Um­bra­co: mUl­ti-tools als cms

Ein Open-Sour­ce-CMS auf Ba­sis von ASP.NET

SCREENGUIDE - - WEBENTWICKLUNG - TEXT: San­dra Ka­the und Marcel We­ge

Open Sour­ce und Mi­cro­soft-Tech­no­lo­gie – die­se Kom­bi­na­ti­on galt lan­ge Zeit als un­glei­ches Paar. Ob­wohl ein ste­tig wach­sen­des Con­tent-Ma­nage­ment-Sys­tem auf ASP.NET-Ba­sis seit über zehn Jah­ren das Ge­gen­teil be­weist. Die Re­de ist von Um­bra­co, ei­nem Sys­tem, auf dem welt­weit in­zwi­schen über 400.000 Si­tes lau­fen. Es ist ein wei­ter Weg, den Um­bra­co-Er­fin­der Niels Hart­vig seit Be­ginn sei­nes Pro­jekts be­schrit­ten hat. Ein Weg, der in Ko­pen­ha­gen be­gann und bis heu­te zu über 400.000 Live-Si­tes, mehr als 200.000 ak­ti­ven Nut­zern im Com­mu­ni­ty-Fo­rum, fast 300 Part­nern und ver­schie­de­nen Kon­fe­ren­zen und Ent­wick­ler-Fes­ti­vals welt­weit ge­führt hat. Aus sei­ner Ein-Mann-Ent­wick­ler­werk­statt ist in­zwi­schen ein Un­ter­neh­men mit über 30 Mit­ar­bei­tern ge­wor­den. Ge­plant war der Er­folg des Sys­tems, das Hart­vig seit 2000 als CMS-Al­ter­na­ti­ve für ei­nen Auf­trag­ge­ber ent­wi­ckelt hat­te, da­bei wirk­lich nicht. Um­bra­co soll­te ein Tool für ihn selbst wer­den: neu, fle­xi­bel und al­les an­de­re als das, was er sich un­ter CMS vor­stell­te. Ent­stan­den ist da­bei ein Sys­tem, das sich schon al­lein vom Grund­satz von vie­len Kon­kur­ren­ten un­ter­schei­det [um­bra­co. com]. Um­bra­co ba­siert auf ASP.NET, dem Web-Frame­work von Mi­cro­soft. Im Ge­gen­satz zu vie­len PHP-ba­sier­ten Con­ten­tMa­nage­ment-Sys­te­men ist Um­bra­co da­her na­tiv in der­sel­ben Um­ge­bung zu Hau­se wie vie­le häu­fig im Un­ter­neh­mens­be­reich

ein­ge­setz­te An­wen­dun­gen auf .NET-Ba­sis, et­wa in den Be­rei­chen Wa­ren­wirt­schaft oder Dis­po­si­ti­on. Das macht Um­bra­co ge­ra­de bei gro­ßen und mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men zur Al­ter­na­ti­ve, die nicht nur in den skan­di­na­vi­schen Län­dern, wo Um­bra­co tra­di­tio­nell stark im Ein­satz ist, son­dern auch in Deutsch­land im­mer be­lieb­ter wird. So müs­sen kei­ne kom­pli­zier­ten Brü­cken ge­baut wer­den, und die An­bin­dung an be­reits ge­nutz­te Soft­ware lässt sich ein­fach auf Ba­sis der­sel­ben Sys­tem­spra­che her­stel­len. Egal ob im Be­reich E-Com­mer­ce, Tou­ris­mus, Bil­dung oder Ver­wal­tung.

.NET-TECH­NO­LO­GIE

Das Web-Frame­work ASP.NET wur­de 2002 von Mi­cro­soft als Nach­fol­ger der „Ac­tive Ser­ver Pa­ges” ver­öf­fent­licht. Die On­li­neS­ta­tis­tik­platt­form built­with.com lis­tet das Frame­work auf Platz zwei der meist­ge­nutz­ten Frame­works mit ei­nem Ge­samt­an­teil von 23 Pro­zent (Stand: Ju­li 2017), hin­ter PHP mit 26 Pro­zent [goo. gl/Ak2f­fC]. Au­ßer Um­bra­co gibt es mit Sys­te­men wie Si­te­co­re, DNN oder Ken­ti­co et­li­che wei­te­re CMS, die in ASP.NET pro­gram­miert sind, die meis­ten von ih­nen sind je­doch pro­prie­tär. Mit über 1.000 Down­loads täg­lich ist Um­bra­co da­her das der­zeit am schnells­ten wach­sen­de Open-Sour­ce-CMS auf ASP.NET-Ba­sis. Was Um­bra­co vor al­lem aus­macht, ist die Tat­sa­che, dass es sich bei dem CMS selbst eher um ein Frame­work han­delt, das ex­trem fle­xi­bel ein­setz­bar und an­pass­bar ist. Un­ter Um­bra­co kann ein klas­si­scher One-Pa­ger ent­ste­hen, ein um­fang­rei­ches eCom­mer­ce-Por­tal, genau wie Web-ba­sier­te Da­ten­bank-Soft­wares und In­tra­net-Lö­sun­gen. Auch das De­sign im Front- und Ba­ckend lässt sich ein­fach mit­hil­fe von An­gu­larJS und CSS nach in­di­vi­du­el­len Wün­schen an­pas­sen. Durch die fle­xi­ble MIT-Li­zenz ent­ste­hen mit Um­bra­co auch ei­ge­ne Pro­duk­te, de­ren En­d­er­geb­nis man gar nicht mehr an­sieht, dass sie auf Um­bra­co ba­sie­ren.

INSTALLATION UND BACKOFFICE

In­stal­lie­ren lässt sich Um­bra­co un­ter je­der Win­dows-Um­ge­bung (un­ter Mac OS via Vir­tu­al Ma­chi­ne), am ein­fachs­ten mit­hil­fe des Web Plat­form In­stal­ler. Hier ge­nügt es, Um­bra­co im App-Ka­ta­log zu fin­den und mit we­ni­gen Maus­klicks den In­stal­la­ti­ons­pro­zess an­zu­sto­ßen, um ei­ne lo­ka­le Um­bra­co-In­stanz in­klu­si­ve Da­ten­bank auf Ih­rem Rech­ner auf­zu­set­zen (Abb. 1). Al­ter­na­tiv funk­tio­niert die Installation auch über NuGet oder ma­nu­ell auf Ba­sis von selbst an­ge­leg­ten Da­ten­ban­ken. Auf der Com­mu­ni­ty-Sei­te our. um­bra­co.org ist die Installation in ver­schie­de­nen Fall­bei­spie­len Schritt für Schritt be­schrie­ben [goo.gl/cs­tNnC]. Um schnell ers­te Er­geb­nis­se mit ei­ner Um­bra­co-Sei­te zu er­zie­len, ste­hen Ih­nen di­ver­se Star­ter-Kits mit Ba­sis­funk­tio­nen so­wie ab Ver­si­on 7.7 in­te­grier­te Step-by-Step-Do­ku­men­ta­tio­nen zur Ver­fü­gung. Für die Be­ar­bei­tung von kom­ple­xen Um­bra­co-Pro­jek­ten emp­fiehlt sich die Ent­wick­lungs­um­ge­bung von Vi­su­al Stu­dio. Zu­dem gibt es ein gro­ßes An­ge­bot an kos­ten­frei­en so­wie kos­ten­pflich­ti­gen CSS-Tem­pla­tes und ein zu­sätz­li­ches An­ge­bot an Star­ter-Kits, et­wa vom schot­ti­schen Um­bra­co-Part­ner uSkin­ned. Sie kön­nen na­tür­lich auch ei­ge­ne The­mes ent­wi­ckeln. Über so­ge­nann­te Da­ta Ty­pes de­fi­nie­ren Sie ein­zel­ne Ar­ten von In­hal­ten. Da­für ste­hen Ent­wick­lern und De­si­gnern als Do­ku­men­ten­ty­pen be­zeich­ne­te Pro­per­ty-Edi­to­ren zur Ver­fü­gung, bei de­nen Sie al­le Fä­hig­kei­ten be­stimm­ter Kno­ten­ar­ten im Con­ten­tBe­reich de­fi­nie­ren und an­ord­nen kön­nen (Abb. 2). Das ge­schieht, in­dem im Kit vor­han­de­ne bzw. selbst ent­wi­ckel­te Funk­tio­nen (z.B. Edi­to­ren, Pi­cker etc.) aus ei­nem Ka­ta­log aus­ge­wählt und in ei­nem oder meh­re­ren Do­ku­men­ten­ty­pen in­te­griert wer­den. Als Kri­tik­punkt an Um­bra­co CMS wird häu­fig das Feh­len stan­dard­mä­ßi­ger „out of the box”-Do­ku­men­ten­ty­pen ge­nannt. Hier kön­nen Sie zwar auf so­ge­nann­te Star­ter­kits zu­rück­grei­fen, je­doch soll­ten Sie im Vor­feld eva­lu­ie­ren, ob dies über­haupt nö­tig ist. Viel­mehr soll­ten Sie hier den An­satz wäh­len, mit den Re­dak­teu­ren die be­nö­tig­ten Ty­pen zu de­fi­nie­ren und die­se struk­tu­riert um­set­zen. Das Er­geb­nis ist ein über­sicht­li­ches Bild für Re­dak­teu­re, die ei­ne gut an­ge­leg­te Um­bra­co-In­stanz gänz­lich oh­ne tech­ni­sche Vor­kennt­nis­se in­tui­tiv be­die­nen kön­nen. Bei der An­zei­ge der In­hal­te kom­men noch Par­ti­al Views ins Spiel, se­pa­rier­te Mo­du­le mit ei­ner ei­ge­nen An­zei­ge­lo­gik und Mo­dels, die sich im Bau­kas­ten­prin­zip ren­dern las­sen.

Abb. 1: Aus dem App-Ka­ta­log des Web Plat­form In­stal­ler lässt sich Um­bra­co ein­fach in­klu­si­ve pas­sen­der Da­ten­ban­ken lo­kal in­stal­lie­ren.

Abb. 2: Mit Do­ku­men­ten­ty­pen las­sen sich Edi­to­ren-An­sich­ten für be­stimm­te Sei­ten­ty­pen an­pas­sen.

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