22 Ast­sche­ren im di­rek­ten Ver­gleich

Schon mit Hand­kraft sind be­ein­dru­cken­de Schnit­te auch in har­tem Alt­holz mög­lich. Die bes­ten By­pass- und Am­boss-Sche­ren la­gen da­bei in un­se­ren Pra­xis­tests auf ähn­li­chem Ni­veau.

selbst ist der Mann - - Inhalt - Text Pe­ter Ba­rusch­ke

Ast­sche­ren sind prak­ti­sche Hel­fer beim jähr­li­chen Rück­schnitt, weil sie schnel­le und sau­be­re Tren­nun­gen im Grün­holz und ge­nü­gend Kraft­re­ser­ven im To­t­holz bie­ten. Sie schlie­ßen die Lü­cke zwi­schen Gar­ten­sche­re und Sä­ge – letz­te­re führt zu deut­lich grö­ße­ren Ver­let­zun­gen am le­ben­den Baum und soll­te nur be­vor­zugt wer­den, wenn der be­tref­fen­de Ast nicht mehr in das Maul der ge­öff­ne­ten Ast­sche­re passt.

Wie schon in un­se­ren vor­aus­ge­hen­den Tests von Ast­sche­ren war ein ty­pi­scher Leis­tungs­un­ter­schied der bei­den Klin­gen­sys­te­me By­pass und Am­boss nicht fest­stell­bar – aus­ge­zeich­ne­te Schnitt­leis­tun­gen fin­den sich in bei­den Be­rei­chen. Wird vor al­lem im Grün­holz ge­ar­bei­tet, sind By­pass-Sche­ren al­ler­dings bei ein­set­zen­dem Ver­schleiß der Klin­ge im Vor­teil, da die stump­fer wer­den­de Schnei­de das Holz im Schnitt­be­reich ei­ner Am­boss-Sche­re stär­ker auf den Am­boss drückt und da­mit die Holz­fa­sern quetscht. Der Hei­lungs­pro­zess wird da­durch ver­zö­gert.

Vie­le Ast­sche­ren ver­fü­gen über ei­ne He­bel­über­set­zung oder ein Ge­trie­be, da­mit wird ein län­ge­rer Be­tä­ti­gungs­weg für ei­ne hö­he­re Schließ­kraft an der Klin­ge ge­nutzt. Ei­ne Rat­schen­me­cha­nik, die den Schneid­vor­gang in meh­re­ren Be­tä­ti­gungs­zü­gen er­mög­licht, gab es in die­sem Test nur noch bei ei­nem Bil­lig-Mo­dell – und hier ar­bei­te­te die­se Tech­nik höchst un­be­frie­di­gend. Für ei­ne gu­te Schnitt­leis­tung – so zeig­ten un­se­re Pra­xis­ver­su­che – sind die­se Kraft­un­ter­stüt­zun­gen nicht zwin­gend nö­tig: Mo­del­le von Ber­ger, Gar­de­na und Gar­dol (Bau­haus) mit ho­hen Schnitt­leis­tun­gen konn­ten sich oh­ne Kraft­ver­stär­ker im Spit­zen­feld be­haup­ten. Eher kon­tra­pro­duk­tiv für den An­wen­der ist die Über­set­zung beim te­le­sko­pier­ba­ren Test­sie­ger von Wolf Gar­ten: Hier ver­grö­ßert die He­bel­über­set­zung den so­wie­so schon sehr gro­ßen Öff­nungs­win­kel bei aus­ge­zo­ge­nen Griff­schen­keln – es kön­nen da­her nur klei­ne­re Durch­mes­ser mit aus­ge­zo­ge­nem Te­le­skop ge­schnit­ten wer­den.

Wer bes­te Schnitt­leis­tun­gen und ei­ne Top-Ver­ar­bei­tung er­war­tet, muss tie­fer in die Ta­sche grei­fen: Die mit Ab­stand bes­te Ast­sche­re im Test­feld von Stihl kos­tet über 100 Eu­ro. Frei­lich be­wäl­tigt

Ob By­pass oder Am­boss – die bes­ten Sche­ren tren­nen gro­ße Durch­mes­ser

die­ses Am­boss-Mo­dell auch di­cke Knüp­pel eher spie­le­risch – fast al­les, was ins Schneid­maul passt, wird auch ge­trennt. Prak­tisch ist der Zug­ha­ken am Klin­ge­nen­de, denn da­mit kann der ab­ge­trenn­te Ast auch gleich aus dich­tem Ge­äst ge­zo­gen wer­den. Glat­te Ober­flä­chen ver­mei­den Ver­schmut­zun­gen, ein­fa­che, aber er­go­no­misch ge­form­te Griff­hül­sen lie­gen auch bei län­ge­rem Ar­bei­ten be­quem in der Hand.

Bei ei­nem Etat zwi­schen 60 und 80 Eu­ro sind nur ge­rin­ge Kom­pro­mis­se nö­tig – beim Test­sie­ger im Be­reich der By­pass-Sche­ren von Wolf Gar­ten er­hält man so­gar ei­nen Te­le­sko­paus­zug. Frei­lich be­dingt hier die Mecha­nik ein ge­wis­ses Spiel – die Sche­re klap­pert leicht. Die am En­de et­was nach in­nen ge­krümm­ten Grif­fe er­leich­tern die Be­die­nung mit aus­ge­streck­ten Ar­men – die­ses Mo­dell ist da­her der Spe­zia­list für ent­fern­te­re Schnit­te, gro­ße Durch­mes­ser sind aber nur mit ein­ge­zo­ge­nem Te­le­skop zu be­wäl­ti­gen. Der ein­zi­ge te­le­sko­pier­ba­re Kon­kur­rent mit By­pass-Tech­nik von Freund konn­te bei den Schneid­ver­su­chen grö­ße­rer Durch­mes­ser nicht mit­hal­ten und lan­de­te da­her wei­ter hin­ten in un­se­rer Er­geb­nista­bel­le – kos­tet da­für aber auch nur gut die Hälf­te des Spit­zen­mo­dells.

Rund­um gu­te Sche­ren kom­men au­ßer­dem von Ber­ger, Fis­kars und Gar­de­na. Über­ra­schend gut schnitt über­dies das für nur rund 20 Eu­ro er­hält­li­che Mo­dell von Gar­dol ab, der Ei­gen­mar­ke des Bau­mark­tes Bau­haus. Die VPA mo­nier­te nur die star­ke Rif­fe­lung am Griff, die bei län­ge­rem Ar­bei­ten ein deut­li­ches Mus­ter in der Hand des An­wen­ders hin­ter­lässt. In der Pra­xis be­wäl­tig­te auch die­se Sche­re prak­tisch al­les, was ins Maul passt – und das so­gar mit ver­gleichs­wei­se ge­rin­ger Be­tä­ti­gungs­kraft.

Wer noch mehr spart, ern­tet frei­lich Ver­druss: Die bei­den Mo­del­le von Re­kord ent­täusch­ten in der Pra­xis, selbst klei­ne­re Durch­mes­ser wa­ren nur mit Mü­he zu tren­nen.

Über­ra­schend schwach auch die Tes­t­er­geb­nis­se der bei­den Mo­del­le des Pro­fi­an­bie­ters Fel­co: Die mit Ab­stand teu­ers­ten Sche­ren des Tests pat­zen mit ge­rin­ger Schnei­den­prä­zi­si­on (Am­boss) und Schneid­leis­tung (By­pass). In­ak­zep­ta­bel ist es da­zu noch, dass die Griff­hül­sen bei­der Ast­sche­ren-Mo­del­le zu leicht ab­zieh­bar

Auch ei­ne preis­wer­te Ast­sche­re aus dem Bau­markt zeig­te gu­te Schneid­leis­tun­gen

sind – und auf die­se Art die Min­dest­an­for­de­run­gen der Norm in ei­nem wich­ti­gen Punkt nicht er­reicht wer­den. Die VPA wer­te­te die Sche­ren des­halb auf­grund der nicht be­stan­de­nen Si­ cher­heits­prü­fung ab – Fol­ge ist die Ro­te La­ter­ne für die bei­den ver­meint­li­chen TopPro­duk­te un­se­res Tests.

www.selbst.de

Grif­fig: Trotz ein­fa­cher Gestal­tung liegt der Griff bei Stihl gut in der Hand.

Ge­bo­gen: Noch bes­ser ist bei Wolf Gar­ten die Griff­mög­lich­keit von hin­ten.

Ab­ge­glit­ten: Hier (bei Ber­ger) glei­tet das Schnitt­gut im Sche­ren­maul.

Un­prä­zi­se: Bei ei­ni­gen By­pass-Sche­ren (hier Gar­de­na) schließt die Klin­ge nicht.

Ver­stär­ker: Die Be­tä­ti­gungs­kräf­te kön­nen per Ge­trie­be oder He­bel­me­cha­nik un­ter­stützt wer­den.

Grif­fig : Form und Aus­füh­rung der Griff­be­rei­che un­ter­schei­den sich deut­lich.

Al­le Pra­xis­tests zum Down­load auf www.selbst.de/Tests

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