STA­BI­LE WÄH­RUNG

SCREENGUIDE - - E-business -

Al­le Full No­des im Bit­co­in-Netz­werk rech­nen da­bei im Wett­be­werb ge­gen­ein­an­der. Wer je­den Hash ge­win­nen will, um die Herr­schaft über die Block­chain zu er­lan­gen, muss al­so schnel­ler rech­nen als das ge­sam­te rest­li­che Netz­werk, was prak­tisch un­mög­lich ist. Ein­zel­ne Pools – gro­ße Netz­wer­ke von Rech­nern, die ge­mein­sam ver­su­chen, die Auf­ga­be zu lö­sen – ha­ben es schon mit ge­ball­ter Re­chen­kraft ge­schafft, sechs Blocks nach­ein­an­der ein­zu­fü­gen. Dann wa­ren aber auch ih­re Gren­zen er­reicht. Ma­the­ma­ti­sche Wahr­schein­lich­kei­ten be­schüt­zen al­so die In­te­gri­tät der Bit­co­in-Block­chain. Trotz­dem wird emp­foh­len, im­mer sechs oder mehr Blöcke ab­zu­war­ten, bis ei­ne Trans­ak­ti­on als gül­tig und ab­ge­schlos­sen gel­ten kann. Bit­co­in-Be­nut­zer, die sich über den Zu­stand der Bit­co­in-Block­chain in­for­mie­ren wol­len, kön­nen da­zu Web­sites wie Blo­ck­ex­plo­rer [goo.gl/hf1T5H] oder Block­chain [goo.gl/ShTLg] be­nut­zen. Das Sys­tem der Bit­co­ins mag so­li­de sein, doch wie sieht es mit der Wäh­rung selbst aus? Droht In­fla­ti­on oder De­fla­ti­on? Wo kom­men Bit­co­ins über­haupt her? Bit­co­ins ent­ste­hen als Lohn für die Ar­beit der Block­chain-Ver­wal­ter. Wem es ge­lingt, ei­ne Hash-Auf­ga­be zu lö­sen, die Trans­ak­tio­nen zu va­li­die­ren und den be­tref­fen­den Block in die Block­chain ein­zu­fü­gen, der wird da­für in Bit­co­ins ent­lohnt. Die­ser Lohn kommt als neu­es Geld in den Um­lauf. Des­halb wer­den die­se Ver­wal­ter auch Mi­ner (Mi­nen­ar­bei­ter) ge­nannt. Sie schür­fen qua­si neue Bit­co­ins. Da­mit die Geld­bäu­me nicht in den Him­mel wach­sen, wird der Bit­co­in-Lohn im Lau­fe der Zeit im­mer ge­rin­ger. Al­le 210.000 Blocks, et­wa al­le vier Jah­re, hal­biert sich der Lohn. Laut Bit­co­in-Wi­ki wer­den zur­zeit pro Block 12,5 Bit­co­in ge­zahlt [goo.gl/oXPEJ]. Ab 2020 gibt es nur noch 6.25 Bit­co­in. Mit die­ser Re­ge­lung ist ab­seh­bar, dass es ir­gend­wann kei­ne Bit­co­ins als Ent­loh­nung mehr ge­ben wird. Und tat­säch­lich ist die Ge­samt­men­ge be­grenzt: Bis zum Jah­re 2140 wird das Sys­tem den letz­ten Bit­co­in aus­ge­ge­ben ha­ben. Dann ist auch die von An­fang an fest­ge­setz­te Ober­gren­ze von 21 Mil­lio­nen Bit­co­in er­reicht. Wem das zu we­nig er­scheint, der muss be­den­ken, dass sich je­der Bit­co­in in 100 Mil­lio­nen Sa­to­shi auf­tei­len lässt. Die­se Geld­men­ge soll­te für die na­he Zu­kunft ge­nü­gen. Doch was pas­siert mit den Mi­nern und ih­rem Bit­co­inLohn? Gibt es ein­mal kei­ne Bit­co­ins mehr fürs Hash-Rech­nen, wer­den ver­mut­lich die Ge­büh­ren für Bit­co­in-Trans­ak­tio­nen stei­gen. Wel­chen An­reiz hät­ten sonst die Mi­ner, ih­re Rech­ner für die Be­rech­nung von Trans­ak­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len? Das Sys­tem Bit­co­in neigt al­so fi­nanz­tech­nisch eher zur De­fla­ti­on als zur In­fla­ti­on. Denn die Men­ge der aus­ge­ge­be­nen Bit­co­ins ist be­grenzt. Gleich­zei­tig ver­liert das Sys­tem im­mer wie­der ein­mal Bit­co­ins, zum Bei­spiel durch fehl­ge­lei­te­te Trans­ak­tio­nen oder ver­lo­ren ge­gan­ge­ne pri­va­te Schlüs­sel.

KLON-KRIEG DER WÄH­RUN­GEN

Seit dem Er­folg von Bit­co­in und ins­be­son­de­re dem Er­folg der Block­chain-Tech­nik ver­meh­ren sich di­gi­ta­le Wäh­run­gen wie die Heu­schre­cken. Die neu­en Wäh­run­gen ver­such­ten ein­zel­ne Aspek­te von Bit­co­in zu ver­bes­sern oder zu­min­dest zu ver­än­dern. Zu den tech­ni­schen De­tails zählt zum Bei­spiel die Geld­po­li­tik. Wie vie­le Wäh­rungs­ein­hei­ten sind von An­fang an vor­han­den (pre­mi­ned)? Kann neu­es Geld ent­ste­hen? Gibt es ei­ne Ober­gren­ze des um­lau­fen­den Gel­des? An­de­re Än­de­run­gen be­tref­fen Smart Contracts. Schon in Bit­co­in ist es mög­lich, durch klei­ne Skript­pro­gram­me den Aus­tausch von Geld „in­tel­li­gen­ter” zu ma­chen, sprich an be­stimm­te Be­din­gun­gen zu bin­den. Die­sen Ge­dan­ken hat Et­he­re­um wei­ter­ent­wi­ckelt [goo.gl/EvMgwn]. Dank ei­ge­ner Pro­gram­mier­spra­che, vir­tu­el­ler Ma­schi­ne (EVM) und Da­tei­sys­tem kön­nen Sie mit Et­he­re­um kom­ple­xe de­zen­tra­le Ap­pli­ka­tio­nen schrei­ben (DApps). Die Et­he­re­um-Ent­wick­ler ver­mark­ten ihr Pro­jekt da­her mehr als Platt­form oder glo­ba­len Su­per­com­pu­ter denn als Wäh­rung. Der Et­her-Co­in (ETH) wird als „Gas” (Ben­zin) be­zeich­net, das den Su­per­com­pu­ter an­treibt. An­ders als bei Bit­co­in gibt es bei Et­he­re­um kei­ne Ober­gren­ze der aus­ge­ge­be­nen Et­her. Al­ler­dings soll die Aus­ga­be­ra­te mit der Zeit sin­ken. De­fi­ni­tiv kann man das aber noch nicht sa­gen, da sich das Sys­tem noch in der Ent­wick­lung be­fin­det. Der nächs­te Mei­len­stein heißt „Me­tro­po­lis”. Et­he­re­um stand bei Re­dak­ti­ons­schluss beim Markt­wert laut Co­in­mar­ke­te­cap auf dem zwei­ten Platz hin­ter Bit­co­in [goo.gl/jp1HMl]. Ripp­le, bei Re­dak­ti­ons­schluss auf Platz 4 der Markt­wert­ta­bel­le, dient wie­der ei­nem an­de­ren Zweck. Es soll den Zah­lungs­ver­kehr zwi­schen den Ban­ken und über Län­der­gren­zen hin­weg er­leich­tern. Bei Ripp­le wur­den al­le 100 Mil­li­ar­den Wäh­rungs­ein­hei­ten (XRP) be­reits am An­fang aus­ge­ge­ben. Neue XRP kom­men nicht hin­zu, es gibt auch kein Mi­ning wie bei Et­he­re­um und Bit­co­in. Auch Ripp­les Block­chain funk­tio­niert an­ders als bei Bit­co­in. In Ripp­le gibt es statt Proof-of-Work ei­nen ei­ge­nen Kon­sens-Mecha­nis­mus. Da­nach stim­men Kno­ten, die mit­ein­an­der ver­knüpft sind und Zu­griff auf den ge­mein­sa­men Led­ger ha­ben, über die

Abb. 3: Das Pro­jekt Et­he­re­um ist we­ni­ger ei­ne Wäh­rung als ei­ne Ent­wick­lungs­platt­form für de­zen­tra­li­sier­te Apps, auf der auch vie­le ICO ba­sie­ren.

Abb. 4: Die vir­tu­el­le Wäh­rung Ripp­le bie­tet nicht nur Co­ins. Sie ist als Pro­to­koll ge­dacht, mit dem Ban­ken un­ter­ein­an­der Ge­schäf­te ab­wi­ckeln kön­nen.

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