für die Kün­di­gung ei­nes Dau­er­schuld­ver­hält­nis­ses kei­ne stren­ge­re Form als die Text­form mehr ver­langt wer­den. Die Än­de­rung fin­det auf Schuld­ver­hält­nis­se An­wen­dung, die nach dem 30.09.2016 ent­stan­den sind. Soll­ten Sie aber an­de­re AGB ver­wen­den, ist bei Klau­seln wie den fol­gen­den Vor­sicht ge­bo­ten: „Al­le Än­de­run­gen oder Er­gän­zun­gen die­ses Ver­tra­ges be­dür­fen der Schrift­form”, „Die Kün­di­gung des Ver­tra­ges be­darf zu ih­rer Wirk­sam­keit der Schrift­form (ei­gen­hän­di­ge Un­ter­schrift) und ist an fol­gen­de Adres­se zu sen­den […]”, „Die Kün­di­gung ist aus­schließ­lich per Brief­post zu rich­ten an […]”.

BE­SON­DER­HEI­TEN BEI IN­TER­NA­TIO­NA­LEN SHOPS

Ist Ihr On­li­ne-Shop in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­tet, sind Be­son­der­hei­ten zu be­ach­ten. Vie­le wis­sen aber gar nicht, ob dies in ih­rem On­li­ne-Shop über­haupt der Fall ist. Hier­für muss der Un­ter­neh­mer sei­nen Wil­len zum Aus­druck brin­gen, Kun­den in ei­nem be­stimm­ten Staat zu ge­win­nen. Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (Urt. v. 07.12.2010, C-585/08 und C-144/09) hat die fol­gen­den Kri­te­ri­en auf­ge­stellt, die al­ler­dings nicht sche­ma­tisch, son­dern als Ge­samt­wer­tung in Be­tracht zu zie­hen sind:

• An­ga­ben auf der Web­site: z.B. un­ein­ge­schränk­te Län­der­aus­wahl im Be­stell­pro­zess (Drop-down-Box bei der Adressein­ga­be); An­ga­be der Te­le­fon­num­mer mit ei­ner in­ter­na­tio­na­len Vor­wahl; An­fahrts­be­schrei­bung von ei­nem an­de­ren Staat aus • Ge­schäf­te der Ver­gan­gen­heit: sie wer­den durch die Wie­der­ga­be von Kun­den­be­wer­tun­gen von Kun­den aus an­de­ren Staa­ten sicht­bar • Spra­che und Währung: wenn sie um­ge­stellt wer­den kön­nen • Ver­wen­dung ei­ner an­de­ren Top-Le­vel-Do­main als der des Mit­glied­staa­tes, in dem der Un­ter­neh­mer nie­der­ge­las­sen ist • in­ter­na­tio­na­ler Cha­rak­ter der an­ge­bo­te­nen Tä­tig­keit: z.B. be­stimm­te tou­ris­ti­sche Leis­tun­gen

• Wer­bung im Aus­land: z.B. An­zei­gen in Such­ma­schi­nen ver­schie­de­ner Mit­glied­staa­ten

Rich­tet sich Ihr Shop nach den ge­nann­ten Kri­te­ri­en auch auf be­stimm­te Län­der im Aus­land aus, so hat dies zu Fol­ge, dass Sie auch die Rechts­ord­nun­gen die­ser Län­der be­ach­ten müs­sen. Wel­ches Recht im kon­kre­ten Fall an­wend­bar ist, rich­tet sich nach dem In­ter­na­tio­na­len Pri­vat­recht. In­ner­halb des EU-Raums ist für sol­che Fäl­le Art. 6 Abs. 1 der ROM-I Ver­ord­nung maß­geb­lich. Da­nach un­ter­liegt der Ver­trag mit ei­nem Ver­brau­cher grund­sätz­lich dem Recht des Staa­tes, in dem er sei­nen ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt hat.

Ge­gen­über Ver­brau­chern ist ei­ne Rechts­wahl nur ein­ge­schränkt mög­lich. Zwar ist auch aus­drück­lich ge­gen­über Ver­brau­chern ei­ne Rechts­wahl ge­mäß Art. 6 Abs. 2 der Rom-I Ver­ord­nung mög­lich. Die Rechts­wahl muss je­doch den Schutz, den die zwin­gen­den Rechts­vor­schrif­ten des Wohn­sitz­staats den Ver­brau­chern bie­ten, un­be­rührt las­sen. Rechts­wahl­klau­seln, die auf die­se Be­son­der­hei­ten nicht hin­wei­sen, sind un­zu­läs­sig und kön­nen ab­ge­mahnt wer­den. Die­se Auf­fas­sung ver­tre­ten nicht nur die deut­schen (OLG Ol­den­burg, Be­schl. v. 23.09.2014, 6 U 113/14), son­dern auch die eu­ro­päi­schen Rich­ter. So hat der EuGH die Rechts­wahl­klau­sel in den AGB von Ama­zon „Es gilt lu­xem­bur­gi­sches Recht un­ter Aus­schluss des UN-Kauf­rechts.” ver­wor­fen (Urt. v. 28.07.2016, C-191/15).

Tipp: Ob­wohl die Ver­ord­nung zwar die Rechts­wahl zu­lässt, ra­ten wir von ei­ner ent­spre­chen­den Ver­ein­ba­rung in B2C-Ver­trä­gen ab. Zum ei­nen müs­sen Sie dann die frag­li­che Klar­stel­lung stets auf­neh­men. Da­bei lau­fen Sie Ge­fahr, durch ei­ne klei­ne Ab­wei­chung vom Wort­laut der Norm die Rechts­la­ge un­zu­tref­fend wie­der­zu­ge­ben, was wie­der­um ei­ne fal­sche Klau­sel und ein Ab­mahn­ri­si­ko mit sich bringt. Zum an­de­ren dürf­te sie Ih­nen in der Pra­xis kaum Vor­tei­le brin­gen, da sich der Ver­brau­cher nach wie vor auf die zwin­gen­den Nor­men sei­nes Lan­des be­ru­fen kann.

Zu­dem dür­fen Sie sich nicht dar­auf ver­las­sen, dass Ih­re deut­schen AGB we­gen des ho­hen Ver­brau­cher­schutz­ni­veaus hier­zu­lan­de oh­ne Wei­te­res den An­for­de­run­gen der aus­län­di­schen Rechts­ord­nung stand­hal­ten. So sind z.B. be­stimm­te Ein­schrän­kun­gen des Ge­währ­leis­tungs­rechts im B2C-Ver­kehr nach dem deut­schen Recht zu­läs­sig, wäh­rend das ös­ter­rei­chi­sche Recht ei­ne sol­che Mög­lich­keit zu­guns­ten des Händ­lers nicht vor­sieht.

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