Die Macht der Hor­mo­ne

Hor­mo­ne be­stim­men über Lau­ne, Ge­lüs­te, Schlaf – so­gar auf un­se­re Waa­ge ha­ben sie Ein­fluss. Wie die Herr­scher un­se­rer in­ne­ren Welt ar­bei­ten

SHAPE (Germany) - - Healthy Living -

Al­les in Ba­lan­ce? Ist der Hor­mon­haus­halt im Lot, füh­len wir uns se­xy, sport­lich, aus­ge­gli­chen.

EEin Bun­gee Jump aus 70 Me­tern Hö­he, der An­blick ei­nes Neu­ge­bo­re­nen, ein furcht­ba­rer Streit mit dem cho­le­ri­schen Chef oder ein über­wäl­ti­gen­der Or­gas­mus mit dem Liebs­ten – es gibt vie­le Er­eig­nis­se, bei de­nen un­ser Kör­per von Hor­mon­cock­tails spür­bar durch­flu­tet wird. Auch wenn wir uns in sol­chen Mo­men­ten wie im Rausch füh­len: Im Gro­ßen und Gan­zen läuft die Pro­duk­ti­on der Hor­mo­ne eher un­be­merkt und lei­se ab. Un­be­deu­tend sind sie des­halb längst nicht. Sie sor­gen für un­se­re Weib­lich­keit, küm­mern sich um un­se­re Lust auf Sex und sind die heim­li­chen Draht­zie­her un­se­rer Emo­tio­nen. Sie steu­ern den täg­li­chen Schlaf-Wach-Rhyth­mus, ge­nau wie den Ap­pe­tit und den Ener­gie­stoff­wech­sel – und sind gleich­zei­tig für ganz ein­fa­che Din­ge wie das Wachs­tum der Mus­keln oder ei­nen schö­nen Teint ver­ant­wort­lich. Was pas­siert, wenn das fein re­gu­lier­te Hor­mon­sys­tem doch ein­mal durch­ein­an­der­ge­rät, er­klärt der Fach­arzt Priv.-Doz. Dr. On­no Jan­ßen vom En­do­kri­no­lo­gi­kum in Ham­burg.

Ach­tung, Sen­si­bel­chen!

„Hor­mo­ne sind ei­gent­lich so et­was wie Steu­er­si­gna­le oder Bo­ten­stof­fe, die da­für sor­gen, dass ver­schie­de­ne Sys­te­me Ih­res Kör­pers rei­bungs­los funk­tio­nie­ren“, er­läu­tert der Ham­bur­ger Ex­per­te. „Da­bei fun­giert die Hirn­an­hang­drü­se als ei­ne Art Schalt­zen­tra­le. Sie über­prüft, ob ge­nü­gend Hor­mo­ne für die ein­zel­nen Funk­tio­nen vor­han­den sind. Falls nicht, wird den ver­schie­de­nen Drü­sen des Kör­pers das Si­gnal ge­ge­ben, neue Bo­ten­stof­fe zu pro­du­zie­ren. Die­ser Re­gel­kreis funk­tio­niert ähn­lich wie ein Ther­mo­stat. Al­ler­dings muss die Hirn­an­hang­drü­se vie­le un­se­rer Hor­mo­ne gleich­zei­tig im Blick be­hal­ten – da­her ist die Re­gu­la­ti­on sehr sen­si­bel und an­fäl­lig für Stö­run­gen.“

Der DO­mi­no-Ef­fekt

Ist der Kör­per ge­sund und aus­ge­ruht, läuft das fein re­gu­lier­te Sys­tem wie von selbst. Ge­rät der Re­gel­kreis al­ler­dings durch Fak­to­ren wie Stress oder Krank­heit durch­ein­an­der, hat das auch im­mer Aus­wir­kun­gen auf die Pro­duk­ti­on un­se­rer Hor­mo­ne. Ein Bei­spiel: Bei zu viel Stress schla­fen Sie si­cher we­ni­ger. Das be­deu­tet für den Kör­per zu­sätz­li­che Auf­re­gung. Das Re­sul­tat: Der Pe­gel des Stress­hor­mons Cor­ti­sol (sie­he rechts) er­höht sich. Gleich­zei­tig wird durch die zu kur­ze Nacht­ru­he zu we­nig von dem Tief­schlaf­hor­mon Me­la­to­nin und von dem Sät­ti­gungs­hor­mon Lep­tin pro­du­ziert. Mit dem Ef­fekt: Sie füh­len sich tags­über nicht nur mü­de und zer­knit­tert, son­dern ha­ben auch mehr Ap­pe­tit. Da mit dem Cor­ti­sol­spie­gel im Blut aber auch der Blut­zu­cker­spie­gel steigt, schüt­tet der Kör­per ver­mehrt das Fettspei­cher­hor­mon In­su­lin aus, um den Blut­zu­cker zu sen­ken. Das Er­geb­nis: Sie essen nicht nur mehr, das Ge­ges­se­ne setzt auch leich­ter an.

Aus dem Ta kt ge­ra­ten

Ein an­de­res Bei­spiel: Sie trai­nie­ren re­gel­mä­ßig, ach­ten auf Ih­re Er­näh­rung und die Waa­ge zeigt seit ein paar Mo­na­ten trotz­dem im­mer mehr an? Dann kann ei­ne Stö­rung der Schild­drü­se die Ur­sa­che sein – ei­nem un­se­rer wich­tigs­ten Hor­mon­pro­du­zen­ten. „Die Funk­ti­on der Schild­drü­sen­hor­mo­ne ist es, den Zel­len die Er­laub­nis zu er­tei­len, Ener­gie zu ver­bren­nen, um uns fit zu hal­ten“, er­klärt Priv.-Doz. Dr. On­no Jan­ßen. „Bei ei­ner Un­ter­funk­ti­on, dem Ha­shi­mo­to, ist die Schild­drü­se ent­zün­det und so im­mer we­ni­ger in der La­ge, Hor­mo­ne zu pro­du­zie­ren. Da­durch kön­nen die Zel­len Ener­gie nicht mehr ver­wer­ten, son­dern le­dig­lich spei­chern. Das hat auf der ei­nen Sei­te ei­ne Ge­wichts­zu­nah­me zur Fol­ge,

Trotz glei­cher Er­näh­rung zeigt die Waa­ge plötz­lich viel mehr oder

we­ni­ger an? Las­sen Sie Ih­re Schild­drü­se tes­ten.

wie Hor­mo­ne ihr wohl­be­fin­den be­ein­flus­sen. Plus: Noch ent­spann­te­re Mus­keln dank Fas­zi­en-Yo­ga

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